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30.000 Euro aus Spielhalle erbeutet Haft für Einbrüche in GMHütte und Osnabrück

Von Danica Pieper, Danica Pieper | 14.06.2016, 14:27 Uhr

Georgsmarienhütte/Osnabrück. Zwei Jahre und neun Monate Haft lautete das Urteil des Amtsgerichts Bad Iburg gegen einen Mann aus Wermelskirchen. Der 39-Jährige hatte zusammen mit zwei Mittätern 30.000 Euro aus einer Oeseder Spielhalle erbeutet und versucht, in Nahne einen Geldautomaten aufzuschweißen.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, sich am 1. September 2013 Zugang zu dem Vorraum eines Supermarkts in Nahne verschafft zu haben, wo er mit Schweißgeräten versucht habe, einen Geldautomaten zu öffnen. Dabei habe er einen stillen Alarm ausgelöst, woraufhin er die Flucht ergriff. Zwei Wochen später soll er zusammen mit zwei unbekannten Mittätern in ein Oeseder Geschäft eingedrungen sein. Die Einbrecher schlugen ein Loch in die Wand, um sich Zugang zur benachbarten Spielhalle zu verschaffen. Dort brachen sie 13 Spielautomaten sowie einen Geldwechselautomaten auf und erbeuteten rund 30.000 Euro. Am Tatort in Nahne fand die Polizei neben zwei Gasflaschen auch eine Wasserflasche, an deren Trinköffnung sich die DNA des Wermelskircheners befand. An einem Kuhfuß, der in der Spielhalle zurückblieb, stellten Gutachter ebenfalls die DNA des Mannes fest.

Angeklagter bestreitet Taten

Der Angeklagte bestritt, mit den Vorfällen etwas zu tun zu haben. Er habe damals sein Auto, in dem sich auch Schweißgeräte und Gasflaschen befanden, an Bekannte verliehen. Im Laufe des Jahres 2013 sei ihm sein Auto gestohlen worden, bevor es nach etwa acht Monaten in den Niederlanden auftauchte. Warum er über Schweißgeräte verfügte, konnte der Angeklagte nicht erklären. Er absolvierte zwar einen Lehrgang als Schweißer, war aber zum Zeitpunkt der Taten nicht in diesem Bereich angestellt. Er bestätigte allerdings, mehrere Gasflaschen in einem Geschäft in Bonn gekauft zu haben, von denen die Polizei eine zweifelsfrei dem Einbruch in Nahne zuordnen konnte. Ein Verkäufer des Gasgeschäfts erinnerte sich zudem, dass der Angeklagte die Flaschen dort gekauft hat.

Von Überwachungskamera gefilmt

Eine Videokamera in der Spielhalle filmte die drei vermummten Täter, wie sie über eine Stunde lang mit Winkelschleifer, Brecheisen und Axt einen Geldwechselautomaten bearbeiteten. Insgesamt entnahmen sie dem Automaten etwa 12.000 Euro. Zudem brachen sie 13 Spielautomaten auf, wodurch sie noch einmal 18.000 Euro erbeuteten. In dem Oeseder Geschäft, durch das sie in die Spielhalle eindrangen, stahlen die außerdem 200 Euro aus der Kasse.

Einschlägig vorbestraft

Der Angeklagte ist bereits einschlägig vorbestraft. Im Jahr 2003 verurteilte ihn das Landgericht Wuppertal zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten, weil er mehrere Einbrüche begangen hatte. Ein GMHütter Kommissar berichtete außerdem, dass der 39-Jährige Ende 2015 vor einer Spielhalle in Lingen von der Polizei kontrolliert wurde. Zuvor hatte der Beschuldigte erklärt, sich nicht daran erinnern zu können, schon einmal im Raum Osnabrück oder im Emsland gewesen zu sein.

Staatsanwalt fordert Haftstrafe

Der Staatsanwalt hielt es für erwiesen, dass der Angeklagte die beiden Taten begangen hat. An der Öffnung der gefundenen Trinkflasche sei nur seine DNA gefunden worden, zudem habe er auch auf dem Kuhfuß in der Spielhalle seinen genetischen Abdruck hinterlassen. Gegen den Wermelskirchener sprechen außerdem seine Vorstrafen, die erhebliche kriminelle Energie sowie der hohe Sachschaden von etwa 70.000 Euro in der Spielhalle und 30.000 Euro an dem Nahner Geldautomaten. „Das Eigentum anderer Leute interessiert Sie nur insofern, als dass Sie es für sich verwenden wollen“, erklärte der Staatsanwalt und forderte eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten.

Verteidigerin: Indizien reichen nicht aus

Die Verteidigerin sah die Indizien nicht als ausreichend für eine Verurteilung an: „Was ich seitens der Staatsanwaltschaft sehe, ist ganz viel Spekulation.“ Die gefundenen DNA-Spuren seien keine Beweise dafür, dass der 39-Jährige tatsächlich vor Ort war. Es sei zudem problematisch, dass die Polizei ihren Mandanten aufgrund seiner Vorstrafen als Täter in Betracht ziehe: „Das alles ist verdammt lange her.“ Sie forderte Freispruch.

Gericht glaubt Angeklagtem nicht

Das Schöffengericht teilte die Ansicht des Staatsanwalts. „Ihre Einlassung war wenig glaubhaft“, erklärte der Vorsitzende Richter. „Sie konnten nicht einmal ansatzweise erklären, zu welchem Zweck Sie die Gasflaschen gekauft haben.“ Es sei zudem sehr unwahrscheinlich, dass fremde Täter eine vom Angeklagten gebrauchte Wasserflasche mit an einen Tatort nehmen. Aufgrund des hohen Schadens, der einschlägigen Vorstrafen und der gezeigten kriminelle Energie verurteilte das Gericht den 39-Jährigen zu zwei Jahren und neun Monaten Haft.

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