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Besteller aus den USA GMHütterin Jutta Knipping illustriert die Bücherreihe „Das magische Baumhaus“

Von Hauke Petersen

Zwischen Pinseln, Scheren und Stiften: Im kreativen Chaos ihres Zeichentisches entwirft Jutta Knipping die Bilder, die eine ganze Generation von Kindern bei der Lektüre der Bücherreihe „Das magische Baumhaus“ verschlingt. Foto: Elvira PartonZwischen Pinseln, Scheren und Stiften: Im kreativen Chaos ihres Zeichentisches entwirft Jutta Knipping die Bilder, die eine ganze Generation von Kindern bei der Lektüre der Bücherreihe „Das magische Baumhaus“ verschlingt. Foto: Elvira Parton

Georgsmarienhütte. Sie kennen „Das magische Baumhaus“ nicht? Dann fragen Sie mal ein Kind von neun Jahren. Die Abenteuergeschichten der Amerikanerin Mary Pope Osborne verkaufen sich millionenfach – allein in Deutschland. Gezeichnet werden die Bücher von der Georgsmarienhütterin Jutta Knipping.

42 Bände um die Geschwister Anne und Philipp und ihr geheimnisvolles Baumhaus gibt es inzwischen auf dem deutschen Markt. Bei allen 42 Bänden hat Jutta Knipping das Titelcover illustriert – und bei vielen stammen auch sämtliche Bilder im Inneren von ihr. Warum nicht bei allen? „Die Kinder kamen dazwischen.“

Knipping hat zwei, einen Jungen und ein Mädchen. Genau die Konstellation also wie bei den Titelfiguren in ihrem größten Zeichenerfolg. Der nahm bereits vor zehn Jahren seinen Anfang. Damals aber war noch nicht abzusehen, dass die aus den USA stammende Reihe um zwei Kinder, die mit einem Baumhaus in fremde Zeiten und Welten reisen können, auch in Deutschland einschlagen würde. „Am Anfang habe ich ganz schön rumgekrebst“, erinnert sich die 43-Jährige. Heute verdient sie über einen Festpreis hinaus auch an der „Baumhaus“-Auflage.

Dass Jutta Knipping Talent hat, war schon früh klar. In Kunst stand sie ständig auf eins (übrigens bei Lehrerin Christa Albes-Hübschen, die jetzt im Vorstand der GMHütter Kunstschule Paletti ist). Danach kam die Ausbildung zur Druckvorlagenherstellerin und das FH-Studium der Visuellen Kommunikation („Schreiben Sie einfach Grafik-Design, das versteht man wenigstens.“). Schon während des Studiums knüpfte Knipping erste Kontakte zu Verlagen. Eine Präsentation auf der Frankfurter Buchmesse brachte ihr die ersten Aufträge.

„Ein Professor sagte mir mal: Leute, die Kinder zeichnen können, werden immer gesucht. Und Kinder kann ich gut.“ Das sieht sogar der Laie. Ihre Figuren haben Tiefe, wirken lebendig. Das fällt besonders auf, wenn Knipping einen der Teile auspackt, bei denen sie nur das Cover illustriert hat. Anne und Philipp sehen dort zwischen den Buchdeckeln seltsam oberflächlich und unfertig aus.

Es ist wie so oft in der Kunst: Dem fertigen Bild sieht man die Arbeit dahinter nicht an. Aber es ist Arbeit, auch für jemanden mit Talent. Sechs Wochen hat Jutta Knipping in aller Regel Zeit, um ein Buch – also buntes Cover plus 30 bis 50 Schwarz-Weiß-Zeichnungen im Innenteil – zu illustrieren. Das Erste ist: die Geschichte lesen. In dem Buchentwurf, der gerade auf dem kreativen Chaos ihres Zeichentisches liegt, sind bereits die Stellen frei gelassen, die Knipping füllen soll. Sie zeichnet zunächst auf Schreibmaschinenpapier und sendet ihre Entwürfe an den Verlag. Dann kommen die Korrekturen: Mal ist ein Arm zu groß, mal das Bild zu gruselig. Über dem Buch-Cover brütet sogar eine ganze Runde. Passt alles, paust Knipping ihre Bleistiftzeichnung auf Aquarellpapier durch.

„Der Termindruck ist das Problem“, sagt sie. Zeichenblockade? Kennt sie auch: „Es gibt Tage, da kriege ich keinen Strich vernünftig hin.“ Aber die sind selten.

Anders darf es auch nicht sein, denn parallel warten noch andere Auftraggeber. Gerade sitzt die GMHütterin an einem Buch zur Serie „Frag doch mal... die Maus!“ Thema ist der Garten. Richtig viel Arbeit. Knipping deutet auf einen gut gefüllten Umzugskarton: „Darin ist das Recherchematerial.“ Es gehe nicht nur darum, die Tiere und Pflanzen realitätsnah zu zeichnen. „Man muss auch wissen, welches Tier zu welcher Pflanze geht.“ Die Kinder sollen schließlich etwas lernen. Und da sind wir bei einem schönen Nebeneffekt von Jutta Knippings Arbeit: „Auch ich lerne enorm viel.“


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