Umgehen mit Dialyse und Transplantation Osnabrücker Selbsthilfegruppe für Nierenkranke

Von Petra Pieper

Wie rund 75000 Nierenkranke in Deutschland lässt Marion Mengeler dreimal wöchentlich ihr Blut in einer Dialysebehandlung reinigen. Foto: Norbert WiegandWie rund 75000 Nierenkranke in Deutschland lässt Marion Mengeler dreimal wöchentlich ihr Blut in einer Dialysebehandlung reinigen. Foto: Norbert Wiegand

Osnabrück. Nierenkranke, Dialysepatienten und Transplantierte sowie ihre Angehörigen helfen einander in einer Osnabrücker Selbsthilfegruppe (SHG). Die Regionalgruppe Osnabrück ist dem Landesverband Nierenkranker e.V. angeschlossen.

Marion Mengeler aus Melle, die die SHG leitet, ist seit zweieinhalb Jahren Dialysepatientin. Als Dialyse bezeichnet man verschiedene Verfahren zur Blutreinigung. Normalerweise übernehmen die Nieren diese Funktion: Sie filtern schädliche Substanzen aus dem Blut, die dann mit dem Urin ausgeschieden werden. Auch die Regulation des Wassergehalts und des Mineralhaushalts ist Nierensache. Wenn die eigenen Nieren, aus welchen Gründen auch immer, diese Funktion nicht mehr erfüllen können, gibt es die Möglichkeit der „Blutwäsche“, der Dialyse. Etwa 75000 Menschen in Deutschland sind auf diese lebenswichtige Behandlung bei Nierenversagen angewiesen.

Blutwäsche

Bei Marion Mengeler ist die Ursache eine Erbkrankheit, die sogenannte „Zystenniere“. Dreimal pro Woche muss sie sich der Hämodialyse unterziehen. Zwischen vier und sechs Stunden dauert die Prozedur, in der über eine besonders präparierte Stelle am Unterarm, einem Shunt, Blut aus dem Körper in eine künstlichen Niere geleitet, dort „gewaschen“ und wieder in den Körper zurückgeführt wird. Der Shunt (englisch für ‚Kurzschluss‘) verbindet eine Vene mit einer Arterie. So strömt mehr Blut mit hohem Druck durch die Gefäße. Die Gefäßwand verdickt sich und lässt sich gut mit einer dicken Nadel anstechen – die Voraussetzung für die Dialyse.

„Das ist nicht schlimm“, versichert Marion Mengeler ganz entspannt, in der Zeit könne sie lesen, Musik hören oder sich mit einem Platznachbarn unterhalten. „Ich habe die festen Termine und organisiere meinen Alltag drumherum“, erklärt die berufstätige Mutter von drei Kindern. Sie habe immer noch so viele Möglichkeiten, zum Beispiel könne man „mit ein bisschen Planung“ auch als Dialysepatient gut verreisen, sogar eine Kreuzfahrt sei möglich. Vom „Jammern“, das der Selbsthilfe oft unterstellt wird, hält sie ohnehin nicht viel. Aber sie schätzt den Austausch in der Gruppe: „Wir sind alle Betroffene und wissen, worüber wir reden.“ Ein Arzt könne noch so viel Mitgefühl haben, wie sich eine mehrere Millimeter dicke Kanüle in der Ader anfühle, wisse er aber nicht.

Information und Zuwendung

Etwa 25 Menschen besuchen regelmäßig die SHG, die an jedem ersten Sonntag im Monat nachmittags um 15 Uhr in der Evangelischen Familienbildungsstätte, Anna-Gastvogel-Straße 1, in Osnabrück stattfindet. „Sonntag ist der einzige Tag der Woche, an dem niemand zur Dialyse muss“, erklärt sie die Terminwahl. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungsaustausch und Informationsweitergabe. Gerade auch für Menschen, die soeben erst die Diagnose erhalten haben, sei die SHG eine gute Anlaufstelle: „Dann können sie neuen Mut schöpfen und sehen, dass es immer Wege gibt, um Schwierigkeiten zu überwinden“, sagt Mengeler, die soeben eine Ausbildung zur Patientenbegleiterin abgeschlossen hat. In der SHG treffe man auf Menschen, erfahre persönliche Zuwendung und Emotionalität, die das Internet so nicht biete. Die Gruppe unternimmt auch gelegentlich einen Ausflug oder veranstaltet ein Grillfest.

Ernährungsberatung lebenswichtig

Gleichwohl geht es immer auch um Information. In Vorträgen oder im Gespräch miteinander werden zum Beispiel Entspannungstechniken oder Ernährungsfragen thematisiert. Viele Komplikationen, die bei den Betroffenen auftreten können, stehen in Zusammenhang mit der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. „Für einen Dialysepatienten sieht gesunde Ernährung anders aus, als für einen Gesunden“, sagt Mengeler. Allgemein laute die Empfehlung, sich kalium-, phosphat- und salzarm zu ernähren. Zudem dürften Dialysepatienten pro Tag nur eine begrenzte Menge Flüssigkeit zu sich nehmen. Mindestens einmal im Jahr veranstaltet die SHG ein „Sozialseminar“, in dem die Teilnehmer alles über Schwerbehindertenrechte, Reha, Rente und Ähnliches erfahren. Als Dialysepatient gelte man als zu 100 Prozent schwerbehindert. Nach einer Nierentransplantation sinke dieser Wert auf 50 Prozent.

Nierentransplantation

Die meisten Dialysepatienten warten auf eine Spenderniere. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt acht Jahre. Schneller würde es manchmal mit einer Lebendspende gehen, die dürfen aber nur engste Verwandte und Freunde leisten. „Manches wird mit einer Spenderniere einfacher, man braucht nicht mehr dreimal die Woche zur Dialyse“, erklärt Mengeler. Aber gesund sei man dann trotzdem nicht. So muss für die Transplantation und anschließend dauerhaft das Immunsystem des Betroffenen „heruntergefahren“ werden, um eine Abstoßungsreaktion des Körpers zu verhindern. Damit erhöht sich zum Beispiel die Infektionsgefahr. Auch gehen die notwendigen Medikamente zumeist mit schweren Nebenwirkungen einher. „Aber was ist das alles im Vergleich zur Alternative?“, fragt die überzeugte Optimistin.

Wer Fragen zur Dialyse, zur Diät oder zur Nierentransplantation hat oder Probleme mit der Dialyse, der Diät, mit Ängsten oder Einsamkeit, ist – auch als Nichtmitglied – zur Teilnahme an den sonntäglichen Treffen eingeladen.


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