Von wegen „keine Popsongs“ „Hütte rockt“ öffnet im zwölften Jahr Genre-Grenzen

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               Madsen waren Headliner des zweiten Tages des zwölften „Hütte rockt“-Festivals.  Foto: André HavergoLeichte Kost:  Madsen waren Headliner des zweiten Tages des zwölften „Hütte rockt“-Festivals.  Foto: André Havergo

Georgsmarienhütte Punkrock und Hip-Hop am Freitag, mehr Besucher und Poprock am Samstag: Die zwölfte Ausgabe von „Hütte rockt“ bot an zwei Tagen bei bestem Festivalwetter viel Abwechslung auf zwei Bühnen.

Im gut durchgetakteten Wechsel wurden die große Open-Air-Bühne und die kleinere Bühne im Zelt am anderen Ende des Geländes in der Nähe des Harderbergs so bespielt, dass es kaum eine Pause gab. Zwischen Maisfeld und Bielefelder Straße sorgten rund 220 Crew-Mitglieder und ehrenamtliche Helfer für einen reibungslosen Ablauf. Neu waren in diesem Jahr eine Open Stage-Session am Samstagvormittag sowie die Integration von Hiphop in das Programm vom Freitag. Als lokaler Act eröffnete der Osnabrücker Rapper Jolle das Zeltprogramm, bevor der Chartspitzenstürmer B-Tight aus Berlin die Mainstage eroberte.

Beats und Akkorde

Nicht nur die Schnäpse, die er verteilte, kamen zumindest bei einem Teil des Publikums gut an, das im Takt mitklatschte und sogar Schimpfwörter mitsang. Dreckige Akkorde anstelle von coolen Beats kredenzte die Rostocker Punkrock-Institution Dritte Wahl, die Gesellschaftskritik auch mit Trinkliedern zum Mitschunkeln und partytauglichem Schlagerpunk verband. Ebenfalls schon fast drei Jahrzehnte im Geschäft, mischten am Abend die niederrheinischen Kollegen von Betontod mit „Bambule und Randale“ die Rockhütte auf. „Keine Popsongs“ skandierten die fünf Punkrocker, um aber genau solche zu liefern, wenn auch mit „harten Melodien“. Der leichtfüßige Rock´n Roll des „Midnight Specials“ Boppin´B geriet da zum Kontrastprogramm.

Hüpfende Herzen

Am Samstag hatte es sich als kluger Schachzug erwiesen, die Osnabrücker Lokalmatadoren von Hi!Spencer schon recht früh auftreten zu lassen. So war die Wiese bereits zur Mittagszeit ungewohnt stark frequentiert. Das Quintett um Sänger und Frontmann Sven Bensmann dankte es den Fans mit einer energiegeladenen Indie-Rock-Show. Dafür, dass die Party weiterging, sorgten am Nachmittag The Prosecution aus Regensburg mit Bläser-Trio und ihrem erfrischenden und mitreißenden, extrem tanzbaren Stilmix aus Punkrock und Hochgeschwindigkeits-Ska. H-Blockx-Sänger Henning Wehland inszenierte sich und seine Band als „Der Letzte von der Bar“ und servierte Geschichten vom „Tresen des Lebens“, aber am Ende auch begeisternden „Geister“-Rock. Zur Dämmerstunde sorgten die Madsen-Brüder mit eingängigem Kirmes-Power-Poprock aus dem Wendland für buchstäblich hüpfende Herzen. Den fulminanten Schlusspunkt setzte das Hamburger Trio Montreal mit krachendem Partyrock inklusive einer augenzwinkernden Osnabrück-Hymne. Allein, als „Special Guest“ Evil Jared einzuladen, erwies sich im wahrsten Sinne des Wortes als Schnapsidee.

Veranstalter zufrieden

Mit dem Zuspruch von rund 3800 Gästen an beiden Tagen inklusive 765 Campern zeigten sich die Veranstalter vom 2006 gegründeten „Hütte rockt“-Verein zufrieden. Es sei „zwar kein Rekord, aber ein gutes Niveau“ gewesen, resümierte Vorstandsmitglied Marius Kleinheider. Der Plan, mit der musikalischen Öffnung auch andere Besuchergruppen zu erreichen, sei aufgegangen. „Zu gemischt“ sollte es aber in Zukunft nicht werden, betonte er. Der Schwerpunkt soll bleiben, was auch an den mehr oder weniger realistischen Wunschbands der Vereinsmitglieder von Wanda über die Sportfreunde Stiller und Fettes Brot bis hin zu den Toten Hosen abzulesen ist. Die Gefahr, dass das Festival demnächst in „Hütte rockt und rappt“ umbenannt werden muss, besteht also nicht.


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