Gummibändchen-Boom aus den USA Kunterbunte Loom-Bands liegen voll im Trend

Von Kathrin Pohlmann


Osnabrück. Kunterbunte Gummikringel zieren derzeit Kinderarme auf der ganzen Welt. Die sogenannten Rainbow Loom-Bands oder auch Loom-Bands sind der Trend in jedem Kinderzimmer. Dabei handelt es sich um Gummibänder in allen erdenklichen Farbspektren, die zu Armbändern geflochten werden - oder auch Kleidungsstücken.

Herzogin Kate trägt sie, David Beckham ist Fan von ihnen und sogar Papst Franziskus kann nicht ohne sie – die Rede ist von den sogenannten Loom-Bands. Die bunten Gummiarmbänder sind derzeit aus keinem Kinderzimmer mehr wegzudenken und zieren überall die Arme von Kindern. Es gibt sie in allen erdenklichen Farben: in Neon, mit Glitzer, in der Nacht leuchtend und mit Duft. „Ja, der Trend ist definitiv zu spüren. Fast jeder zweite Einkauf dreht sich um Loom-Band“, sagt Kathrin Birkemeyer vom Spielzeuggeschäft Nagel in Georgsmarienhütte. Die Fachverkäuferin ist selbst dem Hype verfallen und häkelt munter Armbänder. Ein Video dazu hat sie bereits bei Youtube eingestellt und fast im Minutentakt bekommt sie neue Klicks.

Der Trend ist mittlerweile an seinem Höhepunkt angekommen. Mütter, Väter, Geschäftsleute, Kindergartenkinder, Grund- oder Realschüler, alle häkeln sich die bunten Bänder und tragen sie – ganz egal, welches Alter, das kann auch Kathrin Birkemeyer bestätigen. „Es ist ein genereller Trend zum Selbermachen zu erkennen. Kinder wollen wieder mehr Kreatives machen“, sagt sie.

„Die laufen wie verrückt“

Wolfgang Hellwig vom Spielwarengeschäft Hellwig aus Bad Rothenfelde kann das nur bestätigen. „Die laufen wie verrückt. Anfangs war das gar nicht abzusehen, aber die Nachfrage wurde immer stärker“, sagt er. Mittlerweile sei die Qualität auch besser. „Anfangs waren die Bänder noch aus Gummi, die neuen sind aus Silikon und viel stabiler“, erzählt Hellwig.

Auch Schüler Jannes ist Fan von den Loom-Bands. „Die kann man an Freunde verschenken und verkaufen“, erzählt er. Mittlerweile schafft er fünf Stück am Tag und arbeitet gerade an einem Hundehalsband. Nikola Wolther aus GMHütte kauft für ihre Tochter die bunten Bändchen. „Ich finde das sehr schön, es ist mal etwas Kreatives und besser als vor dem Fernseher zu sitzen“, sagt sie.

Aber nicht nur Armbänder lassen sich aus den bunten Gummibändchen herstellen.

Mit ein bisschen Fingerfertigkeit entstehen auch Figuren wie kleine Eulen, Fingerringe oder gar Pferde samt Pferdekutsche. Manche häkeln sich sogar ganze Kleider oder Krawatten daraus.

Die Geschichte des Loom-Bands

Erfunden hat den Gummiband-Trend vor gut vier Jahren der amerikanische Ingenieur Cheong Choon Ng aus Michigan. Aufmerksam auf die Web-Technik wurde er, als er seine beiden kleinen Töchter beim Spielen mit Haushaltgummis beobachtete. Dass daraus am Ende ein Megatrend entstehen würde, ahnte er damals sicher noch nicht. Trotzdem ließ ihn das Spiel nicht los. Gemeinsam mit seiner Frau und seinen Töchtern entwickelte er einen Webrahmen.

Mit dieser Erfindung suchte er sich einen Hersteller und ließ die ersten Looms – was übrigens auf deutsch Webstuhl heißt – herstellen – doch der Erfolg blieb aus. Keiner interessierte sich für die Idee. Seine Töchter aber webten und häkelten weiter. Cheong Choon Ng filmte ihre Fingerfertigkeit und stellte die Videos ins Netz. Über das Internet verbreitete sich die Erfindung und im Herbst 2013 war der Hype in den USA schon nicht mehr aufzuhalten. Und nun sorgen Loom-Bands auch in Deutschland für Tumulte in Spielzeugläden.

Kritik von Umweltschützern

Doch ein Trend wäre kein richtiger, wenn nicht auch Kritiker sich zu Wort melden würden. Umweltschützer halten nämlich gar nichts von dem kunterbunten Handgelenksschmuck. Wenn die Begeisterung für die Loom Bands nachlässt, werden sie unweigerlich in den Abfallstrom gelangen“, so eine offizielle Erklärung der Entsorgungsgruppe „ WasteConnect“ in Großbritannien.

Denn die Bändchen bestehen aus Silikon, verrotten nicht und sind nicht recycelbar. Sie befürchten, dass die Gummis bei einem Ende des Trends in der Tonne oder schlimmstenfalls in der Umwelt landen. Wo sie bleiben, für immer. Außerdem sollen die Billig-Varianten krankmachende Weichmacher enthalten.

„Wir haben keine Bedenken, dass die Bändchen, die wir anbieten giftig sind, sonst würden wir sie nicht verkaufen“, sagt eine Mitarbeiterin aus der Spielwarenabteilung von Schäffer in Osnabrück. Um auf Nummer sicher zu gehen, ist es wichtig, auf die Prüfsiegel zu achten. Das CE-Siegel gilt europaweit und soll garantieren, dass die Bänder den Gesundheitsanforderungen entsprechen. Das deutsche TÜV- und GS-Siegel steht ebenso für Qualität.

Ein Blick auf die Verpackung ist also empfehlenswert. Aktuelle Stichproben unterschiedlicher Hersteller haben bisher keine Weichmacher in den Gummibändern gefunden – und somit auch keine gefährlichen Giftstoffe. Von Loom-Bändern ohne Siegel sollte man lieber die Finger lassen.