Erstmals HipHop beim Festival Punkrock, Hiphop und Bebop – So war das „Hütte rockt“-Festival am Freitag

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Hütte Rockt 2018: Der erste Abend des Festivals bot viel Abwechslung. Foto: André HavergoHütte Rockt 2018: Der erste Abend des Festivals bot viel Abwechslung. Foto: André Havergo

Georgsmarienhütte. Am Ende brannte die Hütte: Mit einer Pyro-Einlage beendete die Band Betontod ihren umjubelten Headliner-Auftritt am Festival-Freitag der zwölften Ausgabe von „Hütte rockt“.

Für den pünktlichen Startschuss auf der Hauptbühne sorgte am Nachmittag aber das Indierock-Quartett Charmana aus dem nahen Lengerich mit flockigen deutsch- und englischsprachigen Songs, die leicht ins Ohr gingen. Die kleinere Nebenbühne im großen Zelt am anderen Ende des Geländes wurde von dem engagierten Osnabrücker Rapper Jolle eingeweiht. 

Als neben zunehmend mehr Gästen auch endlich die Sonne das Festival besuchte, brachten die drei baden-württembergischen Kurstädter AOP Heilung für alle Rockfans, indem sie ihnen mitgröltaugliche Melodien auf die Ohren schlugen, zu denen auch die ersten Hände aus dem Publikum in Richtung Himmel flogen. Als die furchtlosen Jungs mit einem artfremden Neunzigerjahre-Eurodance-Medley sogar zu ersten Tänzen verleiteten, konnten sie froh sein, dass die „Punkrockpolizei“ nicht eingegriffen hat. Ungleich experimenteller ging es im Zelt weiter, wo das Osnabrücker „Rock in der Region“-Gewinner-Duo From Willows allein mit Schlagzeug und E-Gitarre einen wuchtigen Bandsound erzeugte.  

Erstmals HipHop bei „Hütte rockt"

Als Experiment durfte dann auch eine Premiere auf der großen Bühne betrachtet werden. Denn erstmals in der Geschichte des größten Rockfestivals der Region wurde dort Hip-Hop serviert. Dabei kam B-Tight aus Berlin als selbsternannter „König der Rapper“ zumindest bei einem Teil des Publikums gut an. Die blonde DJane an den Reglern im Hintergrund sorgte anstelle von dreckigen Akkorden für kühle Beats und Bobby Bs Battle- und Sparringspartner für eine zweite Stimme. Nicht nur die Schnäpse, die das Rap-Duo verteilte, wurden angenommen. Die Zuschauer ergaben sich mit erhobenen Händen, klatschten im Takt und sangen schmutzige Lieblingsworte des Chartspitzeneroberers im Chor mit. Der konnte auch „Gettho-Romantik“, indem er am Ende einen pathetisch melancholischen Song „zum Nachdenken“ über jenes märkisches Viertel präsentierte, das ihm Wiege und Grab zugleich ist.

Gesellschaftskritik von Dritter Wahl

Während sodann wieder echte Instrumente auf die Bühne gehoben wurden, kredenzte das lokale Quintett The Bearing Sea Heavy Metal im Festzelt, bevor die erstklassige, 30 Jahre alte Rostocker Punkrock-Institution Dritte Wahl im Sonnenschein gleich durchstartete mit „Beam mich hoch, Scotty“. Zwischendurch gossen sie ihre Gesellschaftskritik aber auch in Shanty- artige Trinkliedformen zum Mitschunkeln. Sie beschworen mit leicht verdaulichem, partytauglichen Schlagerpunk die „gute alte Zeit“, bescheinigten der Welt „zu wahr, um schön zu sein“, und konstatierten, dass sich „alles nur ums Geld“ dreht. Als sie „Ich möchte fliegen“ als Lösung anboten, konnte das Publikum das unterschreiben und sang den Refrain auch dann noch lauthals weiter, als Dritte Wahl schon längst wieder weggeflogen waren.

Die Fotos des ersten Tages bei „Hütte rockt" gibt es hier >>

Nachdem das Trio Lässing im Zelt eher konventionellen Poprock bot und die Sonne hinter der Hauptbühne verschwunden war, wurde diese von jenen fünf alten Schulfreunden aus Rheinberg am Niederrhein geentert, die als Betontod ebenfalls schon fast drei Jahrzehnte die Punkrockszene aufmischen. Erwachsen geworden, begannen sie mit einem energischen „Hallelujah“ auf „La Familia“. Zur frischen Mitgrölhymne „Boxer“ flogen nicht nur Hände, sondern auch bunt gestreifte Ballons durch die Luft. Das passte dazu, dass sie später selbst vor Wolfgang Petrys „Wahnsinn“ nicht zurückschreckten, um abendliche Partystimmung zu verbreiten. Als sie programmatisch „Keine Popsongs“ skandierten, führten sie die Botschaft des Songs ad absurdum. Denn er entpuppte sich trotz oder gerade wegen „harter Melodie“ als poppiger Ohrwurm zum Mitsingen. Mit Metal-Anleihen im Sound und Gitarrenspiel verliehen Betontod aber auch ihrem Anspruch, „für immer Punk“ zu sein, Gewicht, ließen im klassischen Punkrock-Stil mit „Bambule und Randale“ und einem dreifachen „Bäng“ kein Stein auf dem anderen und luden mit „Wasserwerfer und Tränengas“ erfolgreich zum exzessiven Tanzen ein.

Abwechslungsreicher Abend

Mit einem deutlichen Stilbruch endete der erste Abend des diesjährigen Hüttenzaubers hinter dem Harderberg. Denn die Musik des „Midnight Specials“ Boppin´ B wurzelt im Rock´n Roll der Fünfzigerjahre und reichert diesen stilecht mit leichtfüßigen Bebop- und Rockabilly-Elementen an. Im scharfen Kontrast dazu zelebrierte zuvor auf der Zeltbühne das Osnabrücker Quintett Iron Walrus unter Verstoß gegen das Vermummungsverbot maximal düsteren, furchteinflößenden Doom Metal. Trotz Schlagseite in Richtung Gefälliger Punkrock mangelte es dem Programm am Freitag also kaum an Abwechslung.


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