Mit dem Zug aus Osnabrück zu den „Zugvögeln des Glücks“ Auf Kranich-Expedition mit dem Oeseder Verein „Nature kids and teens"

Fluchtdistanz: Expeditions-Teilnehmerin Vivien (10) aus Osnabrück entdeckte die Kraniche im Goldenstedter Moor zuerst. Als die Gruppe ihr folgte, flogen die Zugvögel auf. Foto: Carolin HlawatschFluchtdistanz: Expeditions-Teilnehmerin Vivien (10) aus Osnabrück entdeckte die Kraniche im Goldenstedter Moor zuerst. Als die Gruppe ihr folgte, flogen die Zugvögel auf. Foto: Carolin Hlawatsch 

Georgsmarienhütte. Ein beeindruckendes Naturschauspiel, den Einflug hunderter imposanter Zugvögel in das Goldenstedter Moor, erlebten am Samstag 15 Teilnehmer bei der Kranich-Expedition der Georgsmarienhütter „Nature kids and teens“.

Nicht nur „kids und teens“  - wie der Vereinsname eigentlich vermuten lässt stiegen zusammen mit Organisator Tobias Demircioglu am Samstagmittag in Osnabrück in den Zug gen Landkreis Vechta, sondern auch naturverbundene Erwachsene aus Georgsmarienhütte, Bad Iburg, Hagen und Osnabrück. „Unsere Exkursion ist eine Kooperationsveranstaltung mit dem „Bund für Umwelt und Naturschutz“ (BUND) und auch mein Verein „Nature kids and teens“ bietet Programm für Familien und interessierte Erwachsene“, erklärte Tobias Demircioglu, der die Exkursion zu den Kranichen seit vier Jahren immer Mitte November veranstaltet. 

Auf die gesellige Zugfahrt, bei der bereits zum Thema Zugvögel gefachsimpelt und Ausrüstung wie Ferngläser verglichen wurden, folgte eine Tour mit dem Shuttlebus, bevor das Goldenstedter Moor und der Expeditions-Startpunkt das Naturschutz- und Informationszentrum Goldenstedt erreicht war. Die Gästeführer Ulrich Wohlfahrt und Carola Freise hießen die Gruppe aus dem Osnabrücker Land willkommen und wanderten mit ihr hinaus in eine Gegend die im herbstlichen Dämmerlicht mit ihren gelbblättrigen Birkenwäldchen und den extrem grünen Torfmoos-Flächen märchenhaft wirkte und Phantasie und Neugierde der Teilnehmer anregte. 


„Sind hier im Moor schon Menschen versunken?“, wollte eine Teilnehmerin wissen und Gästeführer Wohlfahrt berichtete vom laufenden Händler Jan Spieker, der 1828 im Moor umkam und über dessen Leben Interessierte mehr im Moortunnel des Informationszentrums  erfahren können. Mit wachen Augen und gespitzten Ohren lief die Gruppe durch das Moorgebiet, das zur Diepholzer Moorniederung mit ihren insgesamt 15 Hochmoorkomplexen gehört. Seltene Vogelarten wie Waldschnepfe und Ziegenmelker leben hier, genauso wie Nutria und Wolf. Was die Gruppe zuerst vernahm war das laute Schnattern einer Gruppe Saatgänse, doch es sollte nicht lange dauern bis auch die ersten Kraniche auftauchten.

Zu tausenden lassen sie sich auf ihrem Weg von den Brutgebieten in Skandinavien und dem Baltikum zu Überwinterungsplätzen in Südspanien und Afrika im Goldenstedter Moor nieder – stets im Zeitraum Anfang Oktober bis Mitte Dezember. „Hier verweilen sie zumeist fünf Tage, bis Energie aufgetankt ist und die Reise weiter gehen kann“, konnte Ulrich Wohlfahrt noch erklären, bevor Aufregung ausbrach: „Da kommen sie“, riefen Gruppenmitglieder und schnell wurden Ferngläser und Kameras gezückt. „Am besten sie stellen sich mehr in das Dickicht und gehen nicht hinaus auf die offenen Fläche“, riet der Exkursionsleiter. Die Kraniche hätten scharfe Augen sowie eine große Fluchtdistanz und nähmen die Menschen als Punkte auch aus dem Flug wahr. 

Und warum landen die Kraniche ausgerechnet alle im Goldenstedter Moor? „Sie finden hier im Randbereich des Moores mit Ackerflächen mit Körnermais, Getreide und Kartoffeln gute Nahrungsbedingungen und mit den Moorflächen, in denen seit einigen Jahren wieder Regenwasser angestaut wird, beste Ruheplätze“, klärte Wohlfahrt auf. Nachts ruhten die Kraniche im knietiefen Wasser, wo sie vor ihren Feinden wie dem Fuchs sicher sind. 11.000 Kraniche befänden sich derzeit im Goldenstedter Moor, 43.000 in der gesamten Diepholzer Moorniederung. 

Einen Höhepunkt der Kranich-Zählung erlebten Experten und Naturfreunde 2014, als  aufgrund eines Zugstaus durch starken Gegenwind über 21.000 Kraniche im Goldenstedter Moor und 105.000 Exemplare in der gesamten Diepholzer Moorniederung rasteten, und einige auch aufgrund der stets milderen Winter dort blieben.

Zu Tausenden rasten Kraniche im Herbst in der Diepholzer Moorniederung. Auf den Äckern im Randbereich finden sie ausreichend Nahrung. Foto: Carolin Hlawatsch


Begeistert kehrte die Gruppe bei Einbruch der Dunkelheit in das Informationszentrum zurück, um sich mit regional-typischen Buchweizenpfannkuchen für die Rückreise zu stärken. „Einfach toll, diese großen Zugvögel, die wir im Osnabrücker Ballungsraum, wenn überhaupt nur hoch oben am Himmel beobachten können, einmal in dieser Menge und näher im Landeanflug zu sehen“, resümierte Achim Kliche aus Oesede. 

Für Tobias Demircioglu und die „Nature kids and teens“ wird es voraussichtlich im Sommer wieder in das Moor gehen. Seit zwölf Jahren begleitet er Kinder im Rahmen der Ferienspiele zu einem Ausflug mit Moorbahnfahrt, Expedition auf dem Moorlehrpfad mit Entdeckung der fleischfressenden Pflanze Sonnentau und Besichtigung des Moortunnels.


Ausmaße des Kranichs

Gewicht: Durchschnittlich 6 Kilogramm

Größe: 1,20 Meter

Flügelspannweite: 2,20 Meter

Zum Vergleich: Spannweite Seeadler: 2,50 Meter

Alter: Bis zirka 20 Jahre

Quelle: Ulrich Wohlfahrt, Gästeführer NIZ Goldenstedt

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