Gibt es "Hitzefrei"? So reagieren Arbeitgeber in Region auf die anhaltende Hitze

Von Oliver Wichmann

Ein Ventilator sorgt am Arbeitsplatz für Abkühlung. Foto: dpa/Karl-Josef HildenbrandEin Ventilator sorgt am Arbeitsplatz für Abkühlung. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Osnabrück. Das Unternehmen Höfelmeyer aus Georgsmarienütte hat vorige Woche seinen Mitarbeitern für zwei Tage "Hitzefrei" gegeben. Doch wie gehen andere Unternehmen mit der andauernden Hitze um und welche Maßnahmen können vom Arbeitgeber ergriffen werden?

Überschreiten die Temperaturen in Arbeitsräumen eine bestimmte Temperatur, gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die der Arbeitgeber ergreifen kann oder sogar muss, wie einem Merkblatt der IHK zu entnehmen ist.

Durch Sonnenschutz-Vorrichtungen soll verhindert werden, dass die Temperatur am Arbeitsplatz auf mehr als 26 Grad steigt. Ist diese Grenze überschritten, ist das ein Hinweis für den Arbeitgeber, dass die Angestellten einer erhöhten Belastung ausgesetzt sind. Getränke sollten bereit gestellt werden, auch die Kleiderordnung darf gelockert werden. Falls möglich, kann die Arbeitszeit auf Tageszeiten gelegt werden, an denen die Temperatur noch erträglich ist. Diese Maßnahmen sind allerdings allesamt freiwillig, die Entscheidung der Umsetzung liegt beim Arbeitgeber.

Ist die Temperatur höher als 30 Grad, muss der Arbeitgeber die vorher freiwilligen Maßnahmen umsetzen und weitere Schritte einleiten. Elektrische Geräte sollten nur noch bei Bedarf betrieben werden, um weitere Wärmequellen zu vermeiden. Morgendliches oder nächtliches Lüften sorgt für einen Luftaustausch.

Ab einer Raumtemperatur von 35 Grad darf nicht mehr gearbeitet werden. Das heißt aber nicht, dass die Arbeitnehmer nach Hause gehen dürfen. Der Arbeitgeber muss Gegenmaßnahmen ergreifen, bis die Temperatur wieder unter 35 Grad gesunken ist. Die Angestellten können auch an einen kühleren Arbeitsplatz versetzt werden. Durch technische und organisatorische Maßnahmen (Luftduschen, Wasserschleier, Entwärmungsphasen) oder Schutzausrüstung (Hitzeschutzkleidung) darf auch bei über 35 Grad gearbeitet werden. Gerade in Bäckereien kann es durch die zusätzliche Wärme der Öfen zu solchen Temperaturen kommen. Anja Meister, Geschäftsführerin der Bäckerei Middelberg, ist sich des Problems bewusst: "Wir haben Fillialen, in denen man relativ einfach durchlüften kann, dadurch findet ein guter Luftaustausch statt. Zusätzlich stellen wir noch Ventilatoren auf". Auch die Schürze dürfe mal weggelassen werden, erklärt sie.

Robert Alferink von der IHK erklärt, dass bei großen Unternehmen durch das betriebliche Gesundheitsmanagement häufig individuelle Lösungen gefunden werden. Angestellten von kleineren Betrieben bliebe bei unerträglicher Hitze am Arbeitsplatz aber oft nur der Abbau von Überstunden.

Gerade für Handwerker, die draußen arbeiten und der Sonne über mehrere Stunden ausgesetzt sind, stellen hohe Temperaturen ein Problem dar. Der Arbeitgeber muss die Angestellten vor direkter Sonneneinstrahlung durch Mützen oder Sonnensegel schützen. Manche Unternehmen reagieren auch flexibel auf hohe Temperaturen und passen die Einsatzorte an. "Wir schicken unsere Mitarbeiter nicht bei hohen Temperaturen auf ein schwarzes Flachdach", sagt Henrik Wellenkötter vom Zimmermanns-Betrieb "Die Zimmerei" in Wallenhorst. Da das Unternehmen auch mit Subunternehmen arbeite, liege die Entscheidung aber letztendlich nicht immer bei ihnen selber, beschreibt der Geschäftsführer.

Auch erhöhte Ozonwerte sind bei der Arbeit im freien gefährlich: Schwere Arbeiten sollten eingestellt werden, gerade Asthmatiker können Probleme bekommen.

Praktisch für draußen Arbeitende: die Bauwetter-App der Berufsgenossenschaft für Bauwirtschaft. Auf Basis der aktuellen Wetterdaten werden dort die notwendigen Arbeitsschutzmaßnahmen angezeigt. Die App kann im Google Play Store und im Appstore kostenlos heruntergeladen werden.


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