Es blüht trotz Hitze und Trockenheit Projekt Blühwiese in Georgsmarienhütte bietet Insekten Nahrung und Nistplätze

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Die Blühwiese gedeiht: Peter Borgmann, Kai Behncke, Tobias Zehn und Beate Maria Zimmermann (von links) betrachten eine Wiesensilge. Foto: Petra PieperDie Blühwiese gedeiht: Peter Borgmann, Kai Behncke, Tobias Zehn und Beate Maria Zimmermann (von links) betrachten eine Wiesensilge. Foto: Petra Pieper

Georgsmarienhütte. „Eine wichtige Fläche für den Naturschutz“ nennt Kai Behncke von der Initiative „Blumiger Landkreis Osnabrück“ die zwei Hektar große Blühwiese auf dem Westerkamp in Georgsmarienhütte, auf der er im April Saatgut von heimischen Wildpflanzen ausgebracht hatte. Und sie blüht und gedeiht, trotz des trockenen Wetters.

Bei einer Inaugenscheinnahme jetzt, knapp drei Monate später, sieht man: Trotz anhaltender Hitze und Trockenheit schon seit Mai ist die Saat aufgegangen und sind die Pflanzen dicht und hoch gewachsen. Sowohl die Schmetterlings-Wildblumenmischung als auch die regionale Mischung „Landschaft-Nord“ stehen gut in Blüte, befindet der Biologe vom Botanischen Garten, Peter Borgmann, der das Projekt wissenschaftlich begleitet.

Wilde Möhre und echte Kamille

Er vergleicht den aktuellen Bestand mit der Artenliste der Aussaatmischung und registriert unter anderem Wilde Möhre, echte Kamille, Disteln, Klee, Phacelien, Kornblumen, Sonnen- und Ringelblumen sowie vereinzelt roten Lein oder Wiesenkümmel. Sein besonderes Interesse ruft ein hoch gewachsener Doldenblütler hervor, eine Wiesensilge, die einem Fenchel zum Verwechseln ähnlich sieht. Angesprochen auf die große Zahl gelb blühender Greis- oder Kreuzkräuter (Senecio), die nicht in der Aussaatmischung enthalten waren, erklärt der Biologe, dass er die „gegenwärtige Panik“ wegen der giftigen Pflanze nicht teile, aber sie durchaus im Blick behalte: „Diese große Blühfläche eignet sich bestens zum Experimentieren.“ Da die Blühmischungen auch zweijährige Sorten enthielten, rechnet er auch im nächsten Jahr mit „Neuerscheinungen“ wie zum Beispiel Margeriten oder Wiesensalbei.

Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten

„Es ist toll, wie viele Schmetterlinge vom Admiral bis zum Bläuling, Wildbienen und andere Insekten sich hier tummeln“, freut sich Beate Maria Zimmermann von der Stahlwerk-Stiftung, die das Projekt finanziert. Vor drei Wochen sei es noch bunter gewesen, berichtet Behncke, da habe es große Flächen von blauem Lein gegeben. Für ihn ist die Wiese eine „Rettungsinsel für Insekten“ innerhalb der großflächigen Monokulturen ringsum. „Hier, auf einer ökologisch nicht unbelasteten Fläche, entsteht ein Rückzugsraum für Wildbienen und andere Insekten, die gut im sandigen Boden nahe den Gleisen oder im Brombeergestrüpp nisten können und gleich nebenan einen reich gedeckten Tisch vorfinden.“

„Wir machen auf jeden Fall weiter“

Damit möglichst lange etwas blüht und die Insekten auch im Herbst noch Nahrung finden, wurden etwa zwei Drittel der Wiese vor 14 Tagen gemäht – „geschlegelt“ sagt Tobias Zehn von der Umweltabteilung der Georgsmarienhütte GmbH, die diese Aufgabe übernommen hat. Dadurch dringe das Licht wieder bis zum Boden und die Pflanzen treiben noch einmal neu aus. Der Rest der Fläche wird nicht gemäht, sondern für eine erneute Aussamung stehengelassen.

„Wir machen auf jeden Fall weiter“, betonte Beate Maria Zimmermann, das Projekt passe sehr gut in die aktuelle Situation, in der mit dem drastischen Rückgang an Insekten auch ein Singvogel- und Kleintierschwund drohe. „Hier finden die Insekten Nahrung und Nistmöglichkeiten.“


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