Katja Just „Barfuß auf dem Sommerdeich“ Winter auf einer Hallig ist etwas für Fortgeschrittene – Lesung in GMHütte

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Lust auf einen Hallig-Urlaub und die Lektüre ihres Buches machte Bestsellerautorin Katja Just mit ihrer Lesung in der Stadtbibliothek. Foto: Petra Pieper
Foto: Petra PieperLust auf einen Hallig-Urlaub und die Lektüre ihres Buches machte Bestsellerautorin Katja Just mit ihrer Lesung in der Stadtbibliothek. Foto: Petra Pieper Foto: Petra Pieper

Georgsmarienhütte. Wer der allgegenwärtigen Reizüberflutung entfliehen will, träumt vielleicht vom Urlaub auf einer Hallig.

Dass aber das Leben auf einem solchen Eiland sehr herausfordernd sein kann, darüber gibt Katja Just, Autorin und Bürgermeisterin von Hooge, gern und mit viel Esprit Auskunft. Und weil das so ist, sind ihre Veranstaltungen immer rasch ausverkauft. So auch in Georgsmarienhütte, wo die Stadtbibliothek für den geselligen Austausch in der Pause einen kleinen Imbiss und Getränke vorbereitet hatte. Vor interessierten Frauengruppen und überzeugten Nordsee-Fans las die Autorin zunächst aus ihrem 2017 erschienenen Bestseller „Barfuß auf dem Sommerdeich“, bevor sie Fragen beantwortete, Kostproben von salzigem Queller verteilte und Bücher signierte.

Zerbrochene Liebe

Ex-Münchnerin: Als 25-Jährige hatte die Ex-Münchnerin nach einer zerbrochenen Liebe den Entschluss gefasst, ihren Wohnsitz auf die nordfriesische Hallig Hooge zu verlegen. Sie stieg ins Vermietungsgeschäft ihrer Eltern ein, bevor sie sich einige Jahre später damit selbstständig machte. Dass dieser Wechsel ihr Durchhaltevermögen auf die Probe stellte, wurde im Verlauf der Lesung deutlich. „Entweder man liebt das Leben auf einer Hallig oder man lässt es. Hallig kann eben nicht jeder und Winter ist Hallig für Fortgeschrittene.“

Unverstellter Blick ins Weite: Denn Halligen, so erklärte sie dem Publikum, laufen im Gegensatz zu umdeichten Inseln mehrmals pro Winter voll Wasser, die Flut spült dann bis an die höher gelegenen Warften, auf denen die Häuser stehen. „Das ist ganz normal“, erklärte Just, „aber nicht jedermanns Sache“. Seit ein niedriger, elf Kilometer langer Sommerdeich die Hallig umrundet, sind Sommerfluten die Ausnahme. Doch auch im Sommer ist die Natur karg, der Blick ins Weite unverstellt, die Nächte stockdunkel und noch ruhiger als die Tage, kosten salzige Gischt und unablässiger Wind Kraft. Es gibt keinen Supermarkt und keinen Arzt, Windvorhersage und Gezeitenkalender sind von existentieller Bedeutung.

100 Einwohner auf zehn Warften 

Auf der Suche nach Ruhe: 100 Einwohner leben auf zehn Warften; ihre Zahl wird im Sommer und zunehmend auch im Winter von bis zu 500 Ruhe suchenden Touristen verstärkt. „Mich hatte einmal ein Geschäftsmann aus Nordrhein-Westfalen angerufen, er müsse dringend ausspannen, ständig klingle sein Handy und er bekomme kaum noch Schlaf. Ich war neugierig, ob er die Stille hier würde aushalten können“, berichtete Just. Wie erstaunt aber war sie zu sehen, dass der Neuankömmling gleich bei seinem ersten Spaziergang Richtung Meer nach wenigen Schritten seinen Pullover auszog und in die Luft warf, zu hüpfen und zu springen begann. Am nächsten Morgen nach seinem Befinden befragt, antwortete der Reisende, dass ihn noch nie etwas so stark berührt habe wie die Hallig. Der Mann gehört bis heute zu ihren Freunden.

Tante Magda, Ludwig und Theo: Auch auf der Hallig ist die anfangs kritisch beäugte Münchnerin inzwischen voll akzeptiert. Selbst die „Urgesteine“ dort, Tante Magda, Ludwig und Theo, die teils noch selbst die heftigen Sturmfluten von 1962 und 1976 miterlebt haben, bei denen die Bewohner sich und ihre Kinder an den Schornsteinen festbanden, damit der Wind sie nicht ins Meer wehte, haben die blonde Bayerin ins Herz geschlossen. Im letzten Jahr wurde sie mit großer Mehrheit zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin gewählt. „Auf einer Hallig kann man eben ganz neue Seiten an sich kennen lernen“, schmunzelt Just.


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