Rock-Festival trifft Pop Madsen und mehr beim „Hütte rockt“-Festival am Samstag

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Georgsmarienhütte. Mehr Besucher als am Freitag verzeichneten die Veranstalter der zwölften Ausgabe von „Hütte rockt“ am zweiten Tag des Festivals. Der fiel nicht nur wegen des Headliners Madsen deutlich Pop-lastiger aus.

Als kluger Schachzug erwies es sich, die Osnabrücker Lokalmatadoren von Hi!Spencer nach dem Punkrock-Vierer Frantic Age aus Rheine bereits früh auf die Hauptbühne zu schicken. So war dafür gesorgt, dass die Wiese am Harderberg schon zur Mittagszeit ungewohnt stark frequentiert war. Das Quintett um Sänger und Frontmann Sven Bensmann lieferte eine energiegeladene Indie-Rock-Show zur Unzeit, die in Erinnerung bleiben und in die Bandgeschichte eingehen wird. Nachdem es vor weit weniger Publikum im Zelt „Alles von Ed“ gab, wusste auf der Open-Air-Bühne auch das lokale „Nachspiel“-Quartett Schöne Frau mit Geld mit einer stilechten Huldigung der Achtzigerjahre-Deutschrockhelden von Ideal zu überzeugen.

Ska und Hardcore

So richtig in Fahrt kam die frühe Party dann aber wieder durch die mit Bläser-Trio achtköpfige Formation The Prosecution aus Regensburg. Mit ihrem erfrischenden und mitreißenden Stilmix aus politisch motiviertem Punkrock und Hochgeschwindigkeits-Ska konnten sie das Publikum am Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein zu ausgelassenen Tänzen im roten Konfettiregen bewegen. Zurück im Zelt, überraschten dort nach den harten emsländischen Riffs von A Place To Fall die vier Kölner und Dortmunder Jungs von Drens mit kraftvoll melodiösem Surf- plus Garagenrock in orangefarbenen Shorts, der mitunter wie eine Hardcore-Version von The Jam klang. Post-Hardcore setzte es draußen durch das Bremer Quintett Watch Out Stampede inklusive obligatorischem Shouter-Gutturalgesang und mit überraschender Verwendung von Keshas „Die Young“. Wie John Lydon klang dagegen der Sänger des spielfreudigen Trios Moin aus Quakenbrück, das sich wiederum im Zelt vom Underground-Sound der Siebziger- und Achtzigerjahre inspiriert zeigte. 


Tanzen und Hüpfen

Auf der großen Bühne wurde derweil alles angerichtet für H-Blockx-Sänger Henning Wehland, der dort nach einem Heiratsantrag sich und seine Band gemäß seinem aktuellen Album als „Der Letzte an der Bar“ inszenierte. Dort erzählte er rührselige Geschichten vom „Tresen des Lebens“ und animierte die Zuschauer dazu, die Welt zu retten oder doch zumindest um ihr Leben zu tanzen. Die „Geister“-Rockzugabe lud zudem zum Mitgrölen ein. Das Lingener Metal-Quartett Maré bediente im Zelt noch einmal die Hartgesottenen im Moshpit, bevor pünktlich zur Dämmerstunde norddeutscher Kirmes-Rock aus dem Wendland das Regiment übernahm. Mit „Sirenen“-Geheul betraten die Headliner Madsen die Bühne und brachten schon mit ihrem zweiten Song „Wenn es einfach passiert“ die Fans zum kollektiven Hüpfen. Neben dem Mia-Cover „Hungriges Herz“ musste auch Klaus Lages „1001 Nacht“ als Intro für den Gassenhauer „Kein Mann für eine Nacht“ herhalten. 

Abgesang auf Logik

Nach dem Hinsetzen-Aufstehen-Spiel zur „Perfektion“ wurde das Publikum Zeuge der Live-Premiere des von pochenden Synthie-Samples getriebenen „Ich tanze nur für mich allein“, was sich inhaltlich freilich als falsch erwies. Die zuckersüße Ballade „So cool bist du nicht“, für die Keyboarderin Lisa als Duett-Gesangspartnerin eingespannt wurde, entfachte ein Lichtermeer aus Feuerzeugen und nach einem Gitarrensolo für Crew-Mitglied Caro starteten die Madsen-Brüder mit „Rückenwind“ in die Nacht. „Mein erstes Lied“ entpuppte sich auch live als erstklassiger, bis hin zum Stagediving mitreißender Popsong. Nach dem Hit „Du schreibst Geschichte“ gab es im Zugabenblock einen mit jaulenden Gitarren rockigen Abgesang auf die „Logik“, eine Einladung zum „Nachtbaden“ und mit dem Ohrwurm „Lass die Musik an“ lupenreinen Power-Poprock zum Mitsingen. 

Partyrock auf die Zwölf

Die Umbaupause bis zum Mitternachtsnachschlag durften die lokalen Motörhead-Klone Weckörhead im Zelt mit freien deutschen Übersetzungen der Songs ihrer Vorbilder gestalten, bevor es dann nach Montreal ging. So heißt das Hamburger Trio, das den Schlussakkord des diesjährigen „Hütte rockt“-Spektakels spielen durfte. Schnörkellos gradlinig und ohne Umwege retteten sie dabei mit Krachern wie „Walkman Revolution“ oder „Max Power“ den Partyrock - und gaben mit einem augenzwinkernden Osnabrück-Song buchstäblich auf die „Zwölf“. Ein standesgemäßer Abschluss der beiden Tage, die das Dutzend vollgemacht und das in der Region verwurzelte und gewachsene Rockfestival auch für andere Genres geöffnet haben.


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