Überholverbot und Tempo-Limit möglich GMHütter Brücken haben ein Stahlproblem

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Blick von unten auf die Oeseder B51-Talbrücke Oesede, die voraussichtlich ab Anfang 2021 erneuert wird. Dazu muss eine Vollsperrung der Bundesstraße erfolgen. Foto: Jörn MartensBlick von unten auf die Oeseder B51-Talbrücke Oesede, die voraussichtlich ab Anfang 2021 erneuert wird. Dazu muss eine Vollsperrung der Bundesstraße erfolgen. Foto: Jörn Martens

Georgsmarienhütte Die Nachricht kam ohne Vorwarnung: Neben der Oeseder B51-Talbrücke muss auch die am Harderberg über die B68 führende Brücke Schulstraße durch einen Neubau ersetzt werden. Was bisher nicht bekannt war: Beide Bauwerke werden seit Längerem regelmäßig kontrolliert, da sie als Problemfälle gelten.

Überprüfungen der dauerhaften Tragfähigkeit der beiden Brücken hätten dazu geführt, dass beide Bauwerke erneuert werden müssten, hat GMHüttes Fachbereichsleiter Torsten Dimek am Montagabend im Stadtplanungsausschuss zum Hintergrund der ab Januar 2020 vom Landesstraßenbauverwaltung vorgesehenen, insgesamt um die viereinhalb Jahre dauernden Erneuerungsarbeiten ausgeführt. Die Nachfrage unserer Redaktion bei der Osnabrücker Geschäftsstelle der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hat ergeben: Das Problem liegt in dem hier jeweils verbauten Spannstahl, dem Sigma-Stahl, der zur sogenannten Spannungskorrosion neigt.

Er ist einst auch bei der 1980 eingestürzten Berliner Kongresshalle verwendet worden und gilt inzwischen als Risikomaterial. Es hat auch weitere teilweise gravierende Schadensfälle im Hochbau gegeben. Allerdings ist bisher noch kein Brückenbauwerk aufgrund von Spannungsrisskorrosion eingestürzt. Damit dies so bleibt, werden in Deutschland alle Brücken in einem engen Zeitraster umfassend kontrolliert und überprüft.

Seit 2011 offizielle Nachrechnungsrichtlliche

Derzeit werden gerade bundesweit zahlreiche Bauwerke nachgerechnet. Neben Fahrbahnbrücken, zu denen zum Beispiel auch die Dütebrücke auf der A1 zählt, die gerade Großbaustelle ist, sind zum Beispiel auch zahlreiche Eisenbahnbauwerke betroffen. Frank Engelmann, Fachbereichsleiter Planung bei der Landesbehörde: „Es gibt seit 2011 eine offizielle Nachrechnungsrichtlinie, die Basis dieser Überprüfungen ist.“ Allein in Niedersachsen werden aktuell rund 250 Einzelbauwerk noch einmal nachgerechnet.

Für die Landesstraßenbauverwaltung besteht an den beiden GMHütter Stellen keinerlei Anlass zur Sorge, dass die Sicherheit nicht mehr gegeben ist. Nach Engelmanns Angaben liegen die Zwischenergebnisse des Fachbüros, das seit rund zwei Jahren die aktuelle Situation hinsichtlich Statik, generellem Aufbau und Tragfähigkeit der 1958 erstellten Brücke an der Harderberger Schulstraße sowie der Mitte der 60er freigegebenen Oeseder Talbrücke durchrechnet, inzwischen vor. Danach ist kein akuter Handlungsbedarf gegeben, aber es wird als sinnvoll angesehen, in die Planung der Ersatzbauten einzusteigen und zeitnah mit der Umsetzung zu beginnen.

Alle derzeitigen Zeitpläne gehen vom frühestmöglichen Baustart aus. So soll bis Mitte kommenden Jahres der Entwurf für die neue Brücke an der Schulstraße über die B68 vorliegen, damit die Abbrucharbeiten im Februar 2020 erfolgen können. Ab März würde dann die einjährige Bauzeit mit Vollsperrung beginnen.

Für die direkt im Anschluss geplante Erneuerung der Oeseder B51-Talbrücke, die derzeit ein einteiliges Bauwerk ist und als aus zwei separaten Teilen bestehender Neubau realisiert wird, ist ein Planfeststellungsverfahren notwendig, bei dem alle direkt Betroffenen zum Vorhaben Stellung nehmen können. Insgesamt wird von einer rund 18-monatigem Bauphase bis Ende 2022 für den ersten Abschnitt ausgegangen. Hier erfolgt eine Vollsperrung der Bundesstraße. In der sich anschließenden zweiten, derzeit bis Mitte 2024 geplanten Bauphase wird der Verkehr dann über das bereits fertige Teilstück einspurig in beide Fahrtrichtungen geführt.

Zeitnahe Informationen

Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr schließt nicht aus, dass wegen des langen Zeitraums der Erneuerungsarbeiten zwischenzeitlich möglicherweise Einschränkungen wie Geschwindigkeitsreduzierungen, Überholverbote oder eine maximale erlaubte Tonnage auf der B51-Talbrücke angeordnet werden müssen. Engelmann: „Davon gehen wir nach jetzigem Stand aber nicht aus, aber möglich ist das durchaus.“

Bis zum Beginn der Brückenerneuerungen hat die Landesstraßenbaubehörde noch einige Fragen zu klären. Dazu zählen die Planung der Umleitungsstrecken, die vor allem den überörtlichen Verkehr weiträumig um GMHütte herumführen. Am Harderberg muss insbesondere die weitere Erreichbarkeit mit den Nahverkehrsbussen gewährleistet werden sowie ein sicherer Weg zu Schule und Kindergarten sichergestellt sein. Frank Engelmann: „Wir werden die GMHütter Bürgerinnen und Bürger zeitnah über die geplanten Maßnahmen informieren.“


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