Vortrag über Stalking in GMHütte Ein „guter“ Stalker ist schwer zu stoppen

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Referentin Sybille Singer-Wilking kann auf 14 Jahre Erfahrung beim Frauennotruf zurückgreifen.Referentin Sybille Singer-Wilking kann auf 14 Jahre Erfahrung beim Frauennotruf zurückgreifen.

Georgsmarienhütte. Sybille Singer-Wilking, Mitarbeiterin des Frauennotrufs Osnabrück, war am Dienstag abend auf Einladung der Georgsmarienhütter Gleichstellungsbeauftragten Susanne Häring ins Familienzentrum Maries Hütte gekommen, um über Stalking im Allgemeinen und ihre Erfahrungen mit Stalking-Opfern zu sprechen.

Jede kann es treffen: Stalker können ihre Opfer den Arbeitsplatz kosten, sie dazu bringen, den Wohnort zu wechseln, zu Depression und Vereinsamung führen. An die 100 von Stalking betroffene Frauen in Stadt und Landkreis Osnabrück melden sich alleine beim Frauen-Notruf pro Jahr, schätzt Singer-Wilking. Betroffen sind dabei alle Schichten. „Je intelligenter die Täter, desto schwieriger ist die Gegenwehr“, so die Sozialpädagogin. Auch ein Jurist war schon dabei, der sehr genau wusste, was rechtlich noch toleriert wird und was strafbar ist.

Auf der Jagd: „Stalking“, dieser englische Begriff stammt aus der Jagdsprache. Er bedeutet das Heranpirschen an ein Jagdziel. Wenn dieses Jagdopfer ein Mensch ist, ist Stalking ein Fall für das Strafrecht, jedenfalls seit 2007. Erst im letzten Jahr wurde das Gesetz so geändert, dass es auch schon greift, wenn zum Beispiel ein Umzug noch nicht erfolgt ist, aber wegen fortgesetzten Stalkings nötig sein könnte.

Unerwünschte Geschenke

Wo fängt es an? Es kann ganz harmlos beginnen und für Außenstehende eher belustigend wirken, wenn Frauen von Ex-Partner zum Beispiel ständig Geschenke bekommen. „Eine Frau hatte eine ganze Garage voller Päckchen“, schilderte Singer-Wilken. Den Opfern wird oft gesagt, sie würden übertreiben, sollten sich freuen, so umworben zu werden. Aber Stalking ist kein Kavaliersdelikt. Der Stalking-Experte Harald Dreßing befragte 550 Stalking-Opfer in Deutschland. 39 Prozent haben Gewalt erlebt, in jedem dritten Fall gab es schwerwiegende Angriffe, in jedem fünften Fall Angriffe mit Gegenständen bis zum Überfahren mit dem Auto.

Wer tut so etwas? Sybille Singer-Wilking zitierte eine internationale Studie, die vier Tätertypen unterscheidet: Den Ex-Beziehungstäter, der den Großteil der Fälle ausmacht. Dem ist oft vorher eine gewalttätige Partnerschaft vorangegangen. Typ 2 ist der Schwärmer, der glaubt, man wäre füreinander bestimmt. Gefährlich wird es bei Typ 3, den wahnhaften Stalkern, zu denen 15 Prozent der Stalking-Fälle zählen und oft eine prominente Person gestalkt wird. Hier spielt oft eine psychische Störung eine Rolle. Extrem gefährlich ist der sadistische Stalker, ein Typ, der immerhin zu 13 Prozent  vorkommt. Oft sind das Psychopathen, die sich Frauen aussuchen, die zufrieden und glücklich leben. Die Stalker destabilisieren ihr Umfeld, sodass die Frauen langsam Angst bekommen. Man kennt solche Fälle aus dem Fernsehen. Kommen sie hier bei uns auch vor? Sybille Singer-Wilking hatte immerhin in 14 Jahren Tätigkeit mit zwei Stalking-Fällen dieses Types zu tun.  

Kein Kontakt mit Stalker

Was rät sie Stalking-Opfern? Regel Nummer eins: Kein Kontakt mit dem Stalker. Nicht reagieren, nicht ansehen. Alle Vorfälle dokumentieren, Zeugen suchen, Öffentlichkeit herstellen. Telefonnummer wechseln, Social Media Accounts stilllegen. Rechtliche Mittel einlegen, wird man mit dem Auto verfolgt, direkt zur Polizei fahren und anzeigen. Betroffene können sich an den Frauen-Notruf wenden, unter der Telefonnummer 0541 860 1626 ist von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 11 Uhr ein Ansprechpartner erreichbar.



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