Ministergespräche versprochen Wölken spricht mit Lärmgenervten an Borgloher Straße

Von Alexander Heim

Meine Nachrichten

Um das Thema Georgsmarienhütte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


alhe Georgsmarienhütte. Die Anlieger der Borgloher Straße machen ihrem Unmut über Motorradlärm (SPD) Luft bei einem Ortstermin mit dem EU-Abgeordneten Tiemo Wölken.

Rund 190 Kilometer lang ist die Osning-Route, die im Wesentlichen durch den südlichen Landkreis Osnabrück führt. Auch die Borgloher Straße ist Teil der Osning Route. So weist es das Schild zwischen GMHütte und Wellendorf aus. Sie wird vor allem am Wochenende viel genutzt. Sehr zum Unmut der Anwohner, die sich deshalb jetzt an Wölken wandten.

Kein Einzelfall

Ob Piet tagsüber gerne mit Spielzeugautos und -motorrädern spielt? Das wollte der Dreijährige beim Ortstermin an der Borgloher Straße nicht verraten. Dass er abends indes immer mal wieder schlecht einschlafen kann, weil echte Motorräder ihm den Schlaf rauben – davon wusste seine Mutter zu berichten. Piet ist kein Einzelfall. „Hier in der Nachbarschaft wohnen viele junge Familien mit kleinen Kindern“, erläutert Eva Simoneit. Mehr aus Georgsmarienhütte lesen Sie hier.

Dabei schlängelt sich die Borgloher Straße eigentlich gemütlich durch den Teuto und die Landschaft, führt dabei auch immer wieder durch bewaldete Abschnitte. So gemütlich, dass sie damit wohl auch für Motorradfans und Sportwagenliebhaber attraktiv ist. „Keiner will die Motorradfahrer weghaben“, betont Eberhard Schröder, der am Montag die Sorgen und Nöte der Anlieger vortrug. Dass die Zweiräder beim Abbremsen ebenso wie beim anschließenden Beschleunigen besonders laut werden - das liegt den Familien hingegen schon im Magen. Jutta Olbricht (SPD) versuchte durchaus eine Lanze für die Morradfahrer zu brechen: „Es gilt nicht für alle Motorradfahrer. Manchmal sind es Einzelne, die dann die Stimmung gegen alle aufbringen.“

Verkehrsaufkommen

Auf Einladung des Kreistagsmitgliedes trafen sich die Betroffenen nun mit Tiemo Wölken und Jürgen Schwietert vom Fachdienst Straßen des Landkreises Osnabrück vor Ort. Und wurden innerhalb der gut einstündigen Besprechung auch des Verkehrsaufkommens gewahr. Landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge nutzen die Borgloher Straße ebenso wie Lkw, Pkw und Motorräder. Ein halbes Dutzend passieren die Gruppe am Straßenrand.

„Es geht nicht um das schnelle Fahren, sondern um das laute Fahren“, machte Jutta Olbricht deutlich. „Wir sind schon Jahre an dem Thema dran“, betonte Eberhard Schröder. Die Motorradfahrer seien, so trug er vor, nur schwer zu belangen, weil sie durch die Schutzkleidung schwer zu erkennen seien. Autos wie Motorräder seien zu „fahrenden Musikboxen“ geworden. Schließlich spiele das Sound-Design schon bei der Herstellung eine Rolle. „Wir, die hier wohnen, müssen das ertragen“, unterstrich er. „Die EU hat eine Umgebungs-Lärm-Richtlinie herausgegeben“, sprach er Tiemo Wölken direkt an.

Lärm-Aktionsplan

Jürgen Schwietert vom Landkreis Osnabrück betonte, dass der Landkreis – ordnungsrechtlich – nicht zuständig sei. „Darum lassen sich Maßnahmen nicht umsetzen.“ Der Ball liege vielmehr im Spielfeld der Kommunen. Richtig sei, dass GMHütte einen Lärm-Aktionsplan aufgestellt habe, unter anderem für Straßen mit mehr als 8000 Fahrzeugen täglich. „Laut Verkehrszählung fahren hier aber nur 1100 Fahrzeuge“, so Schwietert. „Es gibt wohl Lärm“, räumte er ein, „aber der erfüllt die Grenzwerte nicht.“ Einzelne Spitzen würden mit Durchschnittswerten verrechnet. Zudem sei die Borgloher Straße kein Unfallschwerpunkt.

„Wir wissen, dass Umweltlärm schädlich ist“, so Tiemo Wölken. „Aber die EU-Richtlinie findet hier keine Anwendung.“ Ihn überraschte, dass es im Landkreis bislang kein Gerät zur Lärmmessung geben solle. Die Lärmemissionen von Motorrädern per se zeige, „dass wir eine europaweite Regelung brauchen.“

Appell

Manfred Tobergte, Sprecher der Grünen in Bad Iburg, unterbreitete den Vorschlag, als Kommunen, auf eigene Kosten, ein solches Messgerät anzuschaffen - und es der Polizei zur Verfügung zu stellen. Jürgen Schwietert trug vor, dass in Bissendorf gerade ein Lärm-Display angeschafft worden sei. „Damit kann man an die Nutzer der Straße appellieren.“ Tiemo Wölken versprach, sich mit Umweltminister Olaf Lies und Innenminister Boris Pistorius, von denen es in den Vorjahren bereits Reaktionen gegeben hatte, noch einmal in Verbindung zu setzen.

Es wird also noch Zeit vergehen, ehe eine Entscheidung im Sinne der Anwohner getroffen werden könnte. So lange wird auch klein Piet mehr vom Tage haben. Und wenn es mit dem Einschlafen so gar nicht klappt, Zuflucht bei Mama und Papa suchen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN