Christliche Sichtweise erläutert Kloster Oesede: Vortrag über Patientenverfügung

Von Frank Muscheid

Bistums-Referentin Anja Egbers erläuterte die christliche Perspektive auf Möglichkeiten und Grenzen von Patientenverfügungen. Foto: Frank MurscheidBistums-Referentin Anja Egbers erläuterte die christliche Perspektive auf Möglichkeiten und Grenzen von Patientenverfügungen. Foto: Frank Murscheid

Georgsmarienhütte. Was, wenn schwere Krankheit oder ein Unfall verhindern, dass jemand noch ausdrücken kann, wie weit die Medizin eingreifen soll? Wie sensibel und emotional das Thema ist, zeigte der Vortrag von Anja Egbers, Referentin des Bistums Osnabrück für Hospizarbeit und Trauerpastoral, am Mittwochabend im Edith-Stein-Haus. Auf Einladung der Kolpingfamilie und der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) in Kloster Oesede sprach sie vor rund 60 Interessierten über „Patientenverfügung aus christlicher Sicht“.

Nach langer Beratung sei 2009 ein drittes Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts vom Bundestag verabschiedet worden, so Egbers, denn zuvor „war für Ärzte und Familienangehörige nicht klar, wie verbindlich Patientenverfügungen und für welchen Fall sie gültig sind“. Eine schriftlich niedergelegte Verfügung sei nun bindend. Die Gesetzesänderung habe aber auch notwendig gemacht, die 2003 in zweiter Auflage herausgebrachte Schrift „Christliche Patientenverfügung“ zu überarbeiten. 2011 folgte die erweiterte Handreichung „Christliche Patientenvorsorge“ der Deutschen Bischofskonferenz, des Rates der Evangelischen Kirche und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. Grund für die langwierige Überarbeitung: Das neue Gesetz begrenze Patientenverfügungen nicht nur auf den Sterbeprozess, so Egbers, sondern könne „für jede Lage“, also auch Wachkoma oder Demenz, niedergelegt werden. Aus christlicher Sicht sei das Leben aber von Gott geschenkt. Es stehe einem nicht zu, für jede Situation eine Vorsorge zu treffen, die dieses Leben „vorzeitig beenden kann“. Die „christliche Patientenverfügung“ trete erst in Kraft, wenn der Betroffene im Sterbeprozess oder Endstadium einer unheilbaren, tödlichen Krankheit sei.

Dennoch macht die Schrift Textvorschläge, um eine Verfügung etwa auf ein jahrelang andauerndes Wachkoma auszuweiten. Egbers riet dazu, die Verfügung mit einem Arzt zu beraten, der das Krankheitsbild gut kenne und helfen könne, an bestimmte Dinge zu denken. Wichtig sei zu beantworten: „Was würde ich wollen“, aber auch die Verfügung immer wieder hervorzunehmen, um zu prüfen: „Stimmt das noch?“

Für die Betreuer bleibe dennoch die Frage, ob der Betroffene „es immer noch so gewollt“ hätte, das Instrument habe Grenzen gegenüber des „aktuell geäußerten Willens“, aber: „Ärzte werden sich daran halten.“

Umso wichtiger sei die Auseinandersetzung damit, „wie ich zum Leben eingestellt bin“, so Egbers. Die Verfügung könne Angst vor einer ungewünschten Behandlung nehmen, einig war sie sich aber mit einigen Zuhörern, dass Vertrauenspersonen wichtig seien, die den Betroffenen gut kennen und beurteilen könnten, wie er entschieden hätte. Auch zu ergänzenden Anlagen riet sie, in denen Haltungen und Einstellungen mit eigenen Worten niedergeschrieben sind.

Martin Vinke, stellvertretender Vorsitzender der Kolpingfamilie Kloster Oesede, bezeichnete den Vortrag als „klasse“. Vorträge zum Thema „sind immer gut besucht“, so Anja Egbers. Besonders nach Erscheinen der Schrift 2011 habe es viele Anfragen gegeben.


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