Raus aus dem roten Overall Felix Osterheider wechselt vom Stahlwerk zurück ins Berater-Geschäft

Der bei Fototerminen des Stahlwerks oft obligatorische rote Overall kommt künftig nicht mehr zum Einsatz: Felix Osterheider ist Ende Dezember als Arbeitsdirektor der Georgsmarienhütte GmbH ausgeschieden und seit Jahresanfang wieder als Unternehmensberater tätig sowie weiter in Ehrenamt aktiv. Foto: Archiv/StahlwerkDer bei Fototerminen des Stahlwerks oft obligatorische rote Overall kommt künftig nicht mehr zum Einsatz: Felix Osterheider ist Ende Dezember als Arbeitsdirektor der Georgsmarienhütte GmbH ausgeschieden und seit Jahresanfang wieder als Unternehmensberater tätig sowie weiter in Ehrenamt aktiv. Foto: Archiv/Stahlwerk

Georgsmarienhütte Sein Vorname leitet sich vom Lateinischen „vom glücklich begünstigt“ ab, und das strahlt Felix Osterheider derzeit auch rundrum aus: Der 49-Jährige ist nach neun Jahren als Arbeitsdirektor des Stahlwerks Georgsmarienhütte GmbH sowie dem vorangegangenen eineinhalbjährigen RWE-Engagement mit Jahresbeginn wieder in die Selbstständigkeit als Unternehmensberater gewechselt.

Als der Osnabrücker Kommunikations-Experte Ende 2009 das eigene Agentur-Büro aufgeben hat, um die Aufgabe als Geschäftsführer Personal und Arbeitsdirektor für rund 1250 Hütteraner beim GMHütter Stahlwerk zu übernommen, war das ein völlig überraschender Karriereschritt. Aber der damals 41-jährige Unternehmensberater hat sich schnell in der neuen Rolle zurechtgefunden – inklusive der für den neuen Job obligatorischen „IG Metall“-Mitgliedschaft und den zur Alltagsroutine gehörenden Fototerminen im roten Stahlwerks-Overall.

Osterheider bleibt IG Metaller

Gewerkschafter wird Felix Osterheider auch in Zukunft bleiben: „Ich bin ein Stück weit Metaller geworden und werde der Hütte ja auch weiter verbunden sein“, erklärt er, warum es zum Ausscheiden Ende Dezember keine offizielle Verabschiedung gegeben hat. Denn nach dem Motto: Niemals geht man so ganz, stehen auch künftig Termine bei der Georgsmarienhütte GmbH auf seinem Kalender. Kommende Woche ist er natürlich auch dabei, wenn die Georgsmarienhütte Holding Arbeitsdirektor Harald Schartau in den Ruhestand geht und der Nachfolger dann wieder in Personalunion für Stahlwerk und Holding zuständig ist.

Von der IG Metall Osnabrück ist nur Gutes über den ungewöhnlichen Quereinsteiger zu hören. Der 1. Bevollmächtigte Stephan Soldanski, Nachfolger des 2012 verstorbenen Hartmut Riemann, der damals mit Stahlwerks-Eigner Jürgen Großmann den Einstieg Osterheiders beim Stahlwerk vorbereitet hatte: „Der Arbeitsdirektor ist quasi ein Bindeglied zwischen den ungleichen Interessen von Kapital und Arbeit. Er ist so etwas ähnliches wie Brückenbauer zwischen Vorstand und Belegschaft – einerseits als Vertrauensmanager der Belegschaft, andererseits als gleichberechtigtes Mitglied im Vorstand des Unternehmens.“ Diese Doppelfunktion habe „Felix mit höchster Bravour“ gemeistert.

Der Gewerkschafter schätzt rückblickend vor allem, dass Osterheider Zukunftsthemen offen angegangen sei, trotz „der Vielfalt der Arbeitsbelange“ in einem Stahlwerk. Soldanski: „Ein Mann – ein Wort: Er ist einfach ein zuverlässiger Partner gewesen!“

Mit Jahresbeginn hat der Medienprofi jetzt in der 50. Lebensrunde noch einmal den Neustart vollzogen. Gemeinsam mit zwei Kollegen hat er zwei neue Gesellschaften in Osnabrück an den Start gebracht. Die Schwerpunkte: Unternehmensberatung und die Beteiligung an Unternehmen. Mehr möchte er aktuell noch nicht preisgeben: „Wir fangen erst an.“ Derzeit stehen auch noch die klassischen Gründer-Startaktivitäten auf dem Programm: Notartermine, Einrichtung des Büros am Westerberg, Gewerbeanmeldung.

Neue Aufgaben und Aktivitäten

Einer neuen hauptamtlichen Aufgabe kommt der Honorarprofessor für Kommunikationsmanagement an der Hochschule Lingen bereits nach: Als Vorstand der in Osnabrück neu gegründeten Attentium AG arbeitet er aktiv gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Friedhelm Spiekermann am Aufbau eines so genannten „Multiy Family Office“.

Osterheider: „Was sich zunächst sperrig anhört, ist ein ganz praktisches Angebot für Menschen mit kleinen wie großen Vermögen, die ihrer Lebensphase entsprechend begleitet werden möchten.“ Die Attentium biete „von der Wiege bis zur Bahre“ Unterstützung an bei Immobilienfragen ebenso wie bei der geeigneten Entwicklung und Bewahrung von Vermögenswerten oder auch im Gesundheitsbereich.

Im Online- Dschungel wünschten sich viele Menschen persönliche Ansprechpartner, die gemeinsam mit ihnen die richtigen Entscheidungen und dazu passende Angebote suchten und fänden, so Osterheiders Erfahrung. „Attentium“-Adresse ist das neue Bürogebäude „Das Flex“ auf dem Gelände der ehemaligen Winkelhausen- Kaserne.

Auch im Ehrenamt bleibt Osterheider natürlich weiter aktiv: In der Felicitas und Werner Egerland Stiftung, in der Aloys & Brigitte Coppenrath Stiftung sowie in der Sievert Stiftung für Wissenschaft und Kultur ist er Vorstands- oder Beiratsmitglied. Die meisten in der Region nehmen ihn aber seit Mitte 2015 vor allem als Vorsitzenden und Gesicht des Verkehrsvereins Stadt und Land Osnabrück (VVO) wahr. Hier steht das jährliche Highlight kurz bevor: Kommende Woche, am Freitag, 1. Februar, ist wieder „Osnabrücker Mahlzeit“ in der Osnabrück-Halle. Wer diesmal als Grünkohlkönig in der engeren Wahl ist, bleibt wie immer ein Geheimnis. Als Kommunikationsfachmann weiß Felix Osterheider, wann er schweigen muss.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN