GMHütter Schulleiter beziehen Position „IGS ist nicht die Nonplusultra-Schule“

Meine Nachrichten

Um das Thema Georgsmarienhütte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Als Standort  einer möglichen IGS in GMHütte denkbar: das Realschulgebäude am Schulzentrum. Foto: Archiv/Jörn MartensAls Standort einer möglichen IGS in GMHütte denkbar: das Realschulgebäude am Schulzentrum. Foto: Archiv/Jörn Martens

Georgsmarienhütte. Die Leiter der weiterführenden Schulen in GMHütte zeigen in der derzeit heiß diskutierten Schulstrukturfrage Geschlossenheit: Sie beziehen klare Position gegen eine mögliche Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) in der Hüttenstadt.

Für Ulrich Schimke (Gymnasium Oesede), Berthold Aulenbrock (Realschule), Mark Reinhard (Carl-Stahmer-Hauptschule/Sophie-Scholl-Schule) und Andreas Viehoff (Comenius-Förderschule) steht fest: „Die IGS ist anders als in der öffentlichen Diskussion oft dargestellt nicht die Nonplusultra-Schule.“

Für die Schulleiter wird es Zeit, dass die Politik nicht nur über die künftige Schullandschaft redet, sondern die pädagogischen Inhalte und die Schüler in den Mittelpunkt stellt. „Die entscheidende Frage ist doch, ob das System den Schülern optimale Bildungschancen ermöglicht. Hier wird die vorhandene Struktur schlechtgeredet, obwohl es in GMHütte ein homogenes System mit Gymnasium, Realschule, zwei Hauptschulen und einer Förderschule gibt, in dem die geforderte Durchlässigkeit schon Realität ist und eine enge Kooperation stattfindet“, erläutert Hauptschulleiter Mark Reinhard die Stärken der bestehenden Schulstruktur.

Schon vor zwei Jahren haben die vier Schulleiter in einem gemeinsamen offenen Brief gefordert, das gut funktionierende gegliederte Schulsystem in GMHütte zu erhalten. Vor Kurzem haben sie ihre Position jetzt noch einmal sowohl in einem Gespräch mit der CDU-Fraktion als auch bei einem Termin mit SPD-Linke-Gruppe sowie Grünen-Vertretern deutlich gemacht, nachdem die Hüttenstadt häufiger wegen der hier gegebenen Schülerzahlen als möglicher Standort einer IGS im Südkreis genannt worden war.

Realschulleiter Berthold Aulenbrock: „Das wäre eine Schule mit großen Klassen, indem zum Beispiel die gut funktionierende Berufsorientierung im Sek.-I-Bereich nicht mehr in der derzeitigen Form möglich wäre.“ Eine IGS werde viel zu sehr unter dem Abitur-Aspekt diskutiert und nicht unter der Frage, ob die Schüler wirklich optimal gefördert werden. Gerade für schwächere Schüler bestünde die Gefahr, in solch großen Systemen unterzugehen.

Das ist auch für Andreas Viehoff, Leiter der Comenius-Förderschule, ein entscheidender Aspekt: „Wir haben in GMHütte im Sek.-I-Bereich gut funktionierende Kooperationen mit lokalen Unternehmen und Betrieben aufgebaut, die es ermöglichen, dass die Schüler nach dem Abschluss auch einen entsprechenden Ausbildungsplatz finden. Eine derartig gezielte Betreuung ist aber nur in kleineren Klassen möglich, nicht in großen Systemen.“

Es werde heute allgemein von einem Anteil im Bereich von 20 Prozent der Schüler ausgegangen, die kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten, wenn hier nicht über die Schule die Bindung an Berufsperspektiven gelinge.

Der Punkt „Bildungsgerechtigkeit“ hat auch für Ulrich Schimke, Leiter des Gymnasiums Oesede, zentrale Bedeutung: „Das bestehende dreigliedrige Schulsystem in GMHütte bietet den Schülern beste Chancen für den weiteren Lebensweg. Wir vier sind die Schulen für den sozialen Aufstieg.“

Die Schulleiter wünschen sich, dass sie in der Diskussion „mehr gehört werden“, damit mit Vorurteilen aufgeräumt wird. So etwas wie Lernhäuser, die immer als IGS-Besonderheit dargestellt würden, gebe es im Ansatz auch schon im bisherigen Unterricht.

Auch werde in der Öffentlichkeit übersehen, dass an Gesamtschulen selektiert werde – und zwar bereits bei der Aufnahme. Andreas Viehoff (Comeniusschule): „Gerade Schüler mit Hauptschulempfehlung werden häufig abgewiesen.“

Alle vier Schulleiter hoffen auf „mehr Ehrlichkeit“ beim Thema künftige Schulstruktur: Es handele sich vor allem um eine politische Diskussion . Denn der Anteil von rund 16 Prozent der Eltern, die sich in der Befragung des Landkreises in GMHütte für ein IGS-Angebot ausgesprochen haben, zeige deutlich die hohe Zufriedenheit, die es mit dem bestehenden Bildungsangebot gebe.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN