13.000 tanzen auf Kirmesplatz GMHütte gewinnt Stadtwette gegen NDR

Von Andreas Wenk


Georgsmarienhütte. „Georgsmarienhütte ist die geilste Stadt der Welt“, findet Eleonore Bensmann, die gemeinsam mit ihrer Freundin Gesa Naumann am Samstag auf den Oeseder Kirmesplatz gekommen ist. Beide haben sich als Cowgirls verkleidet und damit zum Gewinn der NDR-Stadtwette beigetragen.

Zwei von 569 „Village People“. Gefordert waren 250. Das schien zunächst die größte Hürde. Gegen 18 Uhr waren nur einige hundert Besucher auf dem Platz. Dennoch blieb Bürgermeister Ansgar Pohlman gelassen. Schließlich hatte er den Stopp der NDR-Sommertour zur Chefsache gemacht, nachdem Astrid Durstewitz das Projekt aufs Gleis gesetzt hatte. Bereits seit Wochen hatte Pohlmann bei jeder Gelegenheit daran erinnert, dass das Engagement der Bevölkerung gefragt sei. Seit Montag stand nun fest: 250 Bürger galt es als „Village People“ verkleidet auf die Bühne zu bringen. Sie sollten sich als Polizist, Soldat, Indianer nach dem Vorbild der legendären Disco-Gruppe „Village-People“ präsentieren.

Bauarbeiter

Der Zählappell war auf Samstagabend 19.15 Uhr angesetzt. Dem Vorbild ihres Bürgermeisters folgend, waren die Bauarbeiter, ebenfalls eine der Village-People-Bühnenfiguren, deutlich in der Mehrheit. Gefühlt, so Moderatorin Kerstin Werner, 499 von 569. Nach dem Motto, einen Hammer, Schraubenzieher oder Arbeitsschuhe hat jeder zuhause, war dies der wohl einfachste Weg, sich zu verkleiden.

Um gezählt zu werden, mussten drei Merkmale einer Village-People-Figur sichtbar sein. Pohlmann dankte schließlich nicht nur den Bürgern, sondern auch den Unternehmen, die 120 Sicherheitshelme und Westen zur Verfügung gestellt hatten, um Besucher noch in letzter Minute ausstatten zu können. Sammelpunkt war der Eingang zum Rathaus. Wie eine Karnevalsprozession drängten sich dann die kostümierten Hütteraner durch die Menge, vorbei an der US-Kleinstadtkulisse. Die zusammenzuzimmern, war Teil zwei der Stadtwette und prächtig gelungen. Vor diesem Hintergrund und live in der Sendung „Hallo Niedersachsen“ resümierte Durstewitz, die Woche sei „anstrengend gewesen, hat aber tierisch viel Spaß gemacht.“

Unterstützung

Dabei habe es von allen Seiten große Unterstützung gegeben. So habe die Bildungswerkstatt aus einem ausgedienten Kompressor einen Hydranten gebaut, der sich perfekt in den von der Kunstschule Paletti gestalteten Bürgersteig mit Ladenzeile einpasste. Wie Torsten Robrahn mit seinem Feuerwehr-Straßenkreuzer Baujahr 69 hatten einige Liebhaber us-amerikanischer Fahrzeuge ihre top-gepflegten Liebhaberstücke von der Harley über ein Trike bis hin zu einem Jeep und zu einem ausrangierten Polizeiwagen zur Verfügung gestellt. So entstand ein authentisches Gesamtkunstwerk, dass ab Punkt 19.30 Uhr für „Hallo Niedersachsen“ als Open Air Studio diente. Dort verkündeten Kerstin Wagner und Arne-Torben Voigts schließlich das Ergebnis der offiziellen Kostümzählung, bevor dann der ganze Platz den Village-People-Song „Y.M.C.A.“ anstimmte. Mehr aus Georgsmarienhütte lesen Sie hier.

Der NDR war mit fünf Kameras angerollt, teils mit festen Standplätzen, aber auch mobil. Da hatten die Kabelträger und Ordnungshüter, unterstützt von der Jugendfeuerwehr Oesede alle Hände voll zu tun, um die Bewegungsfreiheit der Kameraleute zu gewährleisten und sicherzustellen, dass niemand in dem Gewühl stolpert.

Sanitäter

Alles gut gegangen, so das Fazit von Malteser Einsatzleiter Michael Schulze. Er schätzte die Teilnehmerzahl auf rund 10.000, der NDR sogar auf 13.000 Besucher. Trotzdem war, zumindest bis 21 Uhr nur 20 Mal Hilfe nötig. Zwei Jungen hatten ihre Eltern in dem Getümmel verloren, zwei Personen hatten Probleme mit dem Kreislauf und ein paar Insektenstiche. Für die Sanitäter um Ann-Catherine Scheiter eher Routine. Entspannt auch die Lage beim 24köpfigen Team des SIWA-Sicherheitsdienstes. Auch bei der Polizei hieß am Tag danach „alles entspannt.“

Ab 21 Uhr ging dann die Party schließlich richtig los. The Smashing Picadillys heizten dem Publikum bereits kräftig ein, bevor dann die „Kings of Disco Former Members of Village People“ die Bühne betraten, zunächst in schwarzen Jogginganzügen und Basecaps. Da schien das Publikum dem Original näher zu kommen als die Formation auf der Bühne, die sich trotz Gründungsmitgliedern in ihren Reihen aus rechtlichen Gründen einen etwas umständlichen Namen zulegen musste. Nach einigen Songs dann die unter dem Namen „Village People“ gewohnt bunte Kostumvielfalt. Lanzer, Biker, Indianer und andere Charaktere. Schließlich wurden sich Bühnendarsteller und Publikum immer ähnlicher. Bei „Y.M.C.A.“ im Original standen die Musiker bereits überwiegend als Bauarbeiter auf der Bühne.

Ausgelassen

Der NDR mit 20 Leuten vor Ort, die Bühnentechnik von Hock Walter mit weiteren 15 Personen zusammen mehrere Kilometer Kabel und eine Truck-Wagenburg neben der Bühne. Für Georgsmarienhütte und seine Bürger dürfte sich der Aufwand gelohnt haben. Vorläufige Bilanz: Ausgelassene Stimmung unter den vielen Besuchern und eine weiter über Stadt und Landkreis hinausreichende positive Darstellung durch den NDR, ganz im Sinne von Eleonore Bensmann.


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