Bibelwoche in Ohrbeck Bibellektüre stiftete auch schon Ehen

Von Stefan Buchholz

„Es ruft eine Stimme“ - Teilnehmer führten zum Jubiläum der Internationalen Jüdisch-Christlichen Bibelwoche im Bildungshaus Ohrbeck ein Singspiel mit instrumentaler Begleitung auf. Foto: Stefan Buchholz„Es ruft eine Stimme“ - Teilnehmer führten zum Jubiläum der Internationalen Jüdisch-Christlichen Bibelwoche im Bildungshaus Ohrbeck ein Singspiel mit instrumentaler Begleitung auf. Foto: Stefan Buchholz

Georgsmarienhütte. Zum 50-zigsten Mal trafen sich jetzt Menschen zur alljährlichen Internationalen Jüdisch-Christlichen Bibelwoche. Dabei werden die Texte des Alten Testaments aus jüdischer und christlicher Perspektive gelesen, besprochen oder kreativ umgesetzt.

Fast geschafft! Seit der ersten Bibelwoche 1969, haben die Teilnehmer fast schon das gesamte Alte Testament gelesen. Zeit für eine Jubiläumsfeier, um an die Anfänge und Entwicklung zu denken. Über 20 Jahre nach der Shoa und der Gründung Israels sowie drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils vereinbarten Christen aus Deutschland und Juden aus Großbritannien 1968 eine gemeinsame Bibelwoche.

Im Jahr darauf, traf man sich in einem Bildungshaus im rheinischen Bendorf. Die Genesis, das erste Buch des Alten Testaments, wurde aufgeblättert. „Anfangs war das noch typisch deutsch organisiert: Mit Vorträgen den ganzen Tag lang“, erinnerte sich Rabbiner Jonathan Magonet bei der Feier in Ohrbeck.

Der Mitbegründer und -organisator der Bibelwoche lobte zudem, dass sich im Laufe der Zeit die Strukturen „demokratisiert“ hätten. Statt Referenten gab es nun Arbeitsgruppen, die den im Schnitt jährlich 130 Bibelwochenbesuchern je nach Vorkenntnis unterschiedliche Möglichkeiten zum „Andocken“ geben.

Anschluss finden etwa jene, die flüssige Hebräischkenntnisse haben und in der Woche konzentriert am Originaltext arbeiten, seine Bedeutung erforschen sowie kompositorische Zusammenhänge und die Entwicklungen des jeweiligen Buches zu erfassen suchen.

Andere studieren den biblischen Text aus der Perspektive der jüdischen und christlichen Traditionen. Gesprochen wird darüber in den Tagungssprachen Deutsch und Englisch mit dem besonderen Blick auf die Welt von heute. Oder: Wieder andere interpretieren nach der Lektüre den Text mit verschiedenen Materialien. Auch musikalisch dürfen die Bibelworte vertont werden.

Wer ist der typische Bibelwochenteilnehmer? Den gibt es nicht, meint die Bibel-Bildungsbeauftragte des Bistums Osnabrück und Bibelwochen-Mitorganisatorin Uta Zwingenberger. „Es kommen Theologen aus der Wissenschaft, Pfarrer und Rabbiner, aber auch Menschen, die in ihrer Biografie einen Bezug zur jüdisch-christlichen Welt haben.“ Sie reisen vorwiegend aus Europa, auch aus Israel und den USA an.

Raum bleibt während der Woche auch für das Kennenlernen beim Wein am Abend. „Hieraus sind zahlreiche Freundschaften und einige Ehen entstanden“, berichtete Ursula Rudnick von der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover.

Uta Zwingenberger war es, die 2003 die Bibelwochen in Ohrbeck etablierte, nach dem das Bildungshaus in Bendorf wegen Insolvenz schließen musste. Und sie erarbeitet mit Jonathan Moganet und einem achtköpfigen Team aus jüdischen und christlichen Fachleuten das jeweilige Bibelwochenprogramm. In maximal zehn Jahren sei man mit der Lektüre des Alten Testaments durch, schätzt Zwingenberger. Und dann? „Akute Planungen gibt es noch nicht. Vermutlich fangen wir wieder von vorne an.“


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