GMHütter weggeschubst Faustschlag war Notwehr – Freispruch in zweiter Instanz

Von Heiko Kluge

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Landgericht Osnabrück. Symbolfoto: Michael GründelLandgericht Osnabrück. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Mit einem Freispruch konnte ein heute 40-jähriger Mann aus Georgsmarienhütte seine Berufungsverhandlung am Landgericht verlassen. Dem Mann war vorgeworfen worden, dem Freund seiner ehemaligen Lebensgefährtin ohne Vorwarnung einen Faustschlag ins Gesicht versetzt zu haben.

Wegen Körperverletzung hatte das Amtsgericht Iburg den Mann im vergangenen Februar zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 30 Euro verurteilt. Nach Überzeugung des Richters war der Angeklagte im vergangenen November telefonisch mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin in Streit geraten, weil die gemeinsame Tochter freizügige Fotos von sich an eine Internetbekanntschaft geschickt haben sollte.

Wie verabredet

In dieses Telefonat soll sich auch der neue Freund der Frau eingeschaltet haben und ebenfalls mit dem 40-Jährigen aneinandergeraten sein. Als der Angeklagte nur wenig Minuten später an der Wohnung der Frau klingelte, um die Tochter verabredungsgemäß abzuholen, soll er ihrem Freund sofort und ohne Vorwarnung einen heftigen Faustschlag ins Gesicht versetzt haben, so das erstinstanzliche Urteil. Tatsächlich hatte der Mann den 40-Jährigen auch mit dieser Behauptung bei der Polizei angezeigt.

Schon vor dem Iburger Amtsgericht hatte der 40-Jährige betont, dass sich die Dinge etwas anders zugetragen hätten und beteuerte das auch in der Berufungsverhandlung. Von seiner ehemaligen Lebensgefährtin sei er bereits seit acht Jahren getrennt, man habe ein normales Verhältnis: „Bisher hat immer alles reibungslos geklappt.“ Zu dem neuen Freund habe er zwar kein inniges Verhältnis, aber auch da sei der Umgang ganz in Ordnung. Als er nach dem Streit am Telefon dann an deren Wohnung geklingelt habe, sei der Freund seiner ehemaligen Partnerin direkt auch ihn zugekommen und habe ihn gegen den Türrahmen geschubst. „Ich hatte den Eindruck, er wollte mich zu Boden zerren und habe mich mit dem Schlag gewehrt“, betonte der Angeklagte. Ihm sei es nur darum gegangen, seine Tochter abzuholen. Dass der andere Mann offenbar nicht gewusst habe, dass er komme, „war mir nicht bewusst“.

„Auf 180“

Der ruderte in seiner Aussage zurück. Er sei wegen des Telefonats „auf 180“ gewesen und habe nicht gewusst, dass der 40-Jährige noch kommen werde. „Ich dachte, er wäre wegen mir gekommen“, so der Mann und räumte ein, den anderen zur Seite gerempelt zu haben. Erst dann habe ihm der Angeklagte den Faustschlag versetzt.

Warum er das denn bei der Polizei ganz anders geschildert habe, wollte der Richter wissen? „Weil ich sauer war“, antwortete der Zeuge. Er könne sich darauf einstellen, für diese frisierte Darstellung bei der Polizei noch ein Verfahren wegen falscher Verdächtigung an den Hals zu bekommen, beschied ihm darauf der Staatsanwalt.

Notwehr

Der Verteidiger machte geltend, dass sein Mandant lediglich in Notwehr geschlagen hatte und forderte, den 40-Jährigen freizusprechen. Auch der Staatsanwalt sprach sich dafür aus.

Dem entsprach auch das Gericht. Man könne allerdings Zweifel haben, ob alle Beteiligten in dem Verfahren die Wahrheit gesagt hätten, fasste es der Vorsitzende am Ende zusammen. Mit Blick auf die „wabernden und mäandernden“ Aussagen im Verlauf der verschiedenen Instanzen ließen sich einfach keine tragfähigen Feststellungen treffen. „Auf Vermutungen und Halbwahrheiten kann man keine Verurteilung stützen.“

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