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Überraschend mildes Urteil Vergewaltigung in der Ehe – Bewährungsstrafe für Iburger

Von Klaus Möllers

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Mildes Urteil im Vergewaltigungsprozess. Symbolfoto: dpaMildes Urteil im Vergewaltigungsprozess. Symbolfoto: dpa

Georgsmarienhütte/Münster. Als der Vorsitzende Richter das Urteil sprach, schauten sich der Angeklagte und sein Verteidiger erleichtert an. Mit einem so milden Urteil hatten offenbar beide nicht gerechnet. Das Landgericht Münster verurteilte den 26-Jährigen aus Bad Iburg am Montag wegen Vergewaltigung in der Ehe und vorsätzlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Zusätzlich soll er seiner Ex-Frau 2000 Euro als „Wiedergutmachung“ zahlen.

Nach vier Verhandlungstagen und der Befragung etlicher Zeugen hatte die Staatsanwältin viereinhalb Jahre Gefängnis für den Angeklagten gefordert – wegen Vergewaltigung in drei sowie Körperverletzung in zwei Fällen (siehe Bericht vom 3. Mai). Der Verteidiger indes beantragte Freispruch. Vor allem, weil die Aussagen der Ex-Frau seiner Ansicht nach diverse Widersprüche aufwiesen.

Das sah die Strafkammer nicht so. Vielmehr sei die Aussage der 30-Jährigen vor Gericht „absolut glaubwürdig“ gewesen, so der Richter in der Urteilsbegründung. Die „Aussagequalität“ in solch einem Fall sei „außerordentlich hoch“. Nichts weise darauf hin, dass sich die 30-Jährige wegen anderer Dinge an ihrem Freund habe rächen wollen und etwas erfunden habe. Sie habe auch trotz der langen Zeit seit der Taten – in den Jahren 2008 und 2009 –„keine Erinnerungslücken aufgefüllt“ oder sich von Dritten beeinflussen lassen. Vielmehr sei es wohl ihre Psychotherapie gewesen, die sie nach der Trennung von ihrem Mann 2010 begann und sie dazu gebracht habe, Geschehenes für sich aufzuarbeiten und den Ex im Nachhinein anzuzeigen.

Drei Fälle

Angeklagt waren drei Fälle der Vergewaltigung. Insgesamt aber habe sie ihr Ex-Mann über 15 Mal zum Sex in der gemeinsamen Wohnung in Georgsmarienhütte und später in Telgte-Westbevern gezwungen, hatte die Frau während ihrer viereinhalbstündigen Vernehmung geschildert. Sie könne jedoch nur drei Fälle mit Zeit, Ort und Umständen genau benennen. In einem Fall habe ihr Mann sie an einem Ohr blutig geschlagen, später dann – im Bett gegen die Wand gedrückt – und sie missbraucht, ohne, dass sie sich habe wehren können. Das Gericht verurteilte den Ex dafür zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung.

In einem anderen Fall habe er ihr Gesicht immer wieder in eine Schüssel unter Wasser gedrückt. Für die vorsätzliche Körperverletzung bekam der Bad Iburger sechs Monate. Als Gesamtstrafe wurden daraus zwei Jahre auf Bewährung. Dass die 30-Jährige an dem Abend erneut von ihrem Mann missbraucht worden sei, habe sie aber nicht klar dargelegt, erklärte der Richter. Vielmehr habe sie Fragen „allgemein“ beantwortet. Wie mit dem Satz „ich habe mich immer gewehrt“. Wichtig sei hingegen gewesen, was im Detail geschehen sei, so der Richter. Denn einige Male, so ihre Aussage, habe sie den Missbrauch schlicht über sich ergehen lassen. „Für eine Verurteilung wegen Vergewaltigung reichen solche Angaben nicht aus – dann gilt ,im Zweifel für den Angeklagten‘“, erklärte der Richter.

„Vom Leben ausgeschlossen“

„Es gab Diskussionen, Anfeindungen, Gewalttaten“, die dann womöglich immer wieder in Vergewaltigungen endeten. Es hätten „mehr Fälle“ angeklagt werden können, betonte der Vorsitzende. Warum die Staatsanwaltschaft dies nicht getan habe, sei ihm unklar. Und an den Angeklagten: Der habe seine Frau durch Eifersucht und Verbot privater Kontakte „vom Leben ausgeschlossen“. Vielleicht sei dessen Eifersucht und aggressives Verhalten sogar krankhaft.


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