Couragiert Gesicht zeigen Realschule GMHütte ausgezeichnet als „Schule ohne Rassismus“

Die Realschule Georgsmarienhütte ist ab sofort eine „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“  Von links: Dagmar Bahlo, Sandra Castrup, Berthold Aulenbrock, Maren Stindt-Hoge, Ole Hengelbrock und Konstantin Engel.
Foto: Petra PieperDie Realschule Georgsmarienhütte ist ab sofort eine „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ Von links: Dagmar Bahlo, Sandra Castrup, Berthold Aulenbrock, Maren Stindt-Hoge, Ole Hengelbrock und Konstantin Engel. Foto: Petra Pieper

Georgsmarienhütte. Seit dem 24. Oktober kann sich die Realschule Georgsmarienhütte offiziell „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ nennen.

Sandra Castrup, schulfachliche Dezernentin, überreichte während einer von vielen Schülern eindrucksvoll gestalteten Feier im Beisein der Paten Ole Hengelbrock und Konstantin Engel sowie zahlreicher ehemaliger Lehrkräfte offiziell die Urkunde und eine Tafel für den Schuleingang.

„Wie wollen wir im Land der Vielfalt leben?“ hatte Schulleiter Berthold Aulenbrock gefragt und auf die Antwort der Schulgemeinschaft verwiesen. Im schulischen Leitbild „Gemeinsam lernen, leben, lachen - gemeinsam Ziele erreichen“ werden ausdrücklich Toleranz, respektvoller Umgang miteinander, Wertschätzung gegenüber anderen und Abbau von Vorurteilen gefordert, denn „anders sind wir alle“. Insbesondere mit Projekten der Klassen 8d und des 10. Jahrgangs sowie einer gesamtschulischen Projektwoche im August dieses Jahres wurde dieser Anspruch ideenreich in die Tat umgesetzt. Er führte jetzt zur Verleihung der Auszeichnung.

Migrationserfahrungen in fast jeder Familie

Die Klasse 8d hatte gemeinsam mit ihrer Lehrerin Maren Stindt-Hoge einen „Blick in die Zukunft“ im Jahre 2069 geworfen. In einer ersten, erschreckenden Version präsentierte sich die Schule als ein Ort der Gewalt und sozialen Ungleichheit, an dem sich der Stärkere durchsetzt und in der „Vorderschule“ alle Vorteile genießt, während die Schwächeren an der „Hinterschule“ ihrem Schicksal überlassen bleiben. In der zweiten Version malten die Schüler hingegen ein freundliches Bild bunt gemischter Klassen, in denen alle wohlwollend miteinander umgehen und sich gegenseitig unterstützen. Klar, dass die letzte Version das Leitbild für die Schüler darstellt, zumal die Klasse in einem Projekt mit der Universität Osnabrück herausgefunden hatte, dass, blickt man in ihren Familien nur vier Generationen zurück, praktisch jede Familie Migrationserfahrungen aufweist. „Jeder ist einzigartig und jeder soll willkommen und angenommen sein“, forderten die Achtklässler. Überdies regten sie die Aufnahme von nachhaltigem Verhalten in das Schulprogramm an, um die Klimaerwärmung aufzuhalten.

Mut zur Vielfalt

„Wir haben den Mut, Vielfalt zu leben“, machten Schüler des 10. Jahrgangs mit einer kurzen Theatersequenz deutlich. Darin kommt es bei ihnen gar nicht gut an, wenn Mitschüler im Bus einen Einzelnen wegen seiner Hautfarbe oder sonstigen Andersseins anpöbeln. Sie nehmen die Maske der vermeintlich Stärkeren ab und zeigen in der Wertschätzung des Anderen Gesicht und wahre Stärke. Zudem stellten die Schüler die Ergebnisse ihres Workshops zum Thema „Extremismus und Zivilcourage“ im Foyer der Aula aus.

„Ihr seid nicht allein“, gratulierte Schuldezernentin Sandra Castrup und überbrachte Grüße des niedersächsischen Kultusministers Grant Hendrik Tonne. 340 Schulen in Niedersachsen und 2500 in Deutschland mit insgesamt 1,5 Millionen Schülern wurden bereits als „Schulen ohne Rassismus“ ausgezeichnet, weil sie „Nein“ sagen zu Ausgrenzung und Diskriminierung. Grundkonsens unserer demokratischen Kultur sei, dass Menschen sich zwar in Aussehen, Herkunft, Geschlecht und vielen anderen Merkmalen unterscheiden, aber dennoch alle gleich sind, sagte Castrup. Besorgniserregend findet sie, dass in der Gesellschaft zunehmend Hass und Hetze gegen Minderheiten einhergehe mit einer gefährlichen Skepsis gegen Demokratie. „Danke, dass ihr hier anders agiert!“

Bürgermeisterin Dagmar Bahlo gratulierte den Schülern zur Auszeichnung und gab ihrer Freude vor allem darüber Ausdruck, dass das Engagement der jungen Menschen von Herzen komme. „Ich hoffe, dass weitere Schulen eurem Vorbild folgen.“ Viel Ermutigung gab es auch von den Paten des Projekts Konstantin Engel, Fußballer beim VfL Osnabrück, und Ole Hengelbrock, Mitarbeiter bei Caritas International, die den Schülern die erforderliche Ausdauer „für morgen und übermorgen“ wünschten.


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