Wandelkonzert in der Villa Stahmer in GMHütte Haus als Partitur, Haus als Instrument

Von Markus Strothmann

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Der Meller Cellist und Performance-Künstler Willem Schulz führte am Sonntag mit einem Wandelkonzert durch die alte Villa Stahmer. Die Gäste folgten ihm 90 Minuten lang über 24 Stationen, wobei Schulz verschiedene Arten der Schallerzeugung ebenso nutzte wie viele akustische Perspektiven, die Gebäude und Außenbereich bieten.Der Meller Cellist und Performance-Künstler Willem Schulz führte am Sonntag mit einem Wandelkonzert durch die alte Villa Stahmer. Die Gäste folgten ihm 90 Minuten lang über 24 Stationen, wobei Schulz verschiedene Arten der Schallerzeugung ebenso nutzte wie viele akustische Perspektiven, die Gebäude und Außenbereich bieten.

Georgsmarienhütte. Der Meller Cellist und Performance-Künstler Willem Schulz bespielte am Sonntag das Museum Villa Stahmer. Mit seinem Projekt bringt er Räume zum Klingen: „Das Haus als Partitur“.

Willem Schulz hatte 24 Stationen ausgewählt, an denen er auf verschiedene Artn Schallereignisse erzeugte. Meist verwendete er dafür sein Cello, doch längst nicht immer. Für die erste Station führte G. Robin Morrison vom Freundeskreis Museum Villa Stahmer die Gäste nach draußen, die nicht wussten, wo Schulz sich befand. Überraschend, dass die Musik von hinten oben erklang: Der Künstler stand auf einem Balkon im dritten Stock und blies ein Muschelhorn. Ein Ruf vom Turm aus hinunter in den Hof, nicht nur das Innere der Villa sollte zu hören sein. 

Ein kurzer, ernster Vortrag im Herrenzimmer hatte noch die größte Ähnlichkeit mit einer gewöhnlichen Konzertsituation und weckte Assoziationen zu förmlichen Worten eines Hausherrn, vielleicht von Robert Stahmer selbst, dessen Porträt in diesem Raum an der Wand hängt. In anderen Situationen entlockte Willem Schulz seinem Cello den Klang einer Säge, eines Bohrers und anderer Werkzeuge. Im Schlafzimmer sang und spielte er auf dem Bett sitzend ein melancholisches Abendlied. 

Tischgespräche auf Cello

Vorab hatte Schulz darum gebeten, während der Performance von Applaus abzusehen, doch stellenweise konnten manche sich direkte Reaktionen nicht verkneifen. Wie im Esszimmer, bei dem Schulz ein lebhaftes Gespräch nachspielte, das wie eine Hommage an einen Jazz Dispute wirkte und für Gelächter sorgte. Doch absolute Ruhe war sowieso nicht einzuhalten, dafür sorgte allein der knarzende Holzboden.

Überhaupt der Boden: Den nutzte Willem Schulz ausgiebig, indem er den Stachel lange und kräftig über das Holz zog oder ihn darauf stieß. Das weckte eine Ahnung davon, wie vertraut der laute Klang dieses Bodens den Hausbewohnern gewesen sein muss, ein ständiges Element in der täglichen Geräuschkulisse, sicher auch noch in der Nacht durch umhereilende Viecher und das Knacken und Knirschen der arbeitenden Bohlen.  

„Arbeitsschritte“

Nicht immer war klar, was gerade dargestellt wurde, am deutlichsten wurde es im Zusammenhang mit Werkzeug und Arbeit, wie bei der Imitation von Industrielärm vor dem Wandbild des Stahlwerks, an dem Willem Schulz sich in „Arbeitsschritten“ entlang arbeitete, oder in der hauseigenen Bäckerei. Dort legte er das Cello weg und veranstaltete eine Percussioneinlage auf den historischen Metallgeräten. 

Als Willem Schulz sich schließlich verbeugte und den Applaus der Gäste empfing, war er verschwitzt und sichtlich erschöpft. Auch bei überwiegend langsamem Tempo verlangte die Darbietung hohe Konzentration, schließlich hatte Schulz nicht nur ein Cello zu tragen, sondern auch einen Spannungsbogen zu schaffen und anspruchsvolle Musik zu spielen, was eindrucksvoll gelang. 

Zeit, Stimmung, Pointen

Er selbst benannte seine selbst gestellte Aufgabe so: „Ich porträtiere das Haus, die Musik schenkt Zeit, Stimmung, Pointen. Ich möchte die verschlungenen Wege durch dieses komplexe Haus zeigen.“ Da seine Performances sich direkt aus den jeweiligen Orten speisen, ist jede individuell. Streng genommen auch nicht wiederholbar, da auch Zuschauer und Umgebungsgeräusche eine Rolle spielen. 

Veranstalter war der Freundeskreis Museum Villa Stahmer, der sich im Mai 2017 gegründet hat. „Wir möchten die Kulturszene in Georgsmarienhütte bereichern und ergänzen“, sagte G. Robin Morrison. Neben den Ausstellungen, die im Haus gezeigt werden, soll das geschehen etwa durch Performances, Kleintheater, Lesungen. Seine Aktivitäten hat der Freundeskreis Anfang des Jahres aufgenommen. 



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