Prozess am Landgericht Viele Mutmaßungen im Prozess um toten Säugling aus GMHütte

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Die Staatsanwaltschaft wirft dem 25-jährigen Angeklagten vor, im Oktober vergangenen Jahres in Georgsmarienhütte sein im Juli geborenes Kind so heftig hin und her geschüttelt zu haben, dass es einen Tag später in einem Krankenhaus an schweren Hirnschäden starb. Foto: Michael GründelDie Staatsanwaltschaft wirft dem 25-jährigen Angeklagten vor, im Oktober vergangenen Jahres in Georgsmarienhütte sein im Juli geborenes Kind so heftig hin und her geschüttelt zu haben, dass es einen Tag später in einem Krankenhaus an schweren Hirnschäden starb. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Ein knappes Dutzend Helfer war vor Ort, um im Oktober 2017 in GMHütte einen Säugling zu reanimieren. Am zweiten Verhandlungstag vor dem Osnabrücker Landgericht kamen fast alle zu Wort. Bei der zentralen Frage, ob der angeklagte Vater verantwortlich für den Tod des Kindes ist, konnten die Zeugen aber nur spekulieren.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 25-jährigen Angeklagten vor, im Oktober vergangenen Jahres in Georgsmarienhütte sein im Juli geborenes Kind so heftig hin und her geschüttelt zu haben, dass es einen Tag später in einem Krankenhaus an schweren Hirnschäden starb. Der Verteidiger des jungen Mannes hatte am ersten Verhandlungstag mitgeteilt, der Vorwurf treffe nicht zu; sein Mandant werde sich außerdem nicht zur Sache einlassen. (Weiterlesen: Prozessauftakt: GMHütter soll Baby zu Tode geschüttelt haben)

Geäußert hatte sich der Mann aber gegenüber mehreren Rettungskräften, die in der Nacht im Juli 2017 um das Leben des Säuglings kämpften. So berichtete unter anderem der Notarzt, der Vater habe ihm erzählt, dass das Kind mitten in der Nacht wach geworden war und nicht mehr einschlief. Er habe es deshalb „wie sonst auch“ in einem auf einem Kinderwagen befestigten Maxi-Cosi hin und her geschoben. „Dabei sei er auch immer wieder über eine Teppichkante gefahren.“ Der Notarzt sagte, er habe sich die Teppichkante angeschaut und sei sofort zu der Erkenntnis gekommen, dass deren Höhe nicht für eine relevante Erschütterung gesorgt haben könne.

Der Angeklagte habe ihm außerdem versichert, dass das Kind keinen Sturz erlitten habe. Die nahe liegende Diagnose habe er trotzdem nicht für plausibel gehalten, sagte der Notarzt: „Ich war mir mit den Jungs vor Ort einig, dass das eigentlich nicht zu einem plötzlichen Kindstod passt.“ Normalerweise, so der Mediziner, würden die Eltern dabei das Kind tot in seinem Bett vorfinden. Der Angeklagte aber hatte berichtet, der drei Monate alte Sohn habe irgendwann leblos im von ihm hin und her geschobenen Maxi-Cosi gelegen.

Die Mutter des Kindes schlief zu diesem Zeitpunkt. Nachdem der Angeklagte sie geweckt und die 112 angerufen hatte, reanimierte die Mutter das Kind unter Anleitung der Notrufzentrale. Laut der Rettungssanitäter, die zuerst eintrafen, erledigte die junge Frau die Aufgabe so gut, dass die Sanitäter zuerst ihr Equipment aufbauten und die Mutter erst dann ablösten.

Die Aussagen der weiteren Zeugen waren wenig ergiebig und kreisten oft um die Frage, ob der jeweilige Zeuge selbst oder andere Helfer sich dazu geäußert hatten, dass das Kind möglicherweise durch die Anwendung äußerer Gewalt zu Tode gekommen war. Da die angeklagte Tat über ein Jahr zurückliegt, konnten sich die meisten Zeugen kaum noch erinnern.

Berichtet wurde schließlich, dass das Kind am Folgetag im Christlichen Kinderhospital Osnabrück als hirntot diagnostiziert wurde. Da die Ärzte die für ein Schütteltrauma typischen Einblutungen in der Netzhaut entdeckten, schalteten sie die Polizei ein. Die verantwortlichen Ärzte, inklusive der Kinderärztin, die bei der Reanimation vor Ort war, sind bislang aber nicht gehört worden. Auch die vom Gericht beauftragte Pathologin hat ihr Gutachten noch nicht erstattet.

Die Verhandlung wird am 13. Dezember fortgesetzt.


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