Die nächste Turmdiskussion folgt bestimmt Im GMHütter Rat trotz einstimmigem Sanierungsbeschluss weiter offene Fragen

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Soll jetzt genauso wie der ebenfalls seit Ende 2016 gesperrte Varusturm auf dem Lammersbrink durch eine Sanierungslösung möglichst schnell wieder freigegeben werden: der Hermannsturm auf dem Dörenberg. Zuletzt war für den Aussichtspunkt eine Neubaulösung vorgesehen. Foto: Gert WestdörpSoll jetzt genauso wie der ebenfalls seit Ende 2016 gesperrte Varusturm auf dem Lammersbrink durch eine Sanierungslösung möglichst schnell wieder freigegeben werden: der Hermannsturm auf dem Dörenberg. Zuletzt war für den Aussichtspunkt eine Neubaulösung vorgesehen. Foto: Gert Westdörp

Georgsmarienhütte. „Der einstimmige Beschluss zu den Türmen lässt hoffen“, hat die Ratsvorsitzende Ulrike Schmeing-Purschke Donnerstag am Ende der ersten Sitzung nach der Sommerpause noch einmal die positive Stimmung im Saal zusammengefasst. Doch der gefundene Kompromiss, gemeinsam ein Sanierungskonzept in Auftrag zu geben, wäre in der mehr als halbstündigen Diskussion zum letzten Beratungspunkt fast sogar noch einmal zerredet worden.

Wie emotional besetzt das Thema Aussichtstürme für Bürger und Politiker mittlerweile ist, hat Bürgermeister Ansgar Pohlmann in seinem Eingangsstatement noch einmal verdeutlicht: „Wir sind uns in der Sache eigentlich einig“, erklärte er zur Beschlussvorlage, „jetzt schnell eine pragmatische Sanierungslösung umzusetzen.“ Zumal inzwischen auch klar ist, dass es mit den erhofften Fördermitteln für eine Neulösung des Hermannsturms auf dem Dörenberg, die es bei einer Instandhaltung nicht gibt, nichts wird.

Pohlmann: Grenzen überschritten

Doch GMHüttes Bürgermeister wies auch darauf hin, das es beim Ringen um die beste Lösung Grenzen gebe, die hier überschritten würden: „Wenn, wie erst heute wieder geschehen, meinen Mitarbeitern unterstellt wird, sie würden selbst mit Hammer und Meisel zu Werke gehen, um abgeplatzte Turm-Betonteile präsentieren zu können, dann ist das eine Zumutung.“ Er kündigte an, gegen solche Unterstellungen künftig vorzugehen.

Anschließend warb CDU-Ratsroutinier Ludwig Bussmann um Zustimmung zum Beschlussvorschlag für eine schnelle Sanierungslösung für Hermanns- und Varusturm, die seit Ende 2016 gesperrt sind: „Dann können beide in absehbarer Zeit beide wieder nutzbar sein.“ Beim Besuch einer Ratsdelegation in Polen habe es kürzlich Gelegenheiten zu Gesprächen über Parteigrenzen hinweg gegeben. Dies sei sehr konstruktiv gewesen und habe zum ursprünglich schwarz-grünen Ratsantrag für eine sofortige Beauftragung der Sanierung beider Türme geführt. Der Beschlussvorschlag sei am Mittwoch im Verwaltungsausschuss (VA) dann noch einmal abgeändert worden, um eine möglichst breite Zustimmung im Rat zu erreichen.

Da aus Sicht der SPD/FDP-Gruppe, genauso wie es Verwaltungsposition ist, vor einer Auftagsvergabe zunächst die Ermittlung des Instandhaltungsaufwands und ein genaues Leistungsverzeichnis notwendig sind, haben sich die Ratsfraktionen und -Gruppen auf einen gemeinsamen Kompromiss verständigt. Inhalt: Erstellung eines Sanierungskonzepts für beide Türme in der heutigen Struktur mit „Materialprüfung, betontechnologischer Untersuchung und Kostenschätzung“.

Nach diesen beiden sachlichen Statements folgen zehn weitere Wortmeldungen quer durch die Ratsreihen. SPD-Vertreterin Jutta Olbricht führte dabei aus, dass schon „noch ein Wort“ darüber zu verlieren sei, dass nicht einfach, wie im ursprünglichen CDU/Grünen-Antrag vorgesehen, der Sanierungsauftrag auf Basis einer DIN-Norm vergeben werden könne. „Wir brauchen zunächst zum Beispiel die voraussichtlichen Kosten“, was jetzt gegeben sei, so die Kloster Oesederin.

Für die Grünen erklärte Fraktionsvorsitzender Robert Lorenz: „Wir sollten uns öfter mal zutrauen, wie hier pragmatische Lösungen zu suchen, damit Dinge endlich vorankommen.“ Vielleicht sei es hier hilfreich, wenn Ratsmitglieder öfter mal auf Reisen gehen, damit „wir mehr auf die Reihe kriegen“.

Linke-Fraktionsvorsitzender Jörg Welkener erinnerte in seinem Redebeitrag an die biblische Erzählung vom „Turmbau zu Babel“, der einst bekanntlich nicht geklappt habe: „Auch in GMHütte verstehen die Leute das Thema nicht mehr.“ Die Mängel an den Aussichtpunkten seien seit langem bekannt, aber es zum Beispiel von 2011 bis 2013 nie möglich gewesen, Mittel für eine Sanierung im Haushalt vorzusehen.

Nach der Sperrung 2016 wäre es plötzlich aber kein Problem mehr gewesen, hier einen 330000 Euro teueren Neubau zu planen. Ludwig Bussmann habe in Polen sein „Erweckungserlebnis“ gehabt. Vielleicht sei es einfach sinnvoller, sich häufiger vor Ort ein Bild zu machen. Seine Schlussbemerkung: Jetzt müsse es am besten „Ruckzuck“ gehen.

Für FDP-Ratsmitglied Friedrich Ferié steht dagegen fest: „Die Türme leiden an Betonfraß.“ Er sieht die Gefahr, dass eine Sanierung nur eine Lösung für einen „überschaubaren Zeitpunkt“ bringt, aber nicht den „Betonkrebs“ ausmerzen könne.

Abstimmung nach halbstündiger Diskussion

Die Wortbeiträge kamen zusehends vom eigentlichen Beschlussvorschlag ab und drohten die Stimmung zu kippen. Die Ratsvorsitzende Ulrike Schmeing-Purschke (CDU) behielt aber bei den Wortmeldungen den Überblick und signalisierte dabei auch Vertretern aus der ersten Unions-Ratsreihe, dass weitere Beiträge eher kontraproduktiv seien. So sorgte sie dafür, nach mehr als einer halben Stunde endlich abgestimmt wurde und die erhoffte Einstimmigkeit stand.

Eins scheint aber sicher: Wenn das Sanierungskonzept mit den genauen Zahlen vorliegt, dürfte die nächste Diskussion folgen.


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