Lebens- und Arbeitswelten um 1900 Osnabrücker Studenten veröffentlichen Broschüre über Georgsmarienhütte

Meine Nachrichten

Um das Thema Georgsmarienhütte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Gemeinschaftsprojekt: Eine neue Broschüre zu Lebens- und Arbeitswelten um 1900 erstellten (von links) Inge Becher, Dr. Sebastian Steinbach, Catharina Zitzewitz, Sarah Sieker, Benedikt Falz und Julia Fesca.Gemeinschaftsprojekt: Eine neue Broschüre zu Lebens- und Arbeitswelten um 1900 erstellten (von links) Inge Becher, Dr. Sebastian Steinbach, Catharina Zitzewitz, Sarah Sieker, Benedikt Falz und Julia Fesca.

Georgsmarienhütte. Studierende der Universität Osnabrück präsentierten eine Broschüre zur Entwicklung von Gemeinde und Hüttenwerk Georgsmarienhütte vor 1900.

Lebens- und Arbeitswelten der Gründerzeit standen im Mittelpunkt eines Seminars von Privatdozent Dr. Sebastian Steinbach, in dem angehende Master der Geschichtswissenschaft im Sommersemester 2017 soziale und wirtschaftliche Aspekte der massiven Lebensweltveränderungen durch die Industrialisierung am Beispiel des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins untersuchten. In einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Museum Villa Stahmer veröffentlichten die Studenten jetzt die 50-seitge Broschüre.

Zuwanderung 

„Die Lebenswirklichkeit einer bis dahin ländlich geprägten Region veränderte sich massiv durch den Wandel zum Industriestandort“, macht Benedikt Falz deutlich. Er rekonstruiert in seinem Aufsatz die kontinuierliche Zunahme der Roheisenproduktion in Georgsmarienhütte und die damit einhergehende Zuwanderung von Arbeitskräften. Was in anderen Regionen zu Verelendung und sozialen Spannungen führte, konnte in Georgsmarienhütte - obwohl auch hier Berührungsängste zwischen der ansässigen Bevölkerung und den Neuankömmlingen herrschten - in günstigere Bahnen gelenkt werden, nicht zuletzt, weil die Werksleitung sich für die Gründung einer eigenen Kommune einsetzte. Catharina Zitzewitz untersuchte den „Spezialfall“ der Gemeindeneugründung von Georgsmarienhütte 1860 auf dem Gebiet der Gemeinde Malbergen, die der Zustimmung der hannoverschen Landdrostei bedurfte.


Sarah Sieker durchleuchtete den Werkswohnungsbau und die betriebliche Sozialpolitik. So errichtete das Werk in den ersten 40 Jahren seines Bestehens allein in der sogenannten „Kolonie“ 113 Häuser mit 301 Wohnungen. Die Wohnräume waren nach dem „Prinzip der Sonnenlehre“ nach Süden ausgerichtet, hinzu kamen öffentliche Einrichtungen wie die Alte Wanne, Krankenhaus, Schule, Schwimmbad und Kasino. Mit der Sorge für das Wohlergehen der Arbeiter und ihrer Familien, so Sieker, habe das Werk die Basis für eine zuverlässige Arbeiterschaft geschaffen.

Streit ums Wasser

Gleichwohl gab es auch Ärger. Über Probleme der Wasserversorgung des Hüttenwerks und der wachsenden Zahl von Einwohnern machte sich Julia Fesca kundig. Bei der Gründung der Hütte hatte sich der Verein Wasserentnahmerechte an der Düte gesichert. Als die Abschöpfung großer Wassermengen in den umliegenden Orten zu Engpässen führte, kam es zu Streit und Gerichtsprozessen. Beispielhaft zeichnet Fesca die Klage des Kolons Völler aus Ohrbeck nach, der wegen Wassermangels den Betrieb seiner Mühle aufgeben musste. 1884 wurde ein Stollen in den Lammersbrink getrieben, das „Stollenwasser“ wurde zusätzlich in zwei getrennten Kreisläufen zum Werk geleitet.


Die Erarbeitung der Broschüre ist die Ergebnissicherung eines über achtmonatigen regionalgeschichtlichen Forschungsprozesses, in dem die Studenten das Stahlwerk und in mehreren Ortsbegehungen den heutigen Ortsteil Alt-Georgsmarienhütte besichtigten und sich unter anderem in Archiven die erforderlichen Kenntnisse aneigneten. Besonders hoben sie und Dr. Steinbach die gute Zusammenarbeit mit Museumsleiterin Inge Becher hervor. Die Broschüre ist kostenlos im Museum Villa Stahmer erhältlich.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN