Ferien auf besondere Art Emily Vogelsang kommt aus Peking zur Ferienfahrschule nach Osnabrück

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Oesede/Osnabrück. Jedes Jahr in den Sommerferien besucht die GMHütterin Emily Vogelsang ihre Verwandten in Oesede. Die Anreise ist weit, denn die 17-jährige lebt seit elf Jahren mit ihren Eltern und ihrem Bruder Cedric in Peking. Außer dem Familientreffen gibt es diesen Sommer noch einen weiteren Anreiz für Emily, den stundenlangen Flug auf sich zu nehmen: Sie absolviert den „Ferienführerschein“ bei einer Osnabrücker Fahrschule.

„Beim sogenannten Ferienführerschein haben Fahrschüler die Möglichkeit, ihre Fahrlizenz innerhalb von zwei Wochen zu erlangen“, erklärt Simon Michalowski, Geschäftsführer der einzigen Osnabrücker Fahrschule, die ein derartiges Angebot offiziell bewirbt. Dabei würden die gleichen Anforderungen in Theorie und Praxis, inklusive der entsprechenden Prüfungen an die Schüler gestellt, wie bei der gängigen Fahrausbildung. „Klar, das fordert ganz schön. Ich bin derzeit jeden Tag in der Fahrschule“, berichtet Emily Vogelsang. Die Erfahrung ihres Fahrlehrers zeigt: „Nebenbei jobben oder Schule ist nicht möglich“. Wie anstrengend es für den jeweiligen Fahrschüler wird, sei recht unterschiedlich, denn einige, so auch Emily, benötigen nur 27 Fahrstunden bis zur Prüfung, andere wiederum 50 oder mehr. „Das kommt selten vor, aber dann kann man es natürlich nicht in zwei Wochen schaffen“, meint Simon Michalowski.

Voraussetzung sei zudem Flexibilität aufgrund der engen Terminplanung. Nicht nur Schüler nutzen in den Ferien das Angebot des Ferienführerscheins, auch Berufstätige, die sich zwei Wochen Urlaub nehmen oder junge Eltern, die sich für den kurzen Zeitraum eine Kinderbetreuung organisieren, kämen gerne darauf zurück. „Eine Variante, um spontan schnellstmöglich an den Führerschein zu kommen ist es aber nicht, denn die Planungen sowohl in der Fahrschule als auch der Vorlauf bei den Behörden muss berücksichtigt werden“, erklärt Simon Michalowski.

Warum nicht in Peking?

Emily hat sich entschieden, den Führerschein in Deutschland zu absolvieren, weil dieser – im Gegensatz zu dem chinesischen Führerschein – problemlos europaweit gültig ist. Schließlich plant aie nach ihrem Abitur zurück in das Osnabrücker Land zu kommen. „Und falls ich mich doch nicht von Peking trennen kann und dort bleibe, um Chinesisch zu studieren, kann ich meinen Deutschen Führerschein umschreiben lassen“, weiß sie. Auf das Autofahren in der Millionen-Metropole Peking mit ihren überfüllten Straßen, würde sie dann aber weitestgehend verzichten. „Verkehrsregeln haben dort scheinbar keinen hohen Stellenwert. Seitenstreifen werden einfach so befahren, Krankenwagen oftmals blockiert und wenn die Polizei durchfährt, wird sich daran gehängt um schneller voran zu kommen“, berichtet Emily.

Raus aufs Land

Das Auto setzt ihre Familie in Peking dann ein, wenn es aus der Stadt hinaus gehen soll. Zum gut hundert Kilometer entfernten Strand oder zur Chinesischen Mauer. „Dort laufen wir gerne mit unserem Golden Retriever Mischling Lucky, den wir dann auch mal von der Leine lassen können“, so Emily. Viele Chinesen hätten zwar Angst vor großen Hunden, aber die Haltung von Haustieren würde immer beliebter. Das Essen von Hundefleisch sei inzwischen in vielen Regionen Chinas, so auch in Peking, sehr umstritten.

Zweite Heimat

Für Emily ist Peking zur Heimat geworden. 2007 zog sie als Sechsjährige mit ihrer Mutter und ihrem Bruder zu ihrem Vater nach China, der dort bereits zwei Jahre vorher eine Arbeitsstelle bei einer Küchenfirma antrat und nun als Technischer Leiter tätig ist. Emily geht zur Deutschen Botschaftsschule, die Grund- und Gesamtschule vereint. „Leider spreche ich bis heute kaum Chinesisch, da meine Freunde zumeist auch einen internationalen Hintergrund haben und Englisch sprechen“, sagt sie. In Peking käme man heute gut mit Englisch zurecht. Das sei in ihrer „Anfangszeit“ dort noch anders gewesen. „Vor zehn Jahren trugen auch die Straßenschilder ausschließlich Chinesische Schriftzeichen. Damals haben sich meine Eltern tatsächlich beim Autofahren in Peking mit einem Kompass orientiert“, erinnert sich Emily und steigt schmunzelnd in das Fahrschulauto.


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