Bei vielen Themen Einigkeit Landratskandidaten sprechen im Oeseder Rathaus über Bildungspolitik

Große Themenvielfalt: Podiumsdiskussion zum Thema Bildung mit den vier Landratskandidaten im Rathaus Georgsmarienhütte. Foto: Matthias LiedtkeGroße Themenvielfalt: Podiumsdiskussion zum Thema Bildung mit den vier Landratskandidaten im Rathaus Georgsmarienhütte. Foto: Matthias Liedtke

Georgsmarienhütte. Einigkeit herrschte über die Bedeutung der Berufsorientierung, des lebenslangen Lernens und der Digitalisierung: Im gut besuchten Niedersachsen-Saal des Rathauses in Oesede hatten die vier Landratskandidaten Gelegenheit, ihre Ideen zur Entwicklung des Bildungssystems im Landkreis vorzustellen.

Auf Einladung der vor drei Jahren gegründeten Georgsmarienhütter Bildungsgenossenschaft (GBG) fanden sich die Einzelbewerber Horst Baier und Frank Vornholt, Anna Kebschull (Grüne), und der amtierende Landrat Michael Lübbersmann (CDU) zusammen, um einen von den Gastgebern Christoph Höwerkamp und Rainer Korte breit gefächerten Strauß an Fragen zu beantworten. 

Die vier Landratskandidaten (von links) Anna Kebschull, Frank Vornholt, Horst Baier und Michael Lübbersmann. Foto: Matthias Liedtke


Während Lübbersmann darauf verwies, dass für eine „ganzheitliche“ Koordination der unterschiedlichen Bildungsakteure im Landkreis drei Bildungsbüros in dessen Norden, Süden und Osten geschaffen worden seien und mit den Bürgermeistern permanent über die konkrete Ausgestaltung der Schulformen gesprochen werde, sahen die anderen Kandidaten Änderungs- oder zumindest Weiterentwicklungsbedarf. Baier forderte einen Schulentwicklungsplan zur besseren Koordinierung und Eindämmung der Konkurrenz zwischen den Schulen. Vornholt plädierte für eine engere Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und Kommunen und Kebschull mahnte darüber hinaus mehr Transparenz und einen anderen, bürgernäheren Politikstil an. Man müsse sich an die modernen Entwicklungen anpassen und beispielsweise auch über multiprofessionelle Teams, kleinere Lerngruppen oder eine Oberstufe in den Gesamtschulen nachdenken. Vornholt verwies darauf, dass nicht jede Stadt und Gemeinde eine eigene weiterführende Schule haben könne und man genau hingucken müsse, welche Schulen zukunftsfähig seien und welche nicht. Baier sprach sich für mehr individuelle Förderung, Sozialarbeit und Bildungsberatung in Schulen aus. Gegen die Abwanderung in die Stadt oder andere Landkreise müssten die Schulen attraktiver werden. Lübbersmann wünschte sich eine wohnortnahe Beschulung, ohne aber dabei das Wahlrecht der Eltern zu unterbinden.  

Schule und Ausbildung verknüpfen

Einig waren sich die vier Kandidaten darüber, dass die Volkshochschule als Ort des berufsbegleitenden und lebenslangen Lernens, aber auch der Begegnung gestärkt und ausgebaut werden müsse. Vor allem für die Bereiche Sprachbildung, Lernhilfen und nachholende Schulabschlüsse bilde die Volkshochschule eine breit aufgestellte und hocheffiziente Form, betonte nicht nur Lübbersmann. Auch darüber, dass die Kooperation zwischen Schulen und Betrieben verstärkt werden müsse, herrschte weitestgehend Einigkeit. Mit längeren Praktika müsse die Arbeitswelt den Schülern nahegebracht werden, sagte Baier. Vornholt betonte die Aufklärung über Ausbildungsmöglichkeiten als Alternative zu einer rein akademischen Karriere. Auch Kebschull bemerkte, dass auch Gymnasien nicht nur auf ein Studium vorbereiten müssten. Sie plädierte auch dafür, nicht nur Mädchen an die sogenannten Mint-Fächer, sondern umgekehrt auch Jungs etwa stärker an Pflegeberufe heranzuführen. 

Zentrale Themen der Bildungspolitik wurden angesprochen. Foto: Matthias Liedtke


Als zentrales Thema bei der Entwicklung des Bildungssystems wurde unisono die Digitalisierung betrachtet. Mit dem Geld, das durch den sogenannten Digitalpakt zur Verfügung steht, solle man nicht nur Schulen ausstatten, sondern müsse auch das Personal mitnehmen, mahnte Vornholt auch Schulungsmaßnahmen an. Kebschull betonte, dass neben der Erweiterung der Unterrichtsinhalte auch die Umgangsformen nicht vergessen werden und digitale Medien etwa dafür genutzt werden sollten, mit ihnen auch mal raus in die Natur zu gehen. Für einheitliche Systemlösungen als Basis sprach sie sich ebenso aus wie Lübbersmann, der betonte, dass digitale Medien ein Instrument seien, um pädagogische Arbeit zu vermitteln. Ebenfalls zur Sprache kam die Situation in den Kitas. Hier sprach sich Baier für eine Stärkung der Ganztagsangebote und der Tagespflege aus und Kebschull für flexiblere Anfangszeiten. Beim Thema Migration wurden schließlich die Sprachförderung und die Elternarbeit von allen Kandidaten als wesentliche Schlüssel für die Integration erachtet.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN