Pohlmann plant Neustart im August GMHüttes Bürgermeister hat seinen letzten Arbeitstag im Rathaus

Schließt am Freitag das letzte Mal das Rathaus ab: Die Amtszeit von GMHüttes Bürgermeister Ansgar Pohlmann geht Ende Mai nach acht Jahren zu Ende. Foto: Stadt GMHütte/OttenSchließt am Freitag das letzte Mal das Rathaus ab: Die Amtszeit von GMHüttes Bürgermeister Ansgar Pohlmann geht Ende Mai nach acht Jahren zu Ende. Foto: Stadt GMHütte/Otten
Stadt GMHütte/Otten

Georgsmarienhütte. Große Abschiedsworte sind nicht die Sache von GMHüttes Bürgermeister Ansgar Pohlmann. Der 54-Jährige fühlt sich am wohlsten, wenn er einfach seinen Job machen kann. Acht Jahre hat er das als Rathaus-Chef getan, und natürlich gibt es auch einen klaren Plan, was er künftig macht.

Zum Finale am Freitag ist der Terminkalender sogar einmal komplett frei. Nicht verplante Zeit, um den letzten Stand bei wichtigen Projekten als Aktennotiz fest zu halten und in Ruhe die persönlichen Sachen im Amtszimmer einzupacken – das war's dann. Aus seiner Sicht gibt es auch keinen Grund für eine große Verabschiedung: "Bürgermeister ist ein politischer Job auf Zeit. Dass ich aufhöre, ist ein ganz normaler Vorgang", lautet seine nüchterne Sichtweise.

Vorschlag für Zentrumsgestaltung in Kloster

Den Mitarbeitern der Stadtverwaltung hat er Dienstagmittag von 12 bis 14 Uhr als Ausstand ein Buffet ausgegeben. Mittwochabend ist die Sitzung des Verwaltungsausschusses (VA) dann Abschluss des "operativen Amtsgeschäfts" gewesen.

Und hier hat Pohlmann noch einmal eine Überraschung parat gehabt: Er präsentierte am Ende eine Planung, wie in Kloster Oesede sowohl ein Neubau der Feuerwehr als auch ein Einkaufsmarkt auf der zur Zeit noch von der Außenstelle der Sophie-Scholl-Schule belegten Fläche an der Straße Zur Waldbühne Platz finden könnten.

GMHüttes Bürgermeister ist ein Macher, dem es Spaß macht, solche Dinge zu entwickeln und Zukunftslösungen zu realisieren. Das hat seine Arbeit im Rathaus geprägt. Während Vorgänger Heinz Lunte für eine möglichst schlanke Verwaltung und größtmögliche Eigen-Regie der Fachbereiche stand, war dessen Nachfolger ein Modernisierer, der neue Strukturen in Rathausabläufe gebracht hat. Viele Dinge sind Chefsache geworden und werden im Stile eines Managers abgearbeitet. 

Alles hat bei ihm einen klaren zeitlichen Rahmen, denn sein Tag ist in der Regel eng getaktet. Pohlmann, der vor der Rathaus-Aufgabe Wirtschaftsförderer beim Landkreis war, ist ein Verwaltungsprofi, der dank seines Zeitmanagements das tägliche, sich nicht selten von morgens 7.30 bis abends gegen 21 Uhr streckende Arbeitspensum von Besprechungen und Terminen problemlos abspult.

Längere Urlaubsphasen mit Reisen – die hat es in der Zeit vom Amtsbeginn am 1. Juni 2011 bis heute nicht gegeben. Der Oeseder ist Familienmensch und fühlt sich daheim am wohlsten, wo er die freie Zeit nutzt, um selber etwas im Haus oder Garten zu verändern. 

Dälken: Ehrlich sowie immer für die Menschen da

Der Ausbau des Kita- und Krippenangebots, der Hochwasserschutz, die Rehlberg-Planungen oder natürlich die Wirtschaftsthemen, die dazu beigetragen haben, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs in der Hüttenstadt noch einmal um rund 1500 auf mehr als 14000 Stellen gestiegen ist: Pohlmann hat hier immer wieder versucht,  Dinge voran zu treiben.

"Ungemein fleißig, ehrlich sowie immer für die Menschen und die Politik da", charakterisiert der CDU-Fraktionsvorsitzende Martin Dälken seinen Parteifreund. "Drei Kitas neu gebaut, weitere Einrichtungen saniert oder Krippen angebaut, neue Baugebiete ausgewiesen und neue Betriebe angesiedelt", so lauten für ihn nur einige Punkte der Erfolgsbilanz, die Pohlmann vorweisen kann. 

Jantos: Immer über alles auf dem neuesten Stand

Dessen Rundum-Fachkompetenz wird selbst von der SPD-Fraktionsvorsitzenden Annette Jantos gelobt, die häufiger kritisiert hat, dass Pohlmann die Politik nicht früher einbezieht: "Auch als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke ist der Bürgermeister in komplizierten Detailfragen immer über alles auf dem neuesten Stand." Anerkennend stellt sie fest, dass sich der Bürgermeister "während seiner Amtszeit zu einer respektablen Persönlichkeit" entwickelt habe. 

Die erste Phase seiner Amtsantritt sei aber zunächst durch die Vorgänge um die Raiffeisenstraße belastet gewesen. Der im ersten Rathaus-Jahr von ihm hier ohne notwendigen Ratsbeschluss beauftragte Kauf einer Gewerbe-Immobilie am Harderberg ist 2014 Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen und eines Disziplinarverfahrens gewesen, die beide aber eingestellt wurden. Jantos: "Anschließend hat es eine gute sachliche Zusammenarbeit gegeben."

Lorenz: Etwas mehr den Fokus auf Natur- und Umweltschutz gewünscht

Für die Grünen ist positiv anzumerken, dass Pohlmann "im Gegensatz zu seinem Vorgänger in jeder Ausschusssitzung präsent war" und sich "um die allgemeinen Dinge der Stadt immer gut gekümmert hat, insbesondere aber für die der gewerblichen Unternehmen". Fraktionsvorsitzender Robert Lorenz: "Wir hätten es allerdings gern gesehen, wenn er den Fokus etwas mehr auf den Natur- und Umweltschutz gelegt hätte." 

Welkener: Als kompetenten und fairen Zeitgenossen erlebt

Linke-Fraktionschef Jörg Welkener bedauert, dass "Ansgar nun den Kommandostand verlässt, da wir ihn als extrem fleißigen, kompetenten und fairen Zeitgenossen erlebt haben". Als 2011 am Wahlabend feststand , das Pohlmann neuer Bürgermeister sein würde, habe er ihm beim gratulieren gesagt: "Ansgar, nun werde der, "wofür du gewählt wurdest." Heute wisse er: "Ansgar wurde dieser Bürgermeister." Alle wünschen Pohlmann, der im vergangenen Sommer überraschend seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur erklärt hat, alles Gute. 

 "Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich die nächsten Jahre meinen Terminkalender wieder stärker selber bestimmen und auch noch einmal eine neue berufliche Herausforderung suchen will", erklärt der zum 1. Juni ausscheidende Noch-Amtsinhaber zu seiner Rückzugs-Entscheidung. 

Flirt mit der WFO

Er hat übrigens zuvor schon mal mit dem Gedanken gespielt, nicht mehr Bürgermeister zu sein. Vor rund drei Jahren gab es intensive Gespräche mit Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert über eine Rückkehr ins frühere Tätigkeitsfeld – als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Osnabrück (WFO). Ein heißer Flirt, um wohl einen Plan B zu haben, falls nach den Raiffeisenstraße-Schlagzeilen im GMHütter Rat keine vernünftige Zusammenarbeit mehr möglich gewesen wäre. Am Ende sagte Pohlmann aber ab. 

Montagabend ist in der Ratssitzung, in der Nachfolgerin Dagmar Bahlo (SPD) schon auf seinem Platz sitzen wird, die offizielle Verabschiedung vorgesehen. Danach plant Pohlmann erst einmal rund zwei Monate abzuschalten, bevor er im August oder September dann etwas Neues in Angriff nehmen will. Ob als selbstständiger Berater, Angestellter oder Geschäftsführer ist offen: "Es wird sich in den kommenden Wochen klären, wie sich meine Vorstellungen, Projekte im Bereich Stadtentwicklung und Baumanagement zu koordinieren, am besten umsetzen lassen." 

Pohlmann geht in jedem Fall mit einem guten Gefühl: "Auch wenn ich beim Rehlberg, dem Thema Stadtplatz oder dem Hochwasserschutz  gerne weiter gekommen wäre, es ist vieles auf den Weg gebracht, was in die Umsetzung gehen kann." Eins steht für ihn fest: "Ich werde mich bei verschiedenen Themen weiter einbringen, nur künftig halt als Bürger auf der anderen Seite." Dies hat er in der vergangenen Woche auch beim Auftakt des "Dorfentwicklungsprozesses" angekündigt. Wer Pohlmann kennt, weiß: Er wird Wort halten.


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