Literarisches Jahreszeitencafé der Bibliothek Harderberg Zeitreise mit niederdeutschen Kurzgeschichten und historischem Abriss

Maja Wüller liest eine plattdeutsche Kurzgeschichte. Foto: Sina-Christin WilkMaja Wüller liest eine plattdeutsche Kurzgeschichte. Foto: Sina-Christin Wilk

Georgsmarienhütte. Unter dem Titel "Vom Plattdeutschen zum Hochdeutschen – Ein Blick auf die Entwicklung der Sprache und des Lesens auf dem Harderberg!“ widmete sich das literarische Jahreszeitencafé der Bibliothek Harderberg dem 950-jährigen Bestehen Harderbergs. Bei Kaffee und Kuchen sorgten gleich drei Gäste für ein gemeinsames Erinnern im Pfarrsaal Maria Frieden.

Das Harderberg-Jubiläum wird übrigens an diesem Wochenende gefeiert. Theo Rolfes, der ehemalige Schulleiter des Gymnasiums Oesede, umriss historische Aspekte. Sein Thema: „Sprachen, Bücher und Lesen lernen“. Angefangen in Kathargo des 2. Jahrhunderts bis hin in die jüngere Vergangenheit sei Bildung stets eng mit der Religion verbunden gewesen. Die historische Stadt Alexandria sei dank ihres Studienzentrums und der Bibliothek das „Silicon Valley“ der Antike gewesen. Auch später in Harderberg kam es zu ersten Berührungspunkten mit einem halben Dutzend literarischer Gattungen durch die Gottesdienste. Zudem habe die heimische Bevölkerung das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser in Niederdeutsch und Latein lernen müssen. Hochdeutsch habe erst im ausgehenden 18. Jahrhundert im Zuge einer Schulreform Einzug gehalten.

Niederdeutsche Texte verbinden Vergangenheit und Gegenwart

Trotz zahlreicher Initiativen zur Sprachförderung sei das Niederdeutsche mangels nachkommender Sprecher vom Aussterben bedroht. Dennoch stellte das Jahreszeitencafé unter Beweis, dass die Sprache nach wie vor einer gewissen Lebendigkeit unterliegt. Da es keine vereinheitlichte Schreibweise gebe, passe sie ihre älteren Texte immer wieder an, verriet Helga Grzonka. Seit über zehn Jahren veröffentlicht die Hobbyautorin niederdeutsche Texte und ist vielen Ortsansässigen unter anderem durch ihre Publikationen in den  Heimatbüchern bekannt. Für ihre Kurzgeschichten und Gedichte schaue sie den Leuten aufs Maul: Geschichten aus dem Leben gegriffen, das Zwischenmenschliche im Fokus. So nahm Grzonka die Besucher des Jahreszeitencafés unter anderem mit zu einem Besuch ins Altenheim. Hier lebt ihre demente Tante Klara, die nur schwer Anschluss findet, da sie sich in den Sprachgebrauch ihrer Kindheit zurückzieht: Ins Platt.

Auch die 10-jährige Maja Wüller unterhielt das Publikum mit einer niederdeutschen Kurzgeschichte. Ihr Text handelte von drei Schuljungen, von denen einer behauptete, Legastheniker zu sein, um sich vor Schulaufgaben zu drücken. Wie auch die erwachsenen Akteure des Nachmittags trug Maja souverän ihren Beitrag vor. Aufgeregt sei sie nicht, sagte sie schon vor Beginn der Veranstaltung. Vor großen Menschenmengen habe sie bereits mehrfach gelesen. Zur niederdeutschen Sprache sei sie über eine AG gekommen. Bereits in der 1. Klasse hat sie eine Englisch-AG besucht. Wenig später kamen dann Plattdeutsch-Arbeitsgemeinschaften und eine AG für sprachbegabte Schüler hinzu.


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