Jäger: „Wir sind Naturschützer“ Öffentlichkeitsarbeit der Jäger – auch Imagepflege?

Beim Knobelspiel gibt es Gehörn zu gewinnen. Die Kinder der Ferienpassaktion wetteifern zusammen mit Jägerin Eva Koslowski. Oft schöpfen Jäger aus ihrem Fundus an Tiermaterialien um ihre Öffentlichkeitsarbeit anschaulich und spannend werden zu lassen. Foto: Carolin HlawatschBeim Knobelspiel gibt es Gehörn zu gewinnen. Die Kinder der Ferienpassaktion wetteifern zusammen mit Jägerin Eva Koslowski. Oft schöpfen Jäger aus ihrem Fundus an Tiermaterialien um ihre Öffentlichkeitsarbeit anschaulich und spannend werden zu lassen. Foto: Carolin Hlawatsch

Georgsmarienhütte. Einmal auf einen Hochsitz klettern, Wildtiere beobachten, mit einem Jäger pirschen gehen – das sind Naturerlebnisse die viele Kinder wie auch Erwachsene reizen. Um Leuten, insbesondere denen die die Natur fremd geworden ist, derartige Erfahrungen zu ermöglichen, veranstalten die Jäger in den letzten Jahren vermehrt öffentliche Aktionen. Gleichzeitig versuchen sie damit mehr Verständnis für die Jagd zu schaffen und ihr Ansehen als Naturschützer zu stärken.

Halb fünf an einem Sonntagmorgen in Georgsmarienhüttes Ortsteil Kloster Oesede: Die Jäger des Hegerings Dörenberg-Nord sind schon auf den Beinen. Dabei hat die Jagd jetzt nicht gerade Hochsaison. Zahlreichen jagdbaren Tierarten darf aufgrund von gesetzlich festgelegten Schonzeiten erst ab dem frühen Herbst wieder nachgestellt werden. Nein, diese Jäger, die ohne Gewehr, statt dessen mit Fernglas und Sitzkissen ausgerüstet, am Hof Spreckelmeyer stehen, warten auf 22 Kinder die an der Ferienpass-Aktion „Mit dem Jäger auf die Pirsch“ teilnehmen. 

Mit verschlafenen Augen treffen die Kinder nach und nach ein. „In den letzten zwei Jahren hatten wir sogar noch mehr Teilnehmer bei unserer Ferienaktion. Die Events spielten sich allerdings nachmittags ab. Dieses Mal ist es wohl die Uhrzeit, die manch’ einen zögern ließ“, vermutet Hegeringleiter Franz Niermann, der aber dennoch mit der Teilnehmerzahl zufrieden ist. 

„Nach einem anstrengenden Wandertag fiel das Aufstehen nicht ganz so leicht“, gibt Sandra De Kock aus Kloster Oesede zu. Sie hat die Mühe des frühen Aufstehens am Sonntagmorgen auf sich genommen, weil sie ihrer Tochter damit eine Überraschung bereiten wollte: „Pauline ist in Kapstadt aufgewachsen und erst seit einem Jahr hier in Georgsmarienhütte. Ihre Liebe zur Natur, zu den Tieren hat sie aus Afrika mitgebracht“. Neben Pauline steht ein Geschwister-Trio aus Hamburg, das bei Oma und Opa im Osnabrücker Land zu Besuch ist. Die Großeltern wollten ihren Schützlingen mal so ein richtiges Naturerlebnis verschaffen.

Das Erwachen der Natur: Pauline (8) beobachtet vom Jäger-Hochsitz aus früh morgens ein Reh im Revier in Georgsmarienhütte. Foto: Mathias Suttmeyer

Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Nachdem die Kinder, die immer zu zweit einen Jäger auf den Hochsitz begleiteten, nach rund zwei Stunden auf Spreckelmeyers Hof zurück kehren, berichten sie mit strahlenden Augen von gesichteten Rehen, Füchsen und Wildschweinen. Nach einem gemeinsamen Frühstück gibt es noch eine spannende Jagdhunde-, und eine Wildkamera-Vorführung und bei Bewegungsspielen auf der Obstbaumwiese wird auch die letzte Energie verbraucht. Um 9 Uhr werden die „ausgepowerten“ Kinder abgeholt.

„Rund um gelungen“, freut sich Initiatorin und Jägerin Maike Dittmer. Die Mutter von drei Kindern wurde einst im Kindergarten von einer Erzieherin um einen bebilderten Jagdkalender gebeten, da viele Kinder die heimische Tierwelt nicht mehr kennen würden. „Da habe ich gedacht: Das geht doch nicht. Wie soll man auch zukünftig noch etwas schützen, wenn man so überhaupt keinen Bezug dazu hat“, meint Maike Dittmer. Neben ihrem ehrenamtlichen Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit der Jägerschaft ließ sie sich bei den Niedersächsischen Landesforsten zur „zertifizierten Waldpädagogin“ ausbilden und stellt fest: „Das Interesse an den die Natur näherbringenden Veranstaltungen der Jäger nimmt zu.“

Kindern die Natur nahe zu bringen, damit sie sie später auch bewahren wollen, liegt Jägerin Maike Dittmer (Mitte) am Herzen. Hier schlüpft sie bei einem Spiel der Ferienpassaktion mit den Kindern in die Rollen von Fuchs und Hase. Foto: Carolin Hlawatsch

So sieht das auch Reinhard Korbel, der Vorsitzende der Jägerschaft Osnabrück-Land. Lange seien die Jäger und Angler als größte Naturschutzvereinigung Niedersachsens, so nicht wahrgenommen worden. Zahlreiche Jäger in allen zehn Hegeringen des Altkreises Osnabrück setzten sich seit jeher für Naturschutz und die Öffentlichkeitsarbeit ein. „Nur damals war die Motivation eine andere. Ging es früher mehr um die Beschäftigung der Kinder und Jugendlichen, steht heute die Vermittlung von Naturverständnis im Vordergrund“. Das habe in den letzten Jahren zu immer mehr Anfragen von Kindergärten, Schulen und Geburtstagsgruppen geführt und sicherlich auch zu einer Verbesserung des Images der Jäger. 40 bis 50 Mal pro Jahr rücke inzwischen das Infomobil der Jägerschaft, bestückt mit zahlreichen Tierpräparaten, in und um Osnabrück aus. Hinzu kommen öffentliche Nistkastenbau-, Tierspuren- und Blühstreifen-Aktionen. 

Natürlich sei nicht jeder Freund des Naturschutzes mit Gewehr. Kritik komme häufig von Menschen, die zwar die Natur lieben und sie konsumieren, ihre Zusammenhänge aber nicht verstünden. „Es gibt immer noch diese Beschwerden von Eltern: „Wie können Sie den Kindern nur tote Tiere zeigen. Aber das hat nachgelassen und die Leute kapieren das Jagd nicht einfach nur Spaß am Tiere erschießen ist“, sagt Reinhard Korbel: „Nur wenn wir Kindern wie auch Erwachsenen die ökologischen Bezüge erklären, können wir auch unser jagdliches Tun verständlich machen.“ Gejagt werde einerseits zur Beschaffung von Wildfleisch, aber auch zur Regulation von Wildbeständen sowie der Vorbeugung von Wildschäden in Wald und Feld. Jäger lieben nach eigener Aussagen die Natur, sind fast täglich draußen im Wald und wissen so genau, was dort kreucht und fleucht. Dieses wertvolle Wissen gäben sie gerne weiter. Jeder, der Interesse an Tierbeobachtung hat oder mal bei der Jagd dabei sein will, könne ganz einfach einen örtlichen Jäger kontaktieren. 

Wie arbeitet ein Jagdhund? – Franz Niermann, Leiter des Hegerings Dörenberg-Nord, zeigt es den jungen Teilnehmern der Ferienpassaktion auf dem Hof Spreckelmeyer in Georgsmarienhütte. Foto: Carolin Hlawatsch

Zur Sache

Selbst dabei sein
- Die bundesweite Jägerinitiative „Lernort Natur“ bildet seit 25 Jahren Ehrenämtler zu Naturpädagogen aus. Infos auf www.jagdverband.de/lernort-natur   
- Mit seinem Projekt „Gemeinsam Jagd erleben“ versucht der Deutsche Jagdverband Nichtjägern die Facetten der Jagd erlebnisorientiert näher zu bringen. Infos und Kontakt auf www.jagderleben.de/gemeinsam-jagd-erleben


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