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Staatsanwaltschaft ermittelt War Brand im Franziskus-Hospital ein Tötungsdelikt?

Von Sebastian Philipp

In diesem Zimmer des Franziskus-Hospitals in Georgsmarienhütte ist bei einem Brand am Freitagabend ein Patient ums Leben gekommen. Foto: Jörn MartensIn diesem Zimmer des Franziskus-Hospitals in Georgsmarienhütte ist bei einem Brand am Freitagabend ein Patient ums Leben gekommen. Foto: Jörn Martens

Georgsmarienhütte. Nach dem Tod eines 78-Jährigen im Georgsmarienhütter Franziskushospital ermittelt die Staatsanwaltschaft Osnabrück aktuell gegen den 56-jährigen Zimmergenossen des Mannes. Offenbar gibt es Hinweise darauf, dass er das Feuer gelegt haben könnte, das letztlich zum Tod des Seniors führte.

Das war passiert: In einem Patientenzimmer der Station K3 war es am Freitagabend nach 23 Uhr zu einem Brand gekommen, in dessen Folge ein 78-jährige Patient ums Leben kam. Sein 56-jähriger Zimmergenosse blieb bei dem Feuer unverletzt. Die Obduktion des Opfers ergab nach Angaben der Staatsanwaltschaft Osnabrück, dass der Mann an den Folgen des Brandes verstarb.


Ermittlungen laufen noch

Die Ermittlungen zur Brandursache laufen momentan noch. Nach Informationen unserer Redaktion haben Brandermittler am Dienstag nochmals den Ort des Geschehens in Augenschein genommen. Nach Aussage der Staatsanwaltschaft ist nach dem aktuellen Ermittlungsstand ein technischer Grund für das Feuer nicht festzustellen – insbesondere nicht durch einen elektrischen Schaden an medizinischen oder pflegerischen Geräten in dem betroffenen Patientenzimmer. „Das Feuer ist offenkundig am Bett gelegt worden, eine Brandstiftung als Ursache des Feuers ist wahrscheinlich“, bestätigt Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer auf Anfrage unserer Redaktion.

56-Jähriger dringend verdächtig

Die Ermittler halten daher aktuell den 56-jährigen Mitpatienten des Gestorbenen für dringend verdächtig, den Brand gelegt zu haben. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat das Amtsgericht Osnabrück die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Hintergrund: Der zuständige Richter hält den Mann mindestens für eingeschränkt schuldfähig. Nach Informationen unserer Redaktion ist der 56-Jährige wegen eines Waffendelikts vorbestraft und steht momentan unter Bewährung.


Im Franziskus-Hospital in Georgsmarienhütte ist bei einem Brand am Freitagabend ein Patient ums Leben gekommen. Foto: Jörn Martens


Das Feuer entstand am Freitagabend nach 23 Uhr auf der Station K3 des Krankenhauses. Die Brandmeldeanlage schlug gegen 23.19 Uhr an, ein Großaufgebot von Feuerwehren aus Georgsmarienhütte, Oesede, Kloster Oesede und Belm war mit 95 Einsatzkräften vor Ort. Sie konnten durch ihr schnelles Eingreifen ein Übertreten der Flammen auf weitere Räume verhindern.

Nach Angaben von Michael Schiffbänker, dem Sprecher des Niels-Stensen-Klinikverbundes, zu dem das Franziskus-Hospital gehört, habe die schnelle Reaktion der Einsatzkräfte ein Übergreifen des Feuers auf weitere Bereiche der Station verhindert. So sei lediglich das Patientenzimmer, in dem der 78-Jährige gemeinsam mit dem 56-Jährigen lag, in Mitleidenschaft gezogen worden.


In einem Zimmer des Franziskus-Hospitals in Georgsmarienhütte ist bei einem Brand am Freitagabend ein Patient ums Leben gekommen. Die Station K3 ist nach wie vor gesperrt. Foto: Jörn Martens


Die Station K3 wurde nach Schiffbänkers Angaben komplett evakuiert, die Patienten noch in der gleichen Nacht auf andere Stationen verteilt. Mit Ausnahme des vom Brand betroffenen Zimmers soll die Station noch in dieser Woche wieder funktionstüchtig sein. „Am Donnerstagmorgen können 15 Zimmer der Station mit insgesamt 26 Betten wieder bezogen werden“, sagt Schiffbänker.

Nach Abschluss der Ermittlungsarbeiten am Brandort muss das betroffene Zimmer nach Angaben des Sprechers grundsaniert werden. Aktuell prüfen Techniker alle elektrischen Geräte auf der Station. Hintergrund: Durch den Brand hat sich in Teilen der Station ein feiner Rußfilm abgesetzt. „Wir müssen sicherstellen, dass dadurch keine Geräte in Mitleidenschaft gezogen wurden“, sagt Schiffbänker.

„Auch wenn die Behörden weiter ermitteln, stehen wir dem, was sich andeutet, erschüttert gegenüber“, wird Werner Lullmann, Geschäftsführer der Niels-Stensen-Kliniken in einer am Dienstag veröffentlichten Pressemitteilung zitiert. „Wir wünschen den Hinterbliebenen in dieser Situation viel Kraft und sind in Gedanken bei ihnen.“


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