Kunst deckt den Tisch Große Resonanz auf Ausstellung in Villa Stahmer GMHütte

Besucher aus dem In- und Ausland kamen zur Eröffnung der Ausstellung "Was wir essen" zum Museum Villa Stahmer. Foto: Petra RopersBesucher aus dem In- und Ausland kamen zur Eröffnung der Ausstellung "Was wir essen" zum Museum Villa Stahmer. Foto: Petra Ropers

Georgsmarienhütte. Auf überwältigendes Interesse stieß die Eröffnung der Ausstellung zum Kunstprojekt „Was wir essen – und woher es kommt“. Neben vielen Besuchern aus Stadt und Umkreis folgten Gäste aus allen Partnerstädten der Einladung ins Museum Villa Stahmer.

Aufgrund der großen Resonanz verlegte Museumsleiterin Inge Becher gemeinsam mit den Initiatorinnen Margit Rusert und Christine Vennemann den offiziellen Auftakt kurzerhand ins Freie. Beeindruckt zeigte sich dabei die stellvertretende Bürgermeisterin Ulrike Schmeing-Purschke: „Hier ist ein fantastische Kunstprojekt entstanden“, stellte sie fest. Und dieses Projekt führte über Monate die Menschen in Aktionen und angeregten Diskussionen zusammen.

Rund 40 Künstler aus der ganzen Region, aus der befreundeten Stadt Remagen und den Partnerstädten in Frankreich, Israel und den Niederlanden trugen zur Ausstellung bei. Vor Ort beschäftigten sich Kinder und Senioren, Vereine, Initiativen und Institutionen mit dem Thema, das so alltäglich und zugleich so überaus vielschichtig ist. Das Ergebnis ist eine eng bestückte und sich über zwei Etagen erstreckende Ausstellung über – in den Worten Inge Bechers – eine „Universalie aller Lebewesen“.

Dabei ist das „Was“ so breit gefächert wie das „Woher“, welches im Zeichen der Globalisierung längst sämtliche Grenzen überschritten hat. Darauf weist etwa die Gemeinschaftsarbeit von Besuchern des Familienzentrums „Maries Hütte“ hin. Lieblingsspeisen, der Wandel der Essgewohnheiten über Generationen und fotografisch in Szene gesetzte Speisen als Genuss für das Auge: Das Thema des Projektes zeigt sich im Museum Villa Stahmer in vielen Facetten.

Schüler des Gymnasiums Oesede warfen kritische Blicke auf das Essen und seine Herstellung. Foto: Petra Ropers

Immer wieder avanciert die Kunst dabei auch zum Medium des Austausches über kritische Fragen. Da quellen die Medikamente in einer Arbeit des Gymnasiums Oesede aus dem Truthahn, wird das Huhn an der Wand in einer Installation von Aisleen Beynon-Thomas zur „Trophäe der Industrialisierung“. Mit feiner Ironie vertauscht der Künstler Fritz Schwarzenberger in seinem Werk „Was wäre wenn“ die Rollen von Mensch und Schwein, während Hans-Joachim Paul zynisch fragt: „Wozu Regenwald, wenn man Bananen will?“

Kreativ, facettenreich und bisweilen kritisch deckte der Kunstkreis Georgsmarienhütte zur Ausstellung den Tisch. Foto: Petra Ropers

Fantasievoll, facettenreich und bisweilen kritisch deckt der Kunstkreis Georgsmarienhütte den Tisch. „Ein Sehnsuchtsort“, meint Inge Becher angesichts des allgegenwärtigen Trends zum Essen „to go“. Das Essen selbst habe sich vor allem durch die Entdeckung der „Neuen Welt“ im 15. Jahrhundert deutlich gewandelt, erinnerte Albert Recknagel, Vorsitzender des Kinderhilfswerkes Terre des Hommes: „Drei Viertel unserer Nahrungsmittel sind Einwanderer.“ Er forderte dazu auf, möglichst regional, saisonal und umweltverträglich einzukaufen.

Die Ausstellung selbst ist ohnehin eine Kunst gewordene Anregung, sich ganz persönlich mit dem auseinanderzusetzen, „Was wir essen – und woher es kommt“. Die Intention der Beteiligten fasste Inge Becher zusammen: „Wenn Sie demnächst langsamer, dankbarer, teilend und genießend esse, dann hat diese Ausstellung ihren Zweck erfüllt.“


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