"Eins auf die Fresse" Gymnasium Oesede inszeniert Theaterstück gegen Mobbing

Der neue Mitschüler Sven (Frederic Schulz) liegt betrunken am Boden, umringt von seiner Mutter (Jule Möller) und ihrer Haushaltshilfe (Firdevs Yilmaz). Foto: Franca HeuerDer neue Mitschüler Sven (Frederic Schulz) liegt betrunken am Boden, umringt von seiner Mutter (Jule Möller) und ihrer Haushaltshilfe (Firdevs Yilmaz). Foto: Franca Heuer

Georgsmarienhütte. Die Theater-AG des Gymnasiums Oesede feierte am Freitag die Premiere ihres neuen Theaterstücks "Eins auf die Fresse". Darin geht es um Mobbing und Gewalt an Schulen. Musikalisch begleitet wurde sie dabei vom Ensemble der Musik-AG Fastpek.

Der Schüler Mathias Erbach, genannt Matze, hat Selbstmord begangen und niemand weiß genau, warum. Mit diesem düsteren Einstieg beginnt das Theaterstück von Rainer Hachfeld, das 2011 im Berliner GRIPS-Theater uraufgeführt wurde. Auch die Adaption der Theater-AG des Gymnasiums Oesede schreckte nicht vor der Darstellung von Gewaltszenen, des  Drogenkonsums oder dem Gebrauch von Kraftausdrücken zurück. Nicht umsonst beschrieben es die Plakate als Musiktheaterstück für Menschen ab 13 Jahren.

"Hier geht es um das Individuum, das durch die Strukturen seiner Umgebung eingeengt wird", erklärte Schulleiter Thomas Rohm und lobte die Beteiligten, dass sie das Stück innerhalb kurzer Zeit auf die Bühne gebracht hatten. Schließlich war die Kooperation zwischen Theater- und Musik-AG  an sich eine Premiere.


Trotz des gutes Wetters fanden viele Zuschauer den Weg ins Pädagogische Zentrum des Gymnasiums. Foto: Franca Heuer

"Eins auf die Fresse" beleuchtete unter der Leitung von Elke Hülsmann und Anjo Appelhans die Hintergründe des Selbstmordes. Die vier Hauptfiguren Lucky (Denis Gaksteter), Minnie (Felicia-Marie Lehmann), Lana (Evelyn Edich) und Sven (Frederic Schulz) haben alle mit Problemen zu kämpfen. Sie leiden unter der Abwesenheit ihrer Eltern, neigen zu Gewalt oder erfahren eine unerwiderte Liebe. 

Das Stück verdeutlicht, dass bei Mobbing nicht so leicht zwischen Tätern und Opfern zu unterscheiden ist. Lucky, Minnie und Lana, sie alle kannten Matze und sie alle haben ihm irgendwie das Leben schwer gemacht. Kritisch hinterfragt wurde auch die Rolle von Lehrern und Eltern, die nicht erkannt haben, was mit den Jugendlichen los ist. 

Auch wenn das Stück in seiner Härte nicht immer dem Leben eines Schülers in Georgsmarienhütte entsprechen mag, so behandelt es doch ein relevantes Thema. Noch vor zwei Jahren zeigte eine OECD-Studie, dass in Deutschland fast jeder sechste 15-Jährige regelmäßig Opfer von teils massivem Mobbing an seiner Schule wird.  

Lucky (Denis Gaksteter) weiß sich nur gewaltsam zu behaupten. Foto: Franca Heuer

Zwischen den Szenen und im Zusammenspiel mit Choreographien der Schauspieler ertönte die Musik des Ensembles Fastpek. Passend zur kritischen Auseinandersetzung mit Gewalt an Schulen wurden unter anderem "Another Brick in the Wall", "Behind Blue Eyes" und "Bittersweet Symphony" gespielt. Die Musiker der Jahrgänge 5 bis 9 verpassten dabei keinen Einsatz.

Ebenso überzeugten die Schüler als Schauspieler. Ein paar wenige Patzer trugen nur zur guten Stimmung des Publikums bei, das die Schüler mit großem Applaus belohnte. AG-Leiterin Elke Hülsmann bedankte sich für die Mitarbeit der Schüler. "Es ist ein sperriges Thema in einer Sprache, die zum Glück nicht die eure ist. Ihr habt zunächst viel Kritik geübt und es dann zu eurem Stück gemacht". 

Kollege Anjo Appelhans lobte die Schüler für ihre Ausdauer. "Sie haben viele Tage bis abends in der Schule verbracht. Das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich". 


Für die Aufführung wurde ein Teil des Pädagogischen Zentrums temporär umgestaltet und optimal ausgenutzt. Foto: Franca Heuer


"Eins auf die Fresse" ist in anderer Besetzung erneut am Montag, 17.06.2019, um 19 Uhr im Gymnasium Oesede zu sehen. Der Eintritt ist frei. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN