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Ein Kinderversteck wird aufgemöbelt Ehepaar verschönert seinen alten Schrank bei GMHütter Restaurationstischler

Von Horst Troiza


Georgsmarienhütte. In der Meisterwerkstatt des Restaurationstischlers Ansgar Kreienbrink erhält gegenwärtig ein 250 Jahre alter Schrank aus der Barockzeit seinen alten Glanz zurück. Weil dessen Besitzer bei der Arbeit mit anpacken, reduzieren sie die Kosten und lernen dabei ihren Schatz noch mehr zu schätzen.

Es ist schon ein Prachtstück, dieses Möbel aus der Zeit zwischen 1750 und 1760. Diesen Herstellungszeitraum schätzt jedenfalls Tischlermeister Kreienbrink, der sich seit Jahrzehnten mit der Kunst der Restauration von Möbeln und Holzarbeiten im Innen- und Außenbereich beschäftigt. „Die Form des Schrankes, die edle Ausführung der Türen und die Behandlung der Oberflächen lassen diesen Schluss zu“, sagt der Fachmann.

Wenn Kunden es wünschen, können sie in seiner Werkstatt unter seiner fachkundigen Anleitung selbst Hand anlegen und ihr bestes Stück aufpolieren helfen. Das Ehepaar Renate und Wolfgang Höpker aus Herford hat diese Möglichkeit gern ergriffen. Sie haben im Internet recherchiert und sind dabei auf den GMHütter Meisterbetrieb gestoßen, nach ihrer Auskunft weit und breit das einzige Unternehmen mit diesem speziellen Angebot.

„Das hat mich richtig gefreut, denn der große Schrank ist schon, solange ich denken kann, im Besitz meiner Familie. Deshalb liegt er mir besonders am Herzen“, sagt Renate Höpker. Als Kind habe sie sich beim Versteckenspielen immer im Schrank eingeschlossen. „Obwohl er so groß und es drinnen immer stockdunkel gewesen ist, hatte ich nie Angst.“ Das Vertrauen der Familie in ihr Möbelstück ist eben über Generationen gewachsen.

Jetzt lernt sie es noch besser kennen. Zusammen mit ihrem Mann hat sie schon eine ganze Reihe von Reparaturen daran ausgeführt. Die Wurmlöcher wurden mit einer speziell hergestellten Tinktur verschlossen, Holzflächen geschliffen und weitere „Hand- und Spanndienste“ geleistet. Eine Weile hat auch Tochter Charlotte mitgemacht, ist jetzt aber wieder an ihren Studienort nach München zurückgereist. Sie schätzen, dass sie durch ihre Mitarbeit gut 1000 Euro an Restaurationskosten eingespart haben.

Mit Staunen sehen sie zu, wie Meister Kreienbrink die uralte Farbe rekonstruiert. „Hasenleim, Fränkisches Rot aus geriebenem Sandstein und Kasseler Braun aus Braunkohle – das zusammen ergibt genau den Farbton, den der Schrank ursprünglich trug.“ Damit wird die neue Rückwand gebeizt. Anschließend wird eine Versiegelung aus einer Schellackmattierung, Leinöl und Wachs aufgetragen.

Auch den Wunsch der Höpkers, aus dem bisherigen Kleiderschrank einen Geschirrschrank für das Esszimmer werden zu lassen, konnte er erfüllen. Passgenau wurde ein Regalsystem für das Innere konstruiert. Das sitzt stramm, ohne auch nur an einer Stelle befestigt worden zu sein und die wertvolle Substanz zu beschädigen. „Man lernt hier sehr viel. Holz, Bauweise, Werkzeuge – alles ist sehr interessant“, sagt Renate Höpker. Wenn sie später zu Hause bei einer Tasse das Prachtstück bei einer Tasse Tee anschauen wird, wird sie das sicherlich mit anderen Augen tun als bisher.