Thomas Schneider referiert über Remarque Thema Wirtschaft kein Mittelpunkt beim Hütter-Unternehmer-Talk

Meine Nachrichten

Um das Thema Georgsmarienhütte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Thema beim Hütter-Unternehmer-Talk war der Pazifist und Literat Erich Maria Remarque, dessen Werk und Wirkung von Thomas Schneider vorgestellt wurde. Foto: Horst TroizaThema beim Hütter-Unternehmer-Talk war der Pazifist und Literat Erich Maria Remarque, dessen Werk und Wirkung von Thomas Schneider vorgestellt wurde. Foto: Horst Troiza

Georgsmarienhütte. Wirtschaft war bei diesem Hütter-Unternehmer-Talk nur ein Randthema, im Fokus stand die Antikriegsliteratur von Erich Maria Remarque. Thomas Schneider, Leiter des Remarque-Friedenszentrums, referierte aus Anlass des 100. Jahrestags des Endes des Ersten Weltkriegs über den in Osnabrück geborenen Autor.

Völlig abwegig war dieses Thema nicht, schließlich haben bereits Wirtschaftsphilosophen und Vertreter der Kirche in der Reihe des Unternehmer-Talks gesprochen. Trotzdem wurde dieses Mal nur knapp die Hälfte, etwa 100, dessen gezählt, was sonst an Teilnehmern zu verzeichnen ist. Dabei hätte der Zeitpunkt, Remarque und seine Antikriegsliteratur in den Mittelpunkt zu stellen, nicht besser gewählt werden können. Schließlich endete  vor 100  Jahren  der Erste Weltkrieg. An vielen Plätzen in Europa fanden Gedenkfeiern statt.

Einer der Schauplätze der zentralen Feiern war in Paris, wo eine Schülerin im Beisein des französischen Staatspräsidenten Macron eine Passage aus einem Buch vortrug – aus Remarques „Arc de Triomphe“. Diese Würdigung in Frankreich stellte gleichzeitig einen der Schwerpunkte in Schneiders Vortrag dar, nämlich die Rezeption und Anerkennung des 1898 in der Hasestadt geborenen Autors. War sein Welterfolg „Im Westen nichts Neues“, erschienen 1929, ein Bestseller, für viele Kriegsteilnehmer und deren Angehörigen ein „nationaler Erinnerungsort“ für die Kriegserlebnisse geworden, veränderte sich die Rezeption je stärker der Nationalsozialismus und die von ihm propagierte „Dolchstoßlegende“ das politische und gesellschaftliche Leben in der Weimarer Republik bestimmten.

Remarque und sein Werk wurden öffentlich angefeindet, die Bücher 1933 verbrannt. Und die Ressentiments nistete sich tief ein. Wie wäre es sonst zu verstehen, dass nach dem Tod des Autors im Jahr 1970 die Verantwortlichen des Schiller-Archivs in Marbach es ablehnten, seinen Nachlass zu übernehmen. „Angeblich ist seine Literatur trivial gewesen“, erklärte Schneider die Abfuhr. Und ebenso erging es einem unvollendeten Manuskript des Autors, dass dessen Witwe nach dessen Ableben 1970 der Stadt Osnabrück zur Übernahme angeboten hatte. „Die Frau hat nie eine Antwort auf ihren Brief erhalten“, so Schneider weiter.

Doch anderswo wurde Remarque immer wertgeschätzt. Allein in Russland werden rund 1300 Ausgaben von Werken gezählt. In mehr als 65 Ländern gibt es aktuell Literatur des Osnabrückers zu erwerben. Schneider, der als Dozent an der Uni Osnabrück und der Hochschule der Bundeswehr tätig ist, verwies auf die Aktualität des Autors, dessen Werk gegenwärtig auf einer Bühne in Hannover zu sehen ist, das in Japan als Musical gespielt, mit Daniel Radcliffe verfilmt wird und vom Meller Peter Eickmeyer in einen Gothic-Novel-Comic transferiert wurde.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN