Fachleute fragen, Kandidaten antworten Hütter Unternehmer-Talk im Zeichen der Landratswahl

Die Diskussionsrunde beim "Hütter Unternehmer Talk": Unser Foto zeigt (von links) Thomas Rohm, Klaus Ludden, Jutta Guthardt, Anna Kebschull, Christoph Averdiek-Bolwin, Michael Lübbersmann, Ansgar Pohlmann, Andreas Wolf, Horst Baier, Ralf Ostendarp und Frank Vorholt und Marco Graf. Foto: Stadt GMHütteDie Diskussionsrunde beim "Hütter Unternehmer Talk": Unser Foto zeigt (von links) Thomas Rohm, Klaus Ludden, Jutta Guthardt, Anna Kebschull, Christoph Averdiek-Bolwin, Michael Lübbersmann, Ansgar Pohlmann, Andreas Wolf, Horst Baier, Ralf Ostendarp und Frank Vorholt und Marco Graf. Foto: Stadt GMHütte

Georgsmarienhütte. Welche Erwartungen haben GMHütter Führungskräfte an die vier Landratskandidaten, die sich am 26. Mai zur Wahl stellen und den Landkreis in den kommenden sieben Jahren zukunftsfähig gestalten wollen. Beim "Hütter Unternehmer-Talk" waren klare Positionen gefragt, und die Bewerber lieferten aus Sicht der Fragesteller.

Zum zweiten Mal haben sich Mitte der Woche der zur Wiederwahl stehende Amtsinhaber Michael Lübbersmann (CDU), Grünen-Bewerberin Anna Kebschull sowie die beiden unabhängigen Kandidaten, der von SPD, UWG und Linke unterstützte Horst Baier, Bürgermeister der Samtgemeinde Bersenbrück, sowie der Meller Frank Vornholt bei einer Podiumsdiskussion in GMHütte präsentiert. Diesmal standen die Themen Wirtschaftsfreundlichkeit, Arbeitsmarkt-Herausforderungen, Pflege und Schulstruktur im Mittelpunkt. 

Fragen zu vier Themenfeldern 

Das Format: Moderator Klaus Ludden, Geschäftsführer der Lingener Pro-t-in Beratungs-Gesellschaft, hat prominente Verstärkung zur Seite gehabt. Zu jedem Themenkomplex gab es einen "Botschafter", der den Kandidaten einer Fachfrage stellte. Beim Auftakt-Schwerpunkt Wirtschaftsfreundlichkeit war dies Marco Graf, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK).  

Wirtschaftsfreundlichkeit: Horst Baier stellte hier heraus, dass Wirtschaftsförderung und Flächenausweisung eigentlich in die Zuständigkeit der Städte und Gemeinden fallen. Der Landkreis sei hier für wichtige Dinge wie zum Beispiel den Breitbandausbau oder gute Berufsschulen zuständig. Er brachte eine "Allianz für die Region" von Landkreis, Stadt und Unternehmen ins Spiel:  "Aber das geht nicht mit der Brechstange." Grünen-Kandidatin Kebschull stellte in den Vordergrund, die Rahmenbedingen so zu gestalten, dass sich die Unternehmen entwickeln könnten. Sie betonte gleichzeitig die Wichtigkeit von Umwelt- und Klimaschutz, um die Lebensgrundlagen zu erhalten: "Sonst kann auch Wirtschaft nicht funktionieren."  Michael Lübbersmann ging insbesondere auf Breitband- und Mobilfunk-Ausbau ein, die zu den "großen Themen" zählten: "Hier können wir dank der zur Verfügung stehenden Fördertöpfe 40 weitere Gewerbegebiete anschließen." Dass es insgesamt gelungen sei, gute Rahmenbedingungen und Strukturen zu schaffen, zeigt für ihn die Höhe des verfügbaren Durchschnittseinkommens im Landkreis. Das liege bei 22000 Euro und damit 1500 Euro höher als im Vergleich zur Stadt Osnabrück. Frank Vornholt erinnerte daran, dass der Landkreis über "einen beeindruckenden Mittelstand" verfügt. Es gelte, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass die Betriebe auch "weiter erfolgreich sein können". Im Falle seiner Wahl werde er in den ersten 100 Tagen zu einem "Unternehmergipfel" einladen, kündigte er an. Wichtig seien zum Beispiel schnellere Entscheidungen bei geplanten Bauvorhaben. 

Herausforderung Digitalisierung

Arbeitsmarkt: Beim zweiten Thema des Abends legte Arbeitsagentur-Geschäftsführerin Jutta Guthardt  in ihrer Einführung den Fokus auf die Aspekte Fachkräftesicherung, die Herausforderung, Frauen in besser bezahlte Berufe zu bringen, sowie  die Auswirkungen der Digitalisierung. Für Anna Kebschull ist letztere "eine Riesenchance". Es sei Fakt, dass hier der ein oder andere Arbeitsplatz werde, aber dies könne auch ein Impuls sein. Aus Sicht von Michael Lübbersmann zählt zu den "großen Herausforderungen", im Bildungsbereich die Mint-Fächer –  Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - zu stärken und bessere Möglichkeiten zu schaffen, damit Frauen  Berufswege in diesem Bereich einschlagen. Frank Vornholt hat den Fachkräftemangel und die Fachkräfteförderung zu einem Top-Thema seines Wahlkampfs gemacht. Er setzt unter anderem eine spezielle Image-Kampagne, um junge Fachkräfte ins Osnabrücker Land zu holen. Für Horst Baier können bei dem Thema nur im Zusammenspiel vieler Akteure, von denen die Wirtschaft der stärkste sei, Lösungen gefunden werden und Rahmenbedingungen geändert werden. Was die Bildungsaspekte betreffe, sei vor allem das Land gefordert. 

Pflegeplatz-Situation: GMHüttes Wirtschaftsförderer Andreas Wolf rückte hier aus Sicht des GMHütter Unternehmens Wendt die Probleme in den Blickpunkt, die vor allem kleinere mittelständische Betriebe haben, wenn ihre Fachkräfte sich plötzlich mit einem familiären Pflegefall konfrontiert sehen, aber keinen Platz in einer Einrichtung finden können. Für Michael Lübbersmann ist der Pflegebereich ein "schwieriges und hoch komplexes Thema". Der Landkreis habe 1600 Plätze mehr geschaffen als der eigentliche Bedarf betrage. Er sprach sich dafür aus, Pflegestützpunkte aufzubauen und die Bildung von Pflegeverbünden in Angriff zu nehmen, um schnell reagieren zu können. Frank Vornholt verwies darauf, dass es hier für Arbeitnehmer grundsätzlich Regelungen nach dem Familienpflegezeitgesetz gebe. Zukunftsweisend sind aus seiner Sicht Modellprojekte wie die ambulante Betreuung im Dorfgemeinschaftshaus in Merzen, die er sich landkreisweit wünscht. Auch Horst Baier hält neue Ansätze für notwendig, um Lösungen für den "auf uns zukommenden Pflegestand" zu finden: "Das ist ein Riesenthema." Wichtig sei, Ältere länger fit zu halten und durch gezielte Unterstützung "Nachbarschafts-Aktivitäten" zu fördern.   

Die Schulstruktur: Beim letzten Punkt thematisierte Fragesteller Thomas Rohm, Leiter des Gymnasiums Oesede, das Schulangebot in GMHütte. Frank Vornholt machte deutlich, dass er sich als Außenstehender zunächst einmal einen Überblick zum Schulstruktur-Sachstand auf Landkreisebene verschaffen müsse, um Bewertungen und verlässliche Zusagen machen zu können. Horst Baier gab die Einschätzung, dass er in GMHütte an der Stelle keinen Handlungsbedarf hinsichtlich einer IGS sehe. "Never change a winning team". lautete seine Antwort angesichts der offensichtlich guten Arbeit von Gymnasium, Realschule und Hauptschule sowie der Comenius-Förderschule. Grünen-Kandidatin Anna Kebschull betonte: "Für mich zählt der Elternwille", und es seien "starke Schulen" wichtig. Für Michael Lübbersmann verfügt GMHütte über ein hervorragendes dreigliedriges Schulsystem.  Er sprach sich auch für den dauerhaften Erhalt der Comenuis-Förderschule aus. 

Alle vier Fachleute zeigten sich jeweils mit den Antworten der Kandidaten zufrieden: "Das ist ein bunter Mix  von Vorschlägen", lautete häufiger das Resumee am Ende der Themenblöcke. 


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