Kommunales Kooperationsmodell geplant GMHütte will Klärschlammtrocknung für mehr als vier Millionen Euro erweitern

Markantes Gebäude auf der Kläranlage: die Schlammtrocknungshalle. Im grünen Silo wird der getrocknete Klärschlamm dann bis zur Abholung gelagert. Foto: Jürgen Lowis/Eigenbetrieb AbwasserMarkantes Gebäude auf der Kläranlage: die Schlammtrocknungshalle. Im grünen Silo wird der getrocknete Klärschlamm dann bis zur Abholung gelagert. Foto: Jürgen Lowis/Eigenbetrieb Abwasser

Georgsmarienhütte. Explodierende Entsorgungspreise, verschärfte Gesetzesvorgaben und immer größere Schwierigkeiten, Abnehmer für den Klärschlamm zu finden: Die Kommunen stehen in den kommenden Jahren beim Klärschlamm vor großen Herausforderungen. Warum der GMHütter Eigenbetrieb Abwasser hier auf ein gemeinsames Konzept mit Bramsche, Melle und Wallenhorst setzt.

Allein die Preissteigerungen machen schon deutlich, vor welchem Problem die Kommunen bei ihren Kläranlagen stehen. Die Kosten der Klärschlammentsorgung haben sich in den vergangenen vier bis fünf Jahren mehr als verdoppelt – von 53 auf 110 Euro pro Tonne. Außerdem gibt es auf dem Markt kaum noch Entsorgungskapazitäten.

Bis 2023 Konzept notwendig

Dabei dürfen Klärschlämme künftig nicht mehr auf landwirtschaftlichen Flächen zu Düngezwecken ausgebracht werden. Auch Mit-Verbrennungskapazitäten zum Beispiel in der Zementindustrie fallen wohl weg. Zudem müssen die Klärschlammerzeuger bis 2023 ein Konzept für die Rückgewinnung von Phosphor vorlegen. Ab 2032 sind dann vom Gesetzgeber dann verpflichtend solche Anlagen  vorgeschrieben. 

Im Betriebsausschuss ist jetzt zu dem Thema ausgeführt worden, dass der GMHütter Eigenbetrieb Abwasser aktuell zwar keine Entsorgungsprobleme hat, sondern vielmehr mit dem Abnehmer in Gesprächen ist, um über das Ende der jetzigen Vertragslaufzeit am 31. März 2020 hinaus weiter über eine Lösung für die Abnahme der jährlich auf der Kläranlage anfallenden Menge von 4500 Tonnen Klärschlamm zu verfügen. Aber hinsichtlich der Antworten auf die Zukunftsherausforderungen wird auf ein Kooperationsmodell und eine Erweiterung der Trocknungsanlage gesetzt. 

Die derzeitige Bandtrocknung der Kläranlage an der Malberger Mühle, die eine Kapazität von 6000 Tonnen hat, soll erhöht werden, um auch auf die steigende Anfrage nach Annahme von Fremdschlämmen zu reagieren. Die favorisierte Variante: Eine Klärschlammtrocknung, die 18.000 Tonnen verarbeiten kann und die gemeinsam mit den Kooperationspartnern Bramscher Abwasserbetriebe (3500 Tonnen), Stadt Melle (4500) und Gemeinde Wallenhorst (1500 Tonnen) betrieben werden soll. 

Rund 14.000 der möglichen jährlichen Verarbeitungsmenge von 18.000 Tonnen – also knapp 80 Prozent – würden von den vier Partnern abgedeckt werden. Die weiteren 4000 Tonnen sollen auf dem Markt angeboten werden. Der Vorteil der vorgesehenen Kooperation: Durch die größeren Mengen kann die Anlage wirtschaftlicher betrieben werden. 

Fünf Fragen stehen derzeit im Fokus. Ein ganz wichtiger Punkt ist dabei die Klärung, wie der Energiebedarf einer solchen Anlage abgedeckt werden kann. Hier wird insbesondere auf die Ende vergangenen Jahres reaktivierte Nutzung der Abwärme des Stahlwerks gesetzt. Dies wieder in Betrieb genommene Fernwärmenetz gilt landesweit als "Leuchtturmprojekt" und als wichtiger Beitrag zur lokalen Energiewende.

Hoffnung auf Fördermittel

Außerdem gilt es, den Flächenbedarf für den Bau der Anlage zu ermitteln, eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung in Auftrag zu geben, die Klärschlamm-Mengen mit den Kooperationspartnern zu vereinbaren sowie eine Bewertung der Auswirkungen für die Kläranlage vorzunehmen . Ziel ist es laut Stadtwerke-Geschäftsführer Jörg Dorroch, dass die vier Partner zunächst einen "Letter of Intent" – eine Grundsatzvereinbarung – zur vorgesehene Kooperation unterzeichnen. 

Wenn alles nach Plan läuft, könnte dann, nach Abschluss eines Vertrages, in  zwei bis drei Jahren die Anlage gebaut werden. Dorrochs große Hoffnung: "Ich bin optimistisch, dass wir gute Chancen haben, auch Fördermittel zu bekommen."  


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