Bildungsgenossenschaft Gysi bei GMHütter-Gespräche: Schul-Politik muss zentralisiert werden

Was braucht gute Bildung? Darüber sprach der populäre Linken-Politiker Gregor Gysi in Oesede. Foto: Stefan BuchholzWas braucht gute Bildung? Darüber sprach der populäre Linken-Politiker Gregor Gysi in Oesede. Foto: Stefan Buchholz

Georgsmarienhütte. Für ein einheitliches bundesdeutsches Schulsystem hat sich Gregor Gysi bei einem Vortrag zum Thema Bildung ausgesprochen.

Der populäre Bundestagsabgeordnete und Linken-Politiker war auf Einladung der GMHütter Bildungsgenossenschaft in die Hüttenstadt gekommen. Gysi identifizierte aus seiner Sicht gleich mehrere Probleme, wenn es um Bildung in Deutschland.

Problem Nr. 1: „Wir haben 16 Bundesländer und deshalb 16 verschiedene Schulsysteme.“ Wer Chancengleichheit in der Bildung fordert, darf Bildungserfolg nicht vom Glück abhängig machen, in einem reicheren Bundesland zu leben, erklärte Gysi. Es brauche daher ein einheitliches, hochflexibles Schulsystem.

Gysi: Gesamtschule fördert Sozialkompetenz

Problem Nr. 2: Als zweites Bildungsproblem machte er die frühe Trennung der Kinder auf verschiedene Schulzweige aus. „Wenn ich nach der vierten oder sechsten Klasse Kinder trenne, grenze ich sozial aus. Da steckt nichts anderes hinter.“ Gysis Rezept: Die Gesamtschule. Sie ermögliche zum einen bei mehr oder weniger positiv verlaufenden Bildungserfolgen den Wechsel innerhalb einer breit aufgestellten Schule. Zum anderen bilde die Gesamtschule sozial kompetentere Schüler aus, so der Linken-Politiker.

Mehr Toeranz durch gemeinsamen Ethikunterricht?

Problem Nr. 3: Drittes Problem aus Gysis Perspektive: Statt eines nach Konfessionen getrennten Religionsunterrichtes, brauche es einen einheitlichen Ethikunterricht. Dabei sollten alle gemeinsam die großen Weltreligionen durchnehmen. Dies fördere die Toleranz, zeigte sich Gysi in der Katholischen Landvolkhochschule überzeugt.

Problem Nr.4: Lebenslange Weiterbildung, das nächste Problem laut Gysi, müsse zur Pflicht werden. „Weiterbildung hat zu einem Bestandteil der Arbeit in der Arbeitszeit zu werden.“

Bildungsstrukturen in Afrika 

Problem Nr. 5: Bildung spiele zudem nicht mehr nur auf der nationalen Ebene eine Rolle, sondern müsse international gedacht werden. Durch das Internet sei eine weltweite Vergleichbarkeit des Lebensstandards möglich geworden. „Uns gehen auch die Bildungsstrukturen und die Chancen der Menschen in Afrika etwa an.“

Lösungsansätze: Fragen aus dem Kreis der 200 Veranstaltungsbesucher: Wie kann Pädagogik besser werden? Antwort von Gysi: Mehr Unterhaltung einfließen lassen. Zudem sollten die Lehrer besser bezahlt werden, die in Grundschulen unterrichteten.

Thema Förderschulen: Sie braucht es weiterhin, meinte der Bundespolitiker. „Es nutzt nicht, Kinder mit Beeinträchtigungen irgendwie mitzuziehen.“ Gleichwohl gehöre zur Chancengleichheit, dass Menschen mit Behinderung stets die größte Beteiligung am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werde.

Auftakt: GMHütter-Gespräche

Gysis Vortrag zum Thema „Lebenslang Lernen und Bildung für alle – Chancengleichheit statt sozialer Ausgrenzung“ ist die Neubelebung der GMHütter-Gespräche. „Damit wollen wir über Vorträge von Prominenten Themen der Bildung vor Ort weiter forcieren“, sagte Rainer Korte, der ehrenamtliche Geschäftsführer der Bildungsgenossenschaft. Das nächste GMHütter-Gespräch soll im Herbst 2019 stattfinden. Nähere Angaben konnte Korte aus organisatorischen Gründen noch nicht machen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN