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Probleme auf dem Hof nehmen zu Ländliche Familienberatung und Sorgentelefon suchen ehrenamtliche Helfer

Von Matthias Stoffregen

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<em>Nicht mehr nur Frauen</em> rufen das landwirtschaftliche Sorgentelefon an. Zunehmend melden sich auch Männer. Foto: dpaNicht mehr nur Frauen rufen das landwirtschaftliche Sorgentelefon an. Zunehmend melden sich auch Männer. Foto: dpa

Georgsmarienhütte. Der Zusammenhalt von Familien, die einen landwirtschaftlichen Betrieb besitzen, gilt traditionell als stark. Doch immer häufiger geraten sie in Krisen und benötigen Rat. „Die Nachfrage nach unseren Angeboten ist enorm angestiegen“, sagt Ludger Rolfes, Geschäftsführer der ländlichen Familienberatung und des Sorgentelefons Oesede, das mit dem Johannes-Voetlause-Preis ausgezeichnet wurde.

Zu den klassischen Problemen zählten Generationenkonflikte. „Es kommt immer wieder in Familien zum Streit zwischen Vater und Sohn, wenn es um die Übergabe des Hofes geht“, erläutert Rolfes. Ursache hierfür seien häufig Misstrauen oder ungeklärte Machtfragen.

„Unsere 27 ehrenamtlichen Familienberater und 11 Telefonberater sind speziell dafür ausgebildet, in solchen Situationen zu helfen“, erklärt Rolfes. Sie alle hätten selbst einen landwirtschaftlichen Hintergrund und könnten dadurch die Krisensituationen der Betroffenen besser einschätzen.

Seit 1996 hätten sie mehr als 500 Familien beraten und rund 2000-mal anonymen Anrufern Tipps am Telefon gegeben. Die Nachfrage steige aber in letzter Zeit besonders stark an. „Die Probleme der Betroffenen sind vielschichtiger geworden“, so Rolfes. Neben klassischen Generationenkonflikten gebe es häufiger Fälle von Burn-out-Erkrankungen, Depressionen und Zukunftsängsten. „Ein Problem zieht immer oft gleich das nächste nach sich“, verdeutlicht Rolfes. So mancher Landwirt mache sich zunächst Sorgen wegen steigender Pachten, hadere anschließend mit Investitionsentscheidungen und fühle sich endgültig überfordert, wenn auch noch Familienstreitigkeiten hinzukommen.

„Wir schulen unsere Berater dahin gehend, dass sie den Betroffenen helfen, solche Kettenreaktionen zu stoppen und Probleme schrittweise zu lösen“, sagt Rolfes. Weil die Komplexität der Probleme zugenommen habe, verlängerten sich auch die Betreuungszeiten der Betroffenen. „In den 90er-Jahren genügten drei bis vier Termine mit unseren Beratern, heute sind es durchschnittlich sechs.“ Immerhin sei aber auch die Bereitschaft gestiegen, sich helfen zu lassen. „Landwirtschaftliche Familien sind oft sehr konservativ geprägt“, erklärt Rolfes. Beratungsbedarf würden viele von ihnen zwar immer noch als Makel ansehen, aber dieser sei kein Tabu mehr. „Für viele andere Dinge nehmen sie ja auch Beratung in Kauf.“

Neu sei außerdem, dass zunehmend Männer um Rat fragen, früher seien es hauptsächlich Frauen gewesen. „Das liegt daran, das Frauen selbstständiger sind als früher und mittlerweile oft außerhalb des Hofes arbeiten“, erklärt Rolfes. Die Verantwortung für den Landwirtschaftsbetrieb laste deshalb stärker auf den Männern.

Die Erfolgsquote bei Beratungen sei hoch: „Wenn alle Parteien an einen Tisch kommen, liegt sie bei 90 Prozent“, behauptet Rolfes. Die Kunst der Beratung liege nämlich nicht darin, den Betroffenen Lösungen vorzuschreiben, sondern ihnen dabei zu helfen, von selbst welche zu entwickeln. Weil so viele Rat suchen, wirbt Rolfes um weitere Helfer. „Wir möchten unser Team von ehrenamtlichen Beratern vergrößern“, kündigt Rolfes an. Am 23. Februar finde ein Auswahltag statt, ab April würden Interessierte an fünf Wochenenden eine Grundausbildung erhalten. „Nur wenn wir genug Berater gewinnen, können wir unser Angebot für landwirtschaftliche Familien weiter ausbauen“, so Rolfes.

Infos: Tel. 05407/506261 oder auf www.laendliche-familienberatung.de


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