GMHütter Firma holt Sanierungsberater SD Automotive will gestärkt aus Insolvenzverfahren hervorgehen

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Eins von zwei GMHütter Werke der SD Automotive GmbH: der Standort an der Hamburger Straße im Stadtteil Harderberg. Insgesamt beschäftigt der Automobildienstleister zusammen mit der Alt-GMHütter Produktionsstätte an der Werner-von-Siemens-Straße sowie den Außenlagern rund 500 Mitarbeiter. Foto: Archiv/Gert WestdörpEins von zwei GMHütter Werke der SD Automotive GmbH: der Standort an der Hamburger Straße im Stadtteil Harderberg. Insgesamt beschäftigt der Automobildienstleister zusammen mit der Alt-GMHütter Produktionsstätte an der Werner-von-Siemens-Straße sowie den Außenlagern rund 500 Mitarbeiter. Foto: Archiv/Gert Westdörp

Georgsmarienhütte Die GMHütter SD Automotive GmbH will das am Freitag vom Amtsgericht Osnabrück angeordnete Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung nutzen, um sich „für die Herausforderungen einer sich drastisch verändernden automobilen Zukunft gestärkt aufzustellen“. Der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt weiter.

Bei der Neuausrichtung wird die Geschäftsleitung von einer auf Sanierungsberatung spezialisierten Münsteraner Kanzlei unterstützt. In einer Pressemitteilung haben die restrukturierungserfahrenen Rechtsanwälte Frank Kreuznacht und Thore Voß (BBORS Rechtsanwälte) noch einmal herausgestellt, dass die Einleitung des Eigenverwaltungsverfahrens zur Zukunftssicherung genutzt werden soll. Ziel der Geschäftsführer Markus Dröge und Wilfried Seltmann ist danach, die „SD Automotive GmbH, ein international agierendes Unternehmen im Bereich des Prototypen-, Modell- und Werkzeugbaus sowie des Karosseriebaus für die Automobilindustrie, der deutlich veränderten Marktsituation anzupassen und für die Herausforderungen einer sich drastisch verändernden automobilen Zukunft gestärkt aufzustellen“.

Rund 500 Mitarbeiter betroffen

Die SD-Geschäftsführung erklärt dazu: „Der Automobilmarkt erfährt derzeit eine tief greifende Veränderung hin zur E-Mobilität und alternativen Antriebstechniken. Dies zieht einen strukturellen Wandel im Zuliefererbereich nach sich, eröffnet aber auch Chancen mit Blick auf die Entwicklung neuartiger Modelle und zukunftsorientierter automobiler Konzepte.“ Gleichzeitig werde der GMHütter Automobildienstleister, der in den beiden Werken an der Hamburger Straße im Stadtteil Harderberg und an der Alt-GMHütter Werner-von-Siemens-Straße sowie den Außenlagern rund 500 Mitarbeiter beschäftigt, von den Problemen der jüngeren Vergangenheit eingeholt.

Die Gesamtsituation macht es danach erforderlich, die SD Automotive GmbH der veränderten Marktsituation anzupassen. „Projektverschiebungen und das vollständige Aussetzen von Neuprojekten führten zuletzt dazu, dass das Unternehmen mit seinen vorhandenen Kapazitäten nicht mehr wirtschaftlich ausgelastet werden konnte“, erklärt hierzu in der Pressemitteilung Markus Dröge.

Es gebe deshalb eine „Finanzierungsnotwendigkeit“ erläutert Rechtsanwalt und Sanierungsfachmann Thore Voß zum Zeitpunkt des Insolvenzantrages. Der dreimonatige Vorfinanzierungszeitraum durch das Insolvenzgeld, das den Beschäftigten in der Zeit in der Regel von der Arbeitsagentur gezahlt wird, soll jetzt genutzt werden, um Lösungen zu finden und Investoren anzusprechen. Insbesondere die zukunftsorientierten Bereiche des Unternehmens sollen genutzt werden, um die anstehenden Entwicklungen hin zu alternativen Antriebstechniken zu begleiten und als wettbewerbsfähiges Unternehmen im Markt aufzutreten.

Die beiden SD-Geschäftsführer sehen dafür gute Chancen: „Die Automotive GmbH ist mit ihren Entwicklungs- und Produktionsstandorten in GMHütte als zuverlässiges und innovatives Unternehmen im Bereich des Prototypen-, Modell- und Karosseriebaus bekannt und bei den Kunden geschätzt.“ Auftraggeber seien im Wesentlichen international tätige Automobilhersteller mit Sitz in Europa. Über eine Tochtergesellschaft werde aber auch der US-amerikanische Markt bedient.

Pohlmann: Auch die Politik in der Verantwortung

Für GMHüttes Bürgermeister Ansgar Pohlmann ist „die Nachricht über die Insolvenz eines Unternehmens nie eine gute Nachricht“. Dies gelte vor allem für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie deren deren Familien. Wer die Wirtschaftsnachrichten über die Automobilzulieferindustrie in den letzten Monaten bundesweit verfolgt und dabei auch die Insolvenzen registriert habe, der wisse, vor welchen Herausforderungen diese Unternehmen aufgrund von Preisdruck und technischen Veränderungen in der Automobilproduktion aktuell ständen.

„Die Entscheidung für ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung werte ich insofern als Bestätigung, dass SD Automotive mit der Geschäftsführung und Mitarbeiterschaft nach wie vor einen zukunftsfähigen Weg geht“, hofft Pohlmann, dass „schnellstmöglich eine dauerhaft verlässliche Perspektive“ für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefunden werde. GMHüttes Bürgermeister sieht neben der betriebswirtschaftlichen Bewertung auch die Politik in der Verantwortung, im Dialog mit den Automobilkonzernen die Arbeitsplätze bei den Entwicklungs- und Zulieferbetrieben in Deutschland und damit im Osnabrücker Land zu sichern.


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