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Dass zwei Jahrgänge Abi machen, sorgt am Gymnasium Oesede für Rekorde und Herausforderungen Reifeprüfung im XXL-Format

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Die organisatorischen Prüfungsvorbereitungen laufen schon: Schulassistent Christoph Schrempel (Mitte) und die Sekretärinnen Bernadette Kemper (links) und Tanja Calmer bereiten die Unterlagen für den Abi-Doppeljahrgang vor. Foto: Jörn MartensDie organisatorischen Prüfungsvorbereitungen laufen schon: Schulassistent Christoph Schrempel (Mitte) und die Sekretärinnen Bernadette Kemper (links) und Tanja Calmer bereiten die Unterlagen für den Abi-Doppeljahrgang vor. Foto: Jörn Martens

Georgsmarienhütte. Zum Wochenende gibt es Halbjahreszeugnisse und ein verlängertes Ferienwochenende am Gymnasium Oesede. Ausnahme: die 227 Schüler der Doppelabi-Jahrgänge. Die haben ihre Halbjahresergebnisse bereits vor Weihnachten erhalten und dürften die zweitägige schulische Minipause nutzen, um den Schlussspurt für die Abi-Klausuren einzuläuten, die ab 26. März anstehen. Schüler und Schulleitung stellt die Doppel-Reifeprüfung vor besondere Herausforderungen. Vom Stoff über Prüfungsabläufe bis zu Abifeier-Fragen reicht die Bandbreite der zu lösenden Probleme.

So werden zum Beispiel die Abschluss-Zeugnisse erstmals nicht im Gymnasium feierlich überreicht, sondern in der Kirche Peter und Paul, weil sonst nicht alle Schüler und Eltern Platz finden würden. Auch der Abi-Ball kann aus Kapazitätsgründen nicht wie gewohnt in der Schule steigen.

Die Doppel-Effekte: Statt wie bislang um die 110 Prüflinge plötzlich rund die doppelte Anzahl von Abiturienten – die Zahl macht Größenordnung und Organisationsaufwand des Doppeljahrgangs deutlich. Wenn Oberstufenkoordinator Michael Booke die Abiturienten zur Info-Runde bittet, geschieht das in zwei Runden: „Sonst ist das einfach zu unübersichtlich und auch keine normale Kommunikation mehr möglich.“ Einmal bekommen Schüler mit Namen, die von A bis K beginnen, alle wichtigen Dinge mitgeteilt, dann der Rest des Alphabets. Der kommissarische Schulleiter Thomas Rohm: „Wir stoßen diesmal in jeder Hinsicht an Grenzen.“

Jahrgangsunterschiede: Im Hinblick auf die Leistung sind zwischen den sogenannten G9-Kandidaten, die sich in der Regel nach 13 Schuljahren der Reifeprüfung stellen, und dem G8-Jahrgang, der 12 Monate weniger für den gleichen Stoff zur Verfügung hatte, kaum noch Differenzen auszumachen. Abi-Koordinator Dieter Paul: „Wir haben, als die G8er in die Oberstufe gekommen sind, anfangs die Klausurergebnisse getrennt ausgewertet. Die Unterschiede betrugen zwischen 0,1 und 0,3 Punkten in Deutsch und den Fremdsprachen. Aber in naturwissenschaftlichen Kursen war der jüngere Jahrgang zum Teil sogar einen Tick besser.“ Das ist nach Einschätzung des kommissarischen Schulleiters auf den Zusatzunterricht zurückzuführen, den der jüngere Jahrgang am Ende der Sekundarstufe I in Mathe bekommen hat: Thomas Rohm: „Das hat sich insgesamt bei den Naturwissenschaften ausgezahlt.“ Dagegen haben bei den „Denkwissenschaften“ die Älteren zunächst deutliche Vorteile gehabt. Der 19-jährige Benedikt: „Anfangs gab es da beim Textverständnis und der Textanalyse natürlich Unterschiede, da wir G9er einfach entwicklungsmäßig weiter waren und einfach ein Jahr mehr gelesen hatten. Zwölf Monate mehr Erfahrung machen in dem Alter eine Menge aus. Die Jüngeren mussten viel aufholen, aber inzwischen sind alle auf demselben Niveau und befruchten sich gegenseitig.“

Die Schülersicht: Zunächst habe es bei den Älteren schon so etwas wie eine Situation gegeben: „Warten auf die G8er“, lautet die allgemeine Einschätzung. „Aber inzwischen sind wir ein Jahrgang“, charakterisiert der 18-jährige Lukas die Stimmung. Die stressige Phase für die G8er sei die Phase in Klasse 9 und 10 gewesen: „Zwei Wochenstunden mehr plus Zusatzunterricht und Arbeitsgemeinschaften – da kam für uns schon einiges zusammen.“ Die 34 Wochenstunden, die der jüngere Jahrgang im Vergleich zu den 32 G9-Stunden habe, machten keinen großen Belastungsunterschied. Für Eleonore entscheidend: „Die Vorbereitung auf die Abiprüfung für sich langfristig richtig zu planen.“ Ein bis zwei Stunden beträgt derzeit im Schnitt aktuell das tägliche heimische Lernpensum in den Doppeljahrgängen.

Die Schulseite: Organisatorisch stehen Gymnasiumsleitung, Kollegium und Mitarbeiter durch den Doppeljahrgang bei den Abi-Vorbereitungen in jeder Hinsicht vor Größenordnungen bisher unbekannter Art. Bei mehr als 220 Prüfungsteilnehmern und jeweils bis um die zehn Text- und Aufgabenstellungsseiten für die zu schreibenden Klausuren kommen allein rund 10000 Kopien fürs Abitur zusammen. Das verlangt Sekretariat und Schulassistent jeweils am Vortag der schriftlichen Arbeiten einiges an Zusatzschichten ab. Schon jetzt sind sie im Stress: Die Bearbeitungsblätter für die Schüler müssen gestempelt werden, damit niemand vorgeschriebene Notizen mit in die Abi-Klausuren nehmen kann. Es gibt aber noch eine weitere Planungsbaustelle. Auch bei der Zahl der benötigten Aufsichten und Prüfer wird ein neues Niveau erreicht. Abi-Koordinator Paul, der mittlerweile seit 20 Jahren die Abläufe plant: „Bei den schriftlichen Arbeiten in Deutsch, Englisch und Mathe, die extra schon vom Ministerium jeweils auf einen Samstag gelegt wurden, müssen zwischen 130 und 160 Teilnehmer durch Lehrkräfte beaufsichtigt werden, und in der Woche sind es bis zu 80 Prüflinge, die neben dem parallel laufenden Schulbetrieb ihre Abschlussklausur schreiben.“ Das Kultusministerium hat schon die Prüfungskommissionen von drei auf zwei Lehrkräfte reduziert.

Entlassung und Abi-Ball: Ein neuer Rahmen ist auch für die finalen Feierlichkeiten erforderlich. Mit der offiziellen Entlassungsfeier geht das Gymnasium in die Kirche Peter und Paul, da die Kapazität des Pausenzentrums der Schule für Abiturienten und Angehörige nicht reicht. Der Abschlussball wird Anfang Juli im Alando in Osnabrück gefeiert. Rohm: ,,Da gibt es keine Platzprobleme, auch wenn wohl alle am liebsten am gewohnten Ort geblieben wären.“ Bei den Schülern schwingt beim Gedanken an den Schulabschied denn auch schon ein bisschen Wehmut mit. Ein Abiturient: ,,Die familiäre Atmosphäre, die sonst diese beiden Termine prägt, geht sicher ein wenig verloren. Die Anbindung an die Schule hatte immer besonderes Flair. Da wird beim Doppeljahrgang etwas fehlen.“

Das Abschluss-Motto: Natürlich bleibt streng geheim, unter welchem Titel die traditionelle Abiturfeier läuft. Aber eins wird von den Doppeljahrgänglern schon verraten: „Anspielungen wie ,Wiedervereinigung‘ oder ,Auf dem Weg zur Einheit ‘liegen nahe.“ Anfang Juni, wenn der offizielle Abschluss ansteht, gibt’s die Auflösung. Fest steht jetzt schon: Egal, wie das Doppeljahrgangs-Experiment notenmäßig ausgeht – so groß ist am Gymnasium noch nie gefeiert worden.


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