Umgebungslärm vermeiden GMHütte setzt EU-Richtlinie zu Schallimmissionen um

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Rat und Verwaltung in Georgsmarienhütte wollen mit einem Aktionsplan erreichen, dass es künftig auf den Straßen der Stadt leiser zugeht. Foto: dpa/Armin WeigelRat und Verwaltung in Georgsmarienhütte wollen mit einem Aktionsplan erreichen, dass es künftig auf den Straßen der Stadt leiser zugeht. Foto: dpa/Armin Weigel

Georgsmarienhütte. Wie hoch ist die Lärmbelastung durch Straßenverkehr in der Stadt Georgsmarienhütte und wie kann sie gemindert werden?

Lärmkarten geben Auskunft, Lärmaktionspläne Handlungsempfehlungen. Der Planungs- und Umweltausschuss befasste sich zum wiederholten Mal mit der Thematik.

Gesundheitsschädlichen Umgebungslärm möglichst zu verhindern oder zu vermindern ist das Ziel eines EU-Konzepts, das in der Umgebungslärmrichtlinie 2002 von der EU erarbeitet wurde und das Schritt für Schritt in nationales Recht umgesetzt werden muss. Georgsmarienhütte ist nach Angaben von Abteilungsleiter Manfred Frühling auf diesem Weg „weit vorangeschritten“. Mit Unterstützung des Schalltechnikers Dipl.-Geograph Ralf Pröpper hat die Stadt die Verpflichtung, Maßnahmen zur Lärmminderung zu erarbeiten, schrittweise umgesetzt. Alle fünf Jahre werden beschlossene Lärmaktionspläne überprüft. Der Planungs- und Umweltausschuss empfahl dem Rat jetzt – bei zwei Gegenstimmen – den Abschluss der dritten Stufe der Lärmaktionsplanung.

Pröpper berichtete dem Ausschuss, dass die Autobahn A 33 und die Bundestraße B 51 mit mehr als drei Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr belastet seien, wohingegen die Bundesstraße 68 und die Landesstraße 95 laut Ermittlung des Niedersächsischen Landesbetriebs geringer belastet sind und deshalb nicht mehr berücksichtigt werden. Bei einer Überschreitung der „Auslösewerte“ von 70/60 dB(A) Tag/Nacht empfehle die Landesregierung die Aufstellung eines Lärmaktionsplanes. Die Stadt Georgsmarienhütte folge dieser Empfehlung.

Nur wenig Bürger von starkem Lärm betroffen

Die auf statistischen Berechnungen basierenden Lärmkartierungen zeigen, so Pröpper, insgesamt eine geringe Betroffenheit der Bürger durch den Verkehrslärm, der von den untersuchten Hauptverkehrsstraßen ausgeht. Demnach sind nur rund 100 Personen an der B 51 von hohen Belastungen über 70/60 dB(A) am Tag und in der Nacht betroffen. Ganztätig sei niemand mit Pegeln über 70 dB(A) von Hauptverkehrsstraßen belastet. Großflächige planerische Eingriffe in den Verkehrsablauf oder Verkehrsverbote seien damit nicht erforderlich.

Gleichwohl gab es kritische Nachfragen der Ausschussmitglieder. „Lärm macht krank“, und die Werte aus 2015 seien vermutlich schon „von der Realität überholt“, befürchtete Stephan Sprekelmeyer (CDU). Überhaupt zeigten sich die Ausschussmitglieder mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren, Lärmbelastungen zu errechnen statt zu messen, nicht einverstanden. „Sind Verkehrsmessungen verboten, damit uns der wahre Zustand verborgen bleibt?“, spitzte Robert Lorenz (Grüne) die Kritik zu. Er stellte in Frage, dass sich alle Verkehrsteilnehmer an die vorgegeben Geschwindigkeiten halten, dass alle Auspuffe und Räder sowie alle Straßenoberflächen in Ordnung seien. „Das ist doch warme Luft!“ erregte er sich und fragte, ob das Recht auf körperliche Unversehrtheit für die Betroffenen nicht gelte. Bürgermeister Ansgar Pohlmann stimmte dem bedingt zu: „Wir sehen das Dilemma, dass Berechnungen zum Teil andere Ergebnisse bringen als Messungen, und sollten gegebenenfalls in unserem Plan über die Forderungen der EU hinausgehen.“

Lärmschutzfenster und Förderung des Radverkehrs

Die Lärmaktionsplanung sieht eine Verzahnung mit dem Verkehrsentwicklungsplan der Stadt sowie der Stadtplanung vor. Als kurzfristige Strategien werden vorgeschlagen: die Erhaltung der Fahrbahnoberflächen in ordnungsgemäßem Zustand, um Rollgeräusche zu minimieren, die Verstetigung des Verkehrsflusses in den Ortsdurchfahrten durch Kontrolle der gefahrenen Geschwindigkeiten mit Hilfe digitaler Hinweistafeln, Lärmvorsorge in neuen Baugebieten und der Einbau finanziell vom Land geförderter Lärmschutzfenster als passive Schallschutzmaßnahme an Gebäuden an der B 51. Lang- und kurzfristig soll der Öffentliche Nahverkehr, das Radfahren und Zufußgehen gefördert werden. An der bereits in der zweiten Stufe empfohlenen Umsetzung von Tempo 30 für den Ortskern von Oesede soll festgehalten werden. Unklar blieb, ob an der B 51 in Harderberg das Tempolimit von 100 km/h auf 70 km/h gesenkt werden kann. Nach Berechnungen der Stadt würde das eine Halbierung des Verkehrslärms bedeuten.

Die Öffentlichkeit kann sich über die Ergebnisse der Lärmkartierung und deren Bewertung im Internet auf www.georgsmarienhütte.de informieren und dazu äußern.


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