„Wir sind mehr“ Kein Platz für Fremdenhass in der Pflege

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Nicht länger schweigende Mehrheit: Caritas-Pflegekräfte, viele von ihnen mit ausländischen Wurzeln, machten deutlich, dass die Zahl der wertschätzend und solidarisch Handelnden größer ist als die der Rassisten. Foto: Petra PieperNicht länger schweigende Mehrheit: Caritas-Pflegekräfte, viele von ihnen mit ausländischen Wurzeln, machten deutlich, dass die Zahl der wertschätzend und solidarisch Handelnden größer ist als die der Rassisten. Foto: Petra Pieper

Georgsmarienhütte. Unter dem Motto „Wir sind mehr“ demonstrierten Mitarbeiter des Caritas Pflegezentrums Georgsmarienhütte gegen Rassismus und Fremdenhass.

Die Pflegekräfte aus den Altenheimen St. Josef und St. Marien sowie der Caritas-Sozialstation bekundeten damit ihren entschiedenen Willen, der nicht nur in Sachsen aufflammenden Fremdenfeindlichkeit ein öffentlich sichtbares Zeichen der Wertschätzung für ausländische Kollegen und Bewohner entgegenzusetzen.

Als Zeichen ihres Protests gegen rechts schrieben die Mitarbeiter das in Chemnitz entstandene Motto „Wir sind mehr“ in ihren Muttersprachen auf weiße Blätter und hielten sie in die Kamera. „Somos más“, heißt es da auf Spanisch, „We are more“ und „Noi suntem mai multi“, auf Malayalam und Kannad, auf Polnisch, Russisch und Plattdeutsch.

Zu Beginn der Leitungsteam-Sitzung hatte Pflegedienstleiterin Marianne Witte gefragt, wie sich eigentlich die aus anderen Ländern stammenden Mitarbeiter fühlen, wenn sie im Fernsehen den Aufmarsch gewaltbereiter Fremdenhasser sehen oder gar in der Realität mit rassistischen Äußerungen konfrontiert werden. „Haben sie dann noch den Mut, offen ihre Meinung zu sagen?“ fragte sie in die Runde.

„Wir wollen uns nicht von engstirnigen, gewaltorientierten Rassisten in unserer Freiheit einschränken lassen“, lautete die Antwort, man wolle nicht schweigen, sondern eindeutig Position beziehen: „In unseren Einrichtungen hat Fremdenhass keinen Platz.“

Als professionell Pflegende fühlen sich die Mitarbeiter, wie Doris Hehmann im Namen aller Anwesenden ausführte, nicht nur dem Internationalen Ethikkodex für Pflegende verpflichtet, der die Untrennbarkeit von Pflege und Achtung der Menschenrechte manifestiert, auch als Christen und als Bürger leben sie friedliche Solidarität und Toleranz: „Unsere Kollegen aus Indien, Polen, Kasachstan, Rumänien, Peru und vielen allen Ländern werden geschätzt und ganz selbstverständlich miteinbezogen.“

Die Bewohner würden sich ebenfalls über die Farbigkeit des Mitarbeiterteams freuen, sagte Geschäftsführer Helmut Mairose, sie hätten den Vorschlag gemacht, das Motto zusätzlich auf Plattdeutsch zu formulieren, als Ausdruck der Solidarität auch der Senioren.


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