Freundin geschlagen und genötigt Landgericht verurteilt 28-jährigen GMHütter zu einem Jahr Haft

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Landgericht Osnabrück. Symbolfoto: Michael GründelLandgericht Osnabrück. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Das Landgericht Osnabrück hat in einem Berufungsverfahren einen Mann aus GMHütte zu einem Jahr Haft ohne Bewährung verurteilt. Der wegen ähnlicher Fälle mehrfach vorbestrafte 28-Jährige hatte aus krankhafter Eifersucht seine Freundin misshandelt.

Zweifache Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Nötigung, Beleidigung - und das alles, während er noch unter Bewährung stand. Der 28-jährige aus GMHütte hatte alles für einen Gefängnisaufenthalt getan, dazu verurteilte ihn schließlich auch das Amtsgericht Bad Iburg im April dieses Jahres.

Kontrolle

Die Vorgeschichte des Urteils beginnt ein knappes Jahr früher. Mitte 2017 hatte sich der 28-Jährige wegen Depressionen ins Osnabrücker Ameos-Klinikum einweisen lassen. Dort lernte er eine junge Frau kennen, die beiden wurden ein Paar. Nach dem Aufenthalt im Ameos jedoch begann der junge Mann, seine Freundin kontrollieren zu wollen.

Mehrmals verlangte er ihr Handy, um zu prüfen, ob sie mit anderen Männern kommuniziert. Dabei kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen, unter anderem schubste, boxte und sperrte der Angeklagte seine Freundin ein. In einem Fall hielt der 28-Jährige die junge Frau die ganze Nacht über gegen ihren Willen fest. Bei einem Streit um das Handy schlug der Angeklagte seiner Freundin so hart auf ihr Ohr, dass das Trommelfell der jungen Frau riss. Verurteilt wurde der 28-Jährige außerdem, weil er vor einer Osnabrücker Diskothek einen anderen Mann zu Boden schlug und dem am Boden liegenden noch einen Schlag versetzte.

Strategiewechsel

Vor dem Amtsgericht Bad Iburg hatte der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Taten noch abgestritten oder relativiert. Am Landgericht sah die Strategie anders aus: Nach einem Rechtsgespräch hinter verschlossener Tür verkündete der Vorsitzende Richter, dass der 28-Jährige nur bei einem umfassenden Geständnis auf eine mildere Strafe hoffen könne.

Dieser Forderung kam der Angeklagte nach. Der junge Mann gab nicht nur seine Taten zu, er legte auch gnadenlos ehrlich und sehr redegewandt seine psychischen Probleme offen. „Ich habe seit langer Zeit Probleme mit Eifersucht und Verlustängsten. Das muss sich ändern.“ Der 28-Jährige schilderte eine Kindheit, in der er nach der Trennung der Eltern zunächst bei der früher drogenabhängigen Mutter lebte, die ihn und seine Schwester stark vernachlässigt habe. Es folgten zahlreiche Wohnortwechsel, einige Jahre lebte das Geschwisterpaar auch bei den Großeltern.

Impulskontrolle fehlt

Das „problematische Frauenbild“, das das Amtsgericht Bad Iburg dem Angeklagten attestiert hatte, zeigte sich in dessen Schilderungen nicht. Wohl aber eine krankhafte Eifersucht und die völlige Unfähigkeit, die eigenen Impulse zu kontrollieren. „Es ist schon beeindruckend, dass Sie sich in einer öffentlichen Verhandlung so erklären“, sagte der Vorsitzende Richter. Die Ehrlichkeit ändere aber nichts daran, dass der Angeklagte wieder und wieder seine Freundinnen misshandelt habe.

Der Vorsitzende trug anschließend zahlreiche solcher Fälle vor. Der Absurdeste: Im Alter von 24 hatte der Angeklagte eine Beziehung zu einer 15-Jährigen, der er beim Versuch, ihr das Handy abzunehmen, in die Nase biss. Mehrfach während der Verhandlung sagte der Vorsitzende Richter, der Angeklagte müsse seine Gewaltneigung therapieren lassen. Der 28-Jährige verwies darauf, vor wenigen Wochen eine Gesprächstherapie begonnen zu haben.

Strafe reduziert

Dem Gericht reichte das nicht, um die Haftstrafe zur Bewährung auszusetzen. Erfolg hatte die Berufung trotzdem, denn dank des umfassenden Geständnisses reduzierte das Landgericht die Strafe der ersten Instanz um fünf Monate auf genau ein Jahr.

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