Grüner Spitzen-Mann in GMHütte Hofreiter: Sprechen mit IG-Metall über die Autobranche

Politik zum Bio-Frühstück: Anton Hofreiter (rechts) sprach vor 80 Teilnehmern im Kolpinghaus GMHütte über verschiedene Themenfelder. Foto: Swaantje HehmannPolitik zum Bio-Frühstück: Anton Hofreiter (rechts) sprach vor 80 Teilnehmern im Kolpinghaus GMHütte über verschiedene Themenfelder. Foto: Swaantje Hehmann

Georgsmarienhütte. Beim Bio-Frühstück in Georgsmarienhütte kritisierte Anton Hofreiter die Haltung der Bundesregierung zum Kohleausstieg.

Der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen hatte den Ko-Fraktionsvorsitzenden der Bundespartei eingeladen, um mit ihm über verschiedene Politikfelder zu sprechen. Hofreiters Kritik: Nachdem der Ausstieg aus der Stromproduktion durch Kohle beschlossen worden sei, verschleppe man nun wegen der anstehenden Wahlen in Ostdeutschland erste konkrete Maßnahmen, so der Bundesgrünen-Politiker. „Eine Strategie zu verfolgen, niemanden zu verprellen, ist maximal fatal.“

Gespräche mit Gewerkschaft

Hofreiter forderte den konsequenten Ausbau von Windkraftanlagen und, aus Gründen des Wirtschaftsstandortes Deutschland, die Entwicklung von Elektroautos. „Wir sind derzeit in einem intensiven Dialog mit der IG Metall, um zu eruieren, wie man die Autoindustrie für mehr Klimaschutz und Erhalt der Arbeitsplätze transformieren kann. Eigentlich ist das die Aufgabe der Bundesregierung, statt mit den Autobossen darüber zu reden, wie man die Betrügereien beim Diesel zulassen kann“, sagte Hofreiter.

Konkrete Nachfrage von Claus Kanke aus Bissendorf. Der grüne Ratsherr konstatierte, bei der dezentralen Energiewende von der Parteispitze im Bund allein gelassen zu werden. „Wir brauchen keine Übertragungsnetze, sondern nur intelligente Versorgungsnetze.“

Meinungsverschiedenheit

Hofreiter stellte fest, dass es in dieser Frage eine eindeutige Meinungsverschiedenheit mit der Grünenbasis gebe. Um die Nachfrage steuern zu können, brauche es Windkraft und Photovoltaik. Mit starken Übertragungsnetzen hole man sich Wind- und Sonnenstrom da her, wo er gerade produziert wird. Hofreiter plädierte aber auch für einen klugen Mix, zudem auch intelligente Speichersysteme gehören.

Ein-Euro-Ticket für Nahverkehr

Wie könne der von Hofreiter eingebrachte Vorschlag, nach einem sogenannten Ein-Euro-Ticket für Bus und Bahn pro Tag umgesetzt werden, lautete eine andere Frage. Die Idee stamme aus Wien und sei ein Teil des Mobilpasses Deutschland. In Großregionen kaufe man für 365 Euro ein Ticket, das eine Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ein Jahr lang möglich mache.

Biofrühstück mit Anton Hofreiter im kolpinghaus Georgsmarienhütte. Foto: Swaantje Hehmann


Hofreiter sprach sich auch für eine Nahverkehrsabgabe aus, wie sie etwa in Frankreich umgesetzt wird. Aber: Statt die Abgabe von den Unternehmen (Neun Prozent der Bruttolohnsumme) einzufordern, sollten das in Deutschland die Kommunen oder Länder machen dürfen. Vor Ort könne besser entschieden werden, wie man mit dem Geld den Nahverkehr ausbauen könne, meinte Hofreiter.

Die Einladung prominenter Politiker von Bündnis 90/Die Grünen hat in GMHütte eine Tradition, erklärte Vorstandsmitglied Tobias Demircioglu. Zum sogenannten Bio-Frühstück kamen in den Vorjahren Bundestagsabgeordnete und Landesminister.

Keine Wahlempfehlung für Bürgermeisterkandidaten

Bei der Veranstaltung traten auch die beiden verbliebenen Bürgermeisterkandidaten Christoph Ruthemeyer (CDU) und Dagmar Bahlo (SPD) auf. In je fünf Minuten erläuterten sie ihre politischen Ziele. „Eine Wahlempfehlung für einen der beiden am kommenden Sonntag, sprechen wir von den Grünen nicht aus. Das kann jedes Mitglied selbst entscheiden“, so Demircioglu am Rande der Veranstaltung.


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