Stressabbau unter Bäumen Dieter Plaßmeyer aus Georgsmarienhütte ist „Waldbademeister“

Zwei Tage Selbsterfahrungs-Seminar im Knüllgebirge in Hessen gingen seiner Ausbildung als Waldbademeister voraus. Dabei stand Dieter Plaßmeyer im Mai bei neun Grad von neun bis 18 Uhr im strömenden Regen. „Das Wetter spielt beim Waldbaden keine Rolle. Man geht voll in der Natur auf“, weiß er nun. Foto: Carolin HlawatschZwei Tage Selbsterfahrungs-Seminar im Knüllgebirge in Hessen gingen seiner Ausbildung als Waldbademeister voraus. Dabei stand Dieter Plaßmeyer im Mai bei neun Grad von neun bis 18 Uhr im strömenden Regen. „Das Wetter spielt beim Waldbaden keine Rolle. Man geht voll in der Natur auf“, weiß er nun. Foto: Carolin Hlawatsch
Carolin Hlawatsch

Georgsmarienhütte. Ein Beitrag in den Tagesthemen über „Waldbaden“ sprach Dieter Plaßmeyer so an, dass er sich spontan für eine Ausbildung zum zertifizierten Waldbademeister in der Gutshof Akademie im hessischen Frielendorf entschied. Jetzt möchte er Interessierte in Stadt und Landkreis Osnabrück durch intensives Naturerleben entschleunigen.

Das Einstiegsritual: Dieter Plaßmeyer legt einen dicken Ast auf den Boden. Über diesen Stamm hinweg treten die Teilnehmer seiner Kurse in den Wald ein und lassen den Alltag draußen. Die ersten Schritte in Richtung Entspannung und Entschleunigung sind einfach und schnell gemacht. Doch sind die Handys auch schon auf „off“ gestellt, sind es die Köpfe der Waldbader erstmal noch nicht. „Anfangs fiel es mir schwer mich darauf einzulassen. Zu ungewohnt war die Situation“, berichtet Tanja Klein aus Osnabrück. Zusammen mit acht weiteren Teilnehmern und dem Waldbademeister spaziert sie an einem Montag in das von der Abendsonne warm angestrahlte Georgsmarienhütter Hochholz. 

Immer wieder weist Dieter Plaßmeyer darauf hin, sich langsamer zu bewegen. Waldbaden sei nicht zu vergleichen mit einer Waldwanderung. Man schlendere vielmehr, gehe auf Entdeckungsreise und lege manchmal nur 500 Meter in drei Stunden zurück. So basiert ein Kurs bei Plaßmeyer zu einem großen Teil auf Improvisation. „Ich schaue mir an: Wie ist die Gruppe heute? Eher ruhig oder mehr gestresst und ich beobachte: Wie ist der Wald? Laut und windig, ruhig, oder gar voller Vogelgezwitscher. Dem passe ich dann mein Repertoire an Achtsamkeitsübungen an“, erklärt der gebürtige Georgsmarienhütter, der heute in Osnabrück lebt. Hauptberuflich in der IT eines Möbel-Unternehmens tätig, wisse er was es bedeutet dem Dauerstress der heutigen Zeit ausgesetzt zu sein und wie wichtig es ist einen Ausgleich zu haben. Diesen fand er bisher bei Wanderungen in den Alpen und Pyrenäen und seit Mai dieses Jahres auch im Waldbaden. 

In seinen Kursen werden Leute angeregt ihre Sinne zu aktivieren. Sie sollen die natürliche Umgebung riechen, hören und fühlen. Dabei hilft Augen schließen oder die Arme weit ausstrecken. In Solo-Einheiten sollen sie sich treiben lassen, sich bei Gruppen-Übungen austauschen. „Tatsächlich wird dabei auch schonmal ein Baum umarmt oder ein Blatt gekostet“, berichtet Dieter Plaßmeyer. „Alles kann, nichts muss“. 

Achtsamkeit auf sich selbst, aber auch für die Natur, versucht Dieter Plaßmeyer in seinen Waldbade-Kursen zu vermitteln. Beim langsamen Schlendern nehmen die Teilnehmer den Wald anders wahr und entdecken viele Details, wie zum Beispiel die Feder eines Eichelhähers oder die Zapfen verschiedener Nadelbäume. Foto: Carolin Hlawatsch

Als sehr verbindendes Gruppenerlebnis empfindet Tanja Klein das Waldbaden: „Man macht zusammen mal was anderes. Obwohl man die anderen Teilnehmer zunächst nicht kennt, geht man am Ende gefühlt wie eine kleine Waldfamilie aus der Aktion heraus.“ Von einem erstaunlichen Effekt des Waldbadens auf sein Nervenkostüm spricht Teilnehmer Armin Ridderbusch aus Osnabrück. Weniger die körperlich anstrengenden Anteile seines Arbeitstags als Handwerksmeister, sondern vielmehr der durch Kundengespräche zum Bersten volle Kopf würde nach einem Waldbad wieder regeneriert. „Als ich meinen Freunden erzählte, dass ich jetzt Waldbaden gehe, guckten sie mich schmunzelnd mit Fragezeichen über den Köpfen an. Aber inzwischen wird Waldbaden immer bekannter und akzeptierter“, meint er.

Waldbaden auf Rezept

Obwohl es eigentlich in der Natur des Menschen liege, nähmen sich heute die wenigsten Zeit für einen Aufenthalt in Wald und Wiese. Dabei helfe gerade in einer von Stress und Burn Out geplagten Gesellschaft Waldbaden bei der Stressbewältigung. Im zu 60 Prozent mit Wald bedeckten Japan belegten Wissenschaftler dies bereits in den frühen Achtziger Jahren. Sie machten "Shinrin Yoku", übersetzt "ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen", 2004 sogar zu einem festen Bestandteil der Gesundheitsvorsorge in Fernost. „Waldbaden erhöht die Aktivität von natürlichen Killerzellen im Körper. Diese Immunzellen spielen eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Bakterien, Viren und Tumoren“, entnimmt Dieter Plaßmeyer den verschiedenen wissenschaftlichen Studien, die es inzwischen zum Thema gibt. Waldbaden senke zudem den Blutdruck und die Konzentration des Stresshormons Cortisol. 

Kurse

Termine
- 29.8., 18-20.30 Uhr, Heilsames Waldbaden, Treffpunkt Wanderparkplatz Hochholz/Waldstr, Georgsmarienhütte
- 7.9., 15-17.30 Uhr, Aktives Waldbaden, Treffpunkt Wanderparkplatz Hochholz/Waldstr, Georgsmarienhütte
- 22.9., 11-13.30 Uhr, Heilsames Waldbaden, Treffpunkt Hundefreilauffläche Haster Weg, Osnabrück
- 27.9., 15-17.30 Uhr, Aktives Waldbaden, Treffpunkt Hundefreilauffläche Haster Weg, Osnabrück
- 30.9., 19-20.30 Uhr, After-Work-Waldbaden, Treffpunkt Spielplatz Gertrudenring, Bürgerpark Osnabrück
Alle Kurse kosten jeweils 16 Euro pro Person.
Das After-Work-Waldbaden kostet 10 Euro pro Person.

Und womöglich nicht nur ein Stück ausgeglichener und gesünder, sondern auch ein bisschen schlauer gehen die Teilnehmer aus Plaßmeyers Kursen. „Ich spicke die Waldbesuche stets mit spannenden Informationen“, verrät er. So lernte die Gruppe an besagtem Montagabend im Hochholz, dass eine Buche in einer Stunde alleine soviel Sauerstoff produziert, wie 50 Menschen zum Atmen benötigen. Um zukünftig noch mehr Waldwissen weiterzugeben und für die Natur sensibilisieren zu können, wird der Waldbademeister im kommenden Jahr eine zusätzliche Ausbildung als Waldführer in der Akademie des Försters Peter Wohlleben in der Eifel absolvieren. 

Mehr Informationen zu den Kursen von Waldbademeister Plaßmeyer auf www.waldfuehlen.de.


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