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21-Jähriger vor Amtsrichter Urteil in Bad Iburg: 30 Monate Gesamt-Jugendstrafe

Von Ullrich Schellhaas | 29.07.2014, 20:08 Uhr

Georgsmarienhütte/Osnabrück/Tecklenburg. Ein 21-jähriger Osnabrücker stand jetzt vor dem Amtsgericht Bad Iburg. Die Vorwürfe: zwei Diebstähle, ein Betrug, eine Falschaussage, Anstiftung zur falschen Versicherung an Eides statt und zweimal Fahren ohne Fahrerlaubnis. Teilweise soll er die Taten mit Freunden begangen haben. Der Prozess glich dabei streckenweise einem Pokerspiel.

Im November 2013 waren der Hauptangeklagte und seine 23-jährige Freundin bei einem Juwelier in GMHütte und ließen sich dort Goldschmuck zeigen. Zunächst verließen sie das Geschäft, kehrten dann aber mit zwei weiteren Bekannten, einem 24-jährigen Mann und der 18-jährigen Schwester seine Freundin zurück und wiederholten das Prozedere. Deutlich später stellte die Verkäuferin fest, dass zwei Ketten im Wert von 1600 Euro fehlten. Noch am selben Nachmittag verkaufte der 21-Jährige in Osnabrück Bruchgold im Wert von rund 600 Euro an einen Goldhändler. Die Staatsanwaltschaft klagte dies als gemeinschaftlichen Diebstahl aller an.

Im Februar 2014 fuhr der 21-Jährige mit der 18-Jährigen mit einem Taxi nach Tecklenburg und zurück. 110 Euro, Fahrgeld blieb er schuldig. In Tecklenburg hatte er eine 86-Jährige in einem Altenheim besucht. Als die Dame Nasenbluten bekam, erleichterte er sie um ihre goldene Uhr im Wert von 230 Euro. Daraufhin soll der 21-Jährige laut Anklage mit der jungen Frau auf dem Weg hinaus erwischt worden sein und das Schmuckstück dann heimlich zurückgelegt haben.

Bei einem Prozess im September vergangenen Jahres habe der 21-Jährige zudem wahrheitswidrig behauptet, dass er mit dem dort Angeklagten niemals über die Taten gesprochen habe – obwohl dieser etwas anderes ausgesagt hatte. Zudem habe er seine Mutter angestiftet zu behauptet, dass sie in dieser Zeit sämtliche Post weggeworfen habe – obwohl er selbst auf einen Brief des Gerichts geantwortet hatte. Zwei Fahrten ohne Fahrerlaubnis im September und Dezember vergangenen Jahres machten das halbe Dutzend Anklagen voll.

Während die drei Freunde beharrlich zu den Vorwürfen schwiegen, startete die Verteidigung ihr „Pokerspiel“. Zu dem Diebstahl in GMHütte werde auch der 21-Jährige nichts sagen, erklärte sie, und damit sei die Tat wohl niemandem zu beweisen. Den Betrug zulasten des Taxifahrers und den Diebstahl im Altenheim nehme der Osnabrücker dagegen auf seine Kappe, die 18-Jährige habe davon nichts gewusst und diese Tat auch nicht gewollt, als er sie begangen habe. Die Fahrten ohne Führerschein habe der Mandant allerdings begangen.

Hinsichtlich der Falschaussage hatte der Anwalt bemerkt, dass das Protokoll der Verhandlung keine gesonderte Belehrung hinsichtlich des Schweigerechts bei eigenen Straftaten enthielt und somit nicht verwertet werden könne. Und die Anstiftung zur falschen Versicherung habe der 21-Jährige nicht begangen.

So weit der „Bluff“. Was der Staatsanwaltschaft denn als Strafe vorschwebe, wollte die Verteidigung anschließend wissen und somit das gegnerische Blatt sehen. Im Falle eines umfänglichen Geständnisses und wenn die Falschaussage wie die Anstiftung eingestellt würde, könnte diese sich zusammen mit der aktuell verbüßten Jugendstrafe von zwei Jahren eine Gesamtstrafe von zweieinhalb Jahren vorstellen, erklärte die Staatsanwältin.

Dieser Rahmen schien auch der Verteidigung vorgeschwebt zu haben, denn selbst ohne Deal mit dem Gericht ließ der Anwalt die „Hosen runter“ und erklärte, dass auch der Diebstahl beim Juwelier ohne Wissen und Wollen der Freunde von seinem Mandanten begangen worden sei. Die Vorsitzende hielt diese Aussage wie auch die Erklärung hinsichtlich des Uhrendiebstahls zwar für „weltfremd“, wie sie gegenüber der Staatsanwaltschaft erklärte, „aber ob wir hier etwas anderes beweisen könnten, steht ja noch auf einem ganz anderen Blatt“.

Nach kurzer Befragung deutlich weniger Zeugen als ursprünglich vorgesehen, die insoweit alle Vorgänge wie eingeräumt bestätigten, und der Einstellung des Verfahrens hinsichtlich der falschen Aussagen kam denn auch, was niemanden mehr überraschte: Staatsanwaltschaft und Verteidigung beantragten für die verbleibenden fünf Taten jeweils 30 Monate Gesamt-Jugendstrafe, das Gericht schloss sich dem schließlich in seinem Urteil an.