Verfahren wegen schwerer Körperverletzung eingestellt „Gnadenentscheidung“ für GMHütter

Von Hendrik Steinkuhl

Landgericht Osnabrück revidierte Amtsgerichtsurteil nach Schlägerei unter GMHütter Nachbarn. Symbolfoto: dpaLandgericht Osnabrück revidierte Amtsgerichtsurteil nach Schlägerei unter GMHütter Nachbarn. Symbolfoto: dpa

Osnabrück/Georgsmarienhütte. Nachdem ein verkorkstes Verhältnis zwischen zwei Nachbarn in Georgsmarienhütte in einer Schlägerei gipfelte, musste das Gericht entscheiden, ob ein 60-Jähriger einen 70-Jährigen und seinen Sohn geschlagen hatte. Nachdem das Amtsgericht den Angeklagten verurteilt hatte, stellte das Landgericht nun das Verfahren gegen eine Geldauflage ein.

Immer wieder hört man davon, dass Nachbarn in einem kriegsähnlichen Verhältnis leben. Der Fall der beiden GMHütter Rentner, die sich nun vor dem Osnabrücker Landgericht trafen, gehört ohne Zweifel in diese Kategorie. „Alle früheren Vorfälle wollen wir jetzt nicht aufdröseln, dann wären wir morgen früh noch hier“, sagte der Vorsitzende Richter. Immer wieder waren der 60-Jährige und der 70-Jährige in dem von beiden bewohnten Mehrfamilienhaus aneinandergeraten – im November 2013 war der Streit zwischen den beiden dann eskaliert.

Laut dem Urteil des Amtsgerichts hatte der 60-Jährige seinem Nachbarn völlig unvermittelt ins Gesicht geschlagen, weil er wegen Baulärms verärgert gewesen war. „Ich habe Stemmarbeiten im Badezimmer gemacht, da wird es natürlich auch mal etwas lauter“, sagte der 70-jährige Geschädigte nun vor dem Landgericht. Sein Nachbar habe an besagtem Tag bei ihm geklingelt und ihm vorgeworfen, es sei 20 Uhr und er für diese Uhrzeit viel zu laut. „Dabei war es erst 17 Uhr.“ Ohne viel Federlesens habe ihn der Angeklagte dann geschlagen. Schäden habe er nicht davongetragen, sagte der 70-Jährige.

Im Anschluss seien die beiden Streithähne dann in den Keller des Angeklagten geraten. Wie sie dort hinkamen, konnte der 70-Jährige nicht genau erklären.

Der Angeklagte wiederum stellte die Situation völlig anders dar. Er sei in seinem Keller gewesen, um dort einen Bohrer zu holen. Plötzlich kamen der Angeklagte und sein Sohn in den Raum und hätten ihn unvermittelt angegriffen. Der Sohn habe ihn an der Kehle gepackt, gegen die Wand gedrückt und dann auf die Brust geschlagen.

Die Version des Geschädigten klang naturgemäß völlig anders. Als er die Auseinandersetzung mit dem Angeklagten im Keller weitergeführt habe, sei zwar tatsächlich sein Sohn dabei gewesen, aber sie beide hätten den 70-Jährigen definitiv nicht angegriffen. Es sei im Gegenteil so gewesen, dass sich der Angeklagte eine Kette, mit der er sonst sein Fahrrad abschließe, um die Hand gewickelt und dann auf den Hinterkopf seines Sohnes geschlagen habe.

Präzise war der 70-Jährige in seinen Darstellungen nicht, zudem widersprach er einigen Aussagen, die er nach dem Vorfall bei der Polizei gemacht hatte. Die Einlassungen des Angeklagten waren allerdings noch konfuser. Dass er teilweise dass Gegenteil von dem sagte, was er noch in der Verhandlung vor dem Amtsgericht behauptet hatte, erklärte er damit, dass der Dolmetscher damals alles falsch übersetzt habe.

Der Vorsitzende Richter fand die Beweise sehr dünn, deshalb denke er an Einstellung des Verfahrens. Der Staatsanwalt stimmte dem zu – wenn auch im Fall der schweren Körperverletzung, also dem mutmaßlichen Schlag mit der Metallkette, mit Bauchschmerzen. Statt einer Verurteilung wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung und einer Geldstrafe in Höhe von 1100 Euro, die das Amtsgericht verhängt hatte, kam der Angeklagte nun mit 600 Euro Geldauflage und einer Einstellung des Verfahrens davon. „Das war heute eine Gnadenentscheidung“, sagte der Staatsanwalt. „So eine Einstellung gibt es nur einmal!“