Den Tieren soll es besser gehen Schweinehalter im Osnabrücker Land für Tierwohl

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80 Schweinebetriebe in der Erzeugergemeinschaft Osnabrück (EGO) beteiligen sich an der Initiative Tierwohl. Betriebsberaterin Manuela König begleitet Landwirte wie Helge Niedringhaus bei dem Antragsverfahren zur Zulassungsprüfung. Foto: Daniel Hofer/Erzeugergemeinschaft Osnabrück80 Schweinebetriebe in der Erzeugergemeinschaft Osnabrück (EGO) beteiligen sich an der Initiative Tierwohl. Betriebsberaterin Manuela König begleitet Landwirte wie Helge Niedringhaus bei dem Antragsverfahren zur Zulassungsprüfung. Foto: Daniel Hofer/Erzeugergemeinschaft Osnabrück

Georgsmarienhütte. Mehr Licht, Platz, Komfort und saubere Luft im Stall, das bieten etwa 80 Schweinehalter im Osnabrücker Land ihren Tieren. Die Mitgliedsbetriebe in der Erzeugergemeinschaft Osnabrück (EGO) haben sich der Initiative Tierwohl angeschlossen und sich damit einer strengen und engmaschigen Kontrolle unterworfen. Die erforderlichen Investitionen und Verkleinerung der Herden werden finanziell ausgeglichen.

In diesem Jahr ist die Initiative Tierwohl in die nächste Runde gestartet. 2015 drängelten sich landwirtschaftliche Betriebe, um einen Platz am Fördertopf zu ergattern. Viele gingen leer aus, weil nicht mehr Geld verteilt werden konnte, als vorhanden war. In diesem Jahr geht es bundesweit um 130 Millionen Euro, die große Lebensmitteleinzelhandels-Konzerne eingebracht haben, zusammengetragen durch 6,25 Cent pro verkauftem Kilogramm Schweine- und Geflügelfleisch. Mit dem Geld werden nun 6000 Betriebe (statt bisher 3400) gefördert, Schweinehalter machen nun 20 Prozent (bisher 12) und Geflügelhalter 60 Prozent (statt 35) aus.

Fördertöpfe wecken Interesse am Tierwohl

Zur Branchen-Initiative Tierwohl zählte von Beginn an der EGO-Schlachthof Georgsmarienhütte, der das Interesse der Schweinehalter im Einzugsbereich bündelt. Im Umkreis von 80 Kilometer sind rund 400 Schweinehalter Mitglieder der Erzeugergemeinschaft EGO. 60 Betriebe hatten sich schon 2015 zu den Idealen der Initiative Tierwohl bekannt. Die strengen Aufnahmekriterien schafften bis 2018 noch einmal 20 weitere Betriebe.

Hohe Auflagen kosten Geld

Vor der Aufnahme in das Förderprogramm Tierwohl hatten die Betriebe zahlreiche Bedingungen zu erfüllen. EGO-Betriebsberaterin Manuela König (32) begleitete die Landwirte in die Qualitätsprüfung. In den Betrieben fanden sich ganz unterschiedliche Haltungsbedingungen vor, die die lange Entwicklung der Höfe widerspiegelten. Da waren alte dunkle Ställe, die mit neuen Fenstern ausgestattet werden mussten, anderswo wurden Spaltenböden verringert, Komfortliegebereiche beispielsweise mit Stroh geschaffen und der Herdenbestand verkleinert. Das kostete Geld. So erklärte sich für Manuela König auch eine der drängendsten Fragen der interessierten Landwirte: „Tolle Ideen, aber wie kann ich die Mehrkosten dafür decken?“.

Seit 2018 gilt für Tierwohl-Teilnehmer: Mastschweine haben jetzt 0,82 Quadratmeter Platz im Stall, das sind zehn Prozent mehr. Wer 20 Prozent mehr Platz schafft, erhält eine höhere Vergütung. Neben den ebenfalls geforderten Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten können in den Ställen Futterraufen für Stroh und Heu sowie Bürsten als Scheuermöglichkeiten installiert werden. Überprüft werden auch das Stallklima und das Tränkewasser. Die Fachleute untersuchen alle Lüftungssysteme der Stallanlage und beurteilen die Luftqualität. Das Tränkewasser wird nach chemischen und mikrobiologischen Verunreinigungen untersucht.

Zwei Überprüfungen im Jahr – eine unangemeldet

Zu den Teilnahmebedingungen an der Initiative Tierwohl gehört, dass sich die Betriebe zweimal jährlich überprüfen lassen. Einmal kommen die Prüfer von unabhängigen Zertifizierungsstellen wie dem TÜV unangemeldet zum Bestandscheck, daneben gibt es eine maximal 24 Stunden zuvor angemeldete Überprüfung. Wer bei diesen Audits nicht alle Punkte der Aufnahmeprüfung erfüllt, wird aus der Förderung herausgenommen mit der Konsequenz, dass der betreffende Landwirt die bisher geflossenen Fördergelder bis zum letzten bestandenen Audit zurückzahlen muss. Bundesweit wurden 97 Prozent der Überprüfungen bestanden, in der Erzeugergemeinschaft Osnabrück alle.

Mehr als Tierschutz

Für EGO-Vorstand Rudolf Festag (56) ist Tierwohl nicht Tierschutz, der müsse ohnehin erfüllt sein, auch nicht nur Wohlbefinden, sondern Wohlergehen: „Den Tieren soll es besser gehen“. Dies sei beeinflussbar über mehr Platz im Stall und mehr Reize für die Tiere, um den Stresspegel zu senken. Dadurch soll auch das Schwanzbeißen verringert werden, um auf das Kupieren der Schwänze bei Ferkeln langfristig verzichten zu können.


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